Planet der Vampire

Bluray-Cover zu dem Film "Planet der Vampire" (Terrore Nello Spazio, Italien/Spanien 1965) von Mario Bava

Terrore Nello Spazio (Italien/Spanien 1965)

 

Regie: Mario Bava. Drehbuch: Alberto Bevilacqua, Callisto Cosulich, An­tonio Román, Mario Bava und Rafael J. Salvia; nach der Kurzgeschichte Una Notte Di 21 Ore (1963) von Renato Pestriniero. Kamera: Antonio Ri­naldi, Antonio Pérez Olea; Mario Bava (ungenannt)

Schnitt: Romana Fortini, Antonio Gimeno. Musik: Gino Marinuzzi Jr. Darsteller: Barry Sullivan (Captain Mark Markary), Norma Bengell (Sa­nya), Angel Aranda (Wess), Evi Marandi (Tiona),  Franco Andrei (Garr), Fernando Villena (Dr. Karan), Frederico Boido (Keir) u. a.

Produzenten: Fulvio Lucisano; Salvatore Billitteri (assoz. Produzent). Companies: Castilla Cooperativa Cinematográfica, Italian International Film; AIP (Verleih USA), Mercator (Verleih Deutschland)

Laufzeit: 88 Minuten; Farbe

Premiere: 15. September 1965 (Italien); 27. Oktober 1965 (USA); 17. Januar 1969 (Deutschland). Englischer Titel: Planet of the Vampires

 

In den Tiefen des Alls empfangen die beiden Schwesterschiffe Argos und Galliot Notsignale vom unerforschten Plane­ten Aura, einer unwirtlichen, felsigen Welt, die von dichten Nebeln umwölkt ist. Im Orbit um Aura reißt der Kontakt beider Schiffe zueinander ab; später wird die Argos von einer unwiderstehlichen, unbekannten Kraft auf die Oberflä­che des Planeten hinabgezwungen. Dabei herrschen entsetzlich hohe G-Kräfte an Bord, und alle Besatzungsmitglieder werden bewusstlos; lediglich Captain Markary gelingt es, die Kontrolle zu bewahren und das Schiff fast unversehrt landen zu lassen.

 

Als die Besatzungsmitglieder wieder zu Bewusstsein kommen, greifen sie einander aus unerfindlichen Gründen plötz­lich wie rasend an und versuchen, sich zu töten. Die Anfälle währen allerdings nur kurz und werden jeweils von nicht besessenen Kollegen unter Kontrolle gebracht. Die Argos kann die Galliot orten, die ganz in der Nähe ebenfalls auf dem Planeten niedergegangen ist. Ein Erkundungsteam findet an Bord der Galliot jedoch nur noch die Leichen aller Besatzungs­mitglieder auf – offenbar war der mörderische Wahn dort stärker gewesen, und alle an Bord des Schiffes haben sich gegenseitig umgebracht. Tief bewegt beerdigen die Argos-Raumfahrer die tote Crew.

 

Während an der Argos noch einige Schäden von der Landung zu reparieren sind, erkunden Markary, Sanya und Carter ihre von gezackten Felsnadeln und Lavafeldern geprägte Umgebung. Dabei stoßen sie auf das Wrack von einem au­ßerirdischen Raumschiff, das von gut drei Meter großen Humanoiden geflogen worden war – und von denen nur noch zwei Skelette übrig geblieben sind. Carter, der vor dem Schiff Wache halten soll, während Markary und Sanya das Innere des Schiffs inspizieren, verschwindet spurlos. Derweil haben sich die bestatteten Toten der Galliot aus ihren Gräbern erhoben, beginnen, um die Argos zu schleichen und die Wachposten vor dem Schiff zu attackieren, und auch Carter taucht als feindseliger Untoter wieder auf. Einem Untoten gelingt es, das Steuergerät der Meteoroiden-Abwehr aus der Argos zu stehlen und zur havarierten Galliot zu bringen. Einen zweiten von ihnen kann Captain Markary über­wältigen. Er erklärt, dass aus ihm eine körperlose Lebensform von Aura spricht, die in die Leiche des Raumfahrers ge­fahren ist und sie nur als Werkzeug benutzt. Da Auras Sonne zu verlöschen droht, haben die Auraner beschlossen, ihre Heimatwelt zu verlassen und sich auf einer neuen Welt anzu­siedeln. Zu diesem Zweck benötigen sie Körper und Raumschiffe, die sie mit ihrem gefälschten Notsignal herbeige­lockt haben. Schon bald wollen sie mit der reparierten Galliot aufbrechen.

 

Das Meteoroiden-Abwehrgerät ist für einen längeren interstellaren Flug überlebensnotwendig, und so versuchen die Raumfahrer der Argos, es wieder zurückzuholen. In den folgenden Auseinandersetzungen mit Strahlenwaffen sterben alle von ihnen bis auf drei: Markary, Sanya und Wess. Sie bringen das wiederbeschaffte Meteoroiden-Abwehrgerät an Bord der Argos und starten ins All. Kurz darauf muss Wess allerdings feststellen, dass auch Markary und Sanya von Au­ranern übernommen worden sind. In einem Verzweiflungsakt zerstört Wess das Meteoroiden-Abwehrgerät, erleidet dabei aber einen Energieschlag und stirbt. Die Auraner sehen sich daher gezwungen, statt der Heimatwelt der Argos einen unterentwickelten, wenig attraktiven Planeten in der Nähe anzusteuern und sich dort anzusiedeln: Sie nehmen Kurs auf die Erde.

 

Eine stylishe Perle des Sci-Fi-Trashs

 

Der Science-Fiction-Horrorfilm Terrore Nello Spazio („Terror im Weltraum“) ist ein typischer, grobschlächtiger Low-Budget-Streifen, wie sie in den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren zuhauf in den römischen Cinecittà-Studios in allen gängigen Genres gedreht wurden – abenteuerliche, grelle, oft mit Sex und Gewalt aufgeladene Massenware, die ihre Vorbilder aus trivialen Romanheften oder Comics bezogen und die Genreklischees nach Schema F durchdekli­nierten. Simpel gestrickte Unterhaltung, die keine höheren Ambitionen hegte und über die das Feuilleton seinerzeit allenfalls angewidert die Nase rümpfte. Der bildungsbürgerlichen Empörung zum Trotz haben sich diese „Schundstrei­fen“ eine große Fangemeinde gewonnen, die bis heute eine besondere Wertschätzung für das billige italienische Kino hegt.

Szenenfoto zu dem Film "Planet der Vampire" (Terrore Nello Spazio, Italien/Spanien 1965) von Mario Bava; Angel Aranda und Barry Sullivan
Wess (Angel Aranda, l.) und Captain Markary (Barry Sullivan) an Bord des Raumschiffs Argos

Auch bei Trashfilmen gibt es, wie überall, Qualitätsunterschiede. Planet der Vampire, wie der Film im deutschen Ver­leih heißt, sticht unter den italienischen Science-Fiction-Filmen besonders hervor. Inszeniert wurde er nämlich vom kultisch verehrten Mario Bava (1914–1980), dem stilsicheren Großmeister italienischer Horror- und Giallo-Filme. In sei­ner einzigen Space Opera entfaltet Bava mit einfachsten Mitteln einen wunderschönen, stylishen Look und jede Men­ge unheimliche Atmosphäre – und kombinierte das technologisch betonte Raumfahrtthema recht originell mit dem Horrorgenre, wobei er freilich nicht der erste war, der das tat, wie oft behauptet wird. Zu Recht gilt Planet der Vampi­re als der beste aller billigen italienischen Science-Fiction-Filme jener Zeit.

 

Mario Bava war als Sohn des Kameramanns Eugenio Bava (1886–1966) mit dem italienischen Kino aufgewachsen. Aus­gebildet als Kunstmaler, folgte er bald seinem Vater ins Filmgewerbe und hatte aufgrund seiner künstlerischen Ausbil­dung eine besondere Sensibilität für die Ausdruckskraft der Bildkomposition entwickelt. Bis 1960 arbeitete Bava als Kameramann und hatte ansonsten nur eine Reihe von Kurzfilmen inszeniert; außerdem sammelte er Erfahrungen auf dem Gebiet der Spezialeffekte und erwies sich dabei als sehr geschickt. Als der Regisseur Riccardo Freda (1909–1999) nach einem Streit mit den Produzenten die Arbeit an dem Film Der Vampir von Notre-Dame (1957) verließ, sprang Bava, bis dahin nur als Kameramann am Set, als Regisseur ein und drehte den Großteil des Films zuende, ohne später in den Credits genannt zu werden. Der Film stand am Anfang einer Welle von „gotischen“ Horrorfilmen in Italien, die Mario Bava entscheidend prägen sollte.

 

Nach weiteren Filmen von Riccardo Freda und Jaques Tourneur (Die Schlacht von Marathon, 1959), die Mario Bava voll­endete, erhielt der angehende Regisseur endlich die Chance, selbst einen Film zu inszenieren, der ihm beliebte. Sein schockierend brutales, in Schwarzweiß gedrehtes Debut Die Stunde, wenn Dracula kommt (1960) war ein Riesenerfolg, zählt heute zu den unsterblichen Klassikern des Horrorfilms und gilt als einer der besten Filme von Mario Bava (die mit Eisendornen bewehrte „Schandmaske“ der Hexe Asa und ihre leeren Augenhöhlen, aus denen Spinnen krabbeln, sind wohl jedem unvergessen, der den Film gesehen hat). Der Regisseur arbeitete fortan in vielen Genres – Wikingerfilme, Spaghetti-Western, Actionfilme und sogar Softcore-Filme –, aber es war das Horrorgenre, das ihn am meisten begeis­terte und wo er seine besten Arbeiten ablieferte. Zudem kreierte er mit seinen Filmen La Ragazza Che Sapeva Troppo (1963) und Blutige Seide (1964) das spezifisch italienische Thrillergenre des Giallo, das später von Dario Argento (geb. 1940) perfektioniert werden sollte.

 

Mario Bavas Gespür für eine effektive Kameraarbeit und sein Talent, mit einfachsten Mitteln der Beleuchtung und des Setdesigns Atmosphäre zu schaffen, ist auch in Planet der Vampire zu bewundern. Bava musste für die Bühnenbauten mit geringsten Mitteln auskommen, auch wenn seine in einem Interview einmal geäußerte Behauptung, für die Land­schaft des Planeten Aura nicht mehr als zwei aus einem Sandalenfilm übrig gebliebene Felsenattrappen aus Pappma­ché zur Verfügung gehabt zu haben, ganz offensichtlich übertrieben ist. Üppig wabernde Nebelschwaden sollten nicht nur eine unheimlich-schaurige Atmosphäre schaffen, sondern auch die mageren Sets kaschieren. Es ist erstaunlich, wie schaurig-schön und vermeintlich weitläufig die gezackte, raue, felsige Planetenoberfläche am Ende geraten ist – man vergleiche die beachtliche Leistung hier beispielsweise nur einmal mit der weitaus ärmlicheren Marslandschaft in Ni­cholas Websters Endstation Mars (1968). In mehreren bemerkenswerten matte shots und „gezwungenen Perspektiven“ kombinierte Bava die klein erscheinenden Schauspieler mit seinen Pappmachéfelsen, mit Miniaturen der Felsenland­schaft und den Raumschiffmodellen, die am Horizont oder im Vordergrund zu sehen sind, und schuf so sehr effektiv die Illusion von großer räumlicher Tiefe. Atmosphärische Wirkung aber erzielte Bava vor allem mit der kräftigen Aus­leuchtung der Szenerie in glühendem Rot und Orange, kombiniert mit düsterem Blau und Dunkelheit in der Ferne, die den Planeten Aura wie einen Vorhof zur Hölle wirken lassen. Im Falle der Lavafelder musste die grellrote Beleuchtung sogar ganz für das Gemeinte herhalten – außer ein paar kurzer Einstellungen von blubberndem Modder gab es auf dem Set nichts, das die Lava sonst repräsentierte. An Bord der Argos, in antiseptischer, technologischer Umgebung, dominiert dagegen grünes und lilafarbenes Licht. Bavas geniales Design der Beleuchtung seiner kargen Sets in klaren, satten Farben schaffen einen bunten, surrealen Stil, der zunächst an Comics, aber auch an die zeitgenössische Pop Art erinnert.

Szenenfoto zu dem Film "Planet der Vampire" (Terrore Nello Spazio, Italien/Spanien 1965) von Mario Bava
Auras Landschaft ist hier eine Kombination aus Miniatur und als matte shot eingefügten Schauspielern

Natürlich sind dem Film seine billigen Trashgene jederzeit anzusehen, doch ist der Film derart gekonnt in ein surreales Odeur getaucht, dass alles irgendwie auch glaubwürdig wird. Die schwarzen Vinylkombis mit extrem hohen Krägen, die die Raumfahrer tragen, wirken absurd, dann aber auch wieder gelungen. Das weitläufige Set der Argos mit seinen Computer- und Armaturentafeln, die den Raumfahrern nur eine Handvoll Tasten, Kippschalter und blinkende Lichter bieten, ist kaum schlechter als in jedem anderen Science-Fiction-Film der Zeit. Die Riesenskelette der toten Außerirdi­schen vor und im Raumschiffwrack wirken sogar sehr überzeugend, und das mit einigem Aufwand erstellte Set des Raumschiffwracks selbst ist sogar überraschend üppig, originell und unheimlich ausgefallen – es enthält sogar eine mit Miniaturen ausgeführte, unheimliche Maschinenhalle, die überdeutlich von den Maschinensälen der Krell aus Fred M. Wilcox’ Alarm im Weltall (1956) inspiriert ist. Das hellrote Kunstblut und die Schockmomente sind selbst nach damali­gen Maßstäben harmlos, wenn auch einzelne Szenen wie jene, in der sich die Toten aus ihren Gräbern erheben und die Plastikfolie zerreißen, in die sie eingewickelt sind, gespenstische Wirkung entfalten. Wirklich mies ist dagegen das ver­wendete Spielzeugmodell der Argos: Es ist viel zu klein und damit sofort als Modell erkennbar, zudem wackelt es in einigen Einstellungen ziemlich stark an seinen Drähten, wenn es für Start-, Lande- und Flugszenen bewegt wird.

 

Was für die Ausstattung gilt, gilt auch für das Schauspiel. Es wurde schon oft als grottenschlecht gescholten, doch das hier ist nicht Hamlet, sondern ein pulpiger, surrealer Trip auf eine bizarre, fremde Welt. Die Schauspieler machen ihre Sache durch die Bank gut und sind mit aller nötigen Ernsthaftigkeit und reichlich Körpereinsatz bei der Sache. Dass sie alle keine wirklichen Persönlichkeiten, sondern nur leere Scherenschnitte darstellen – reine Handlungsträger –, ist nur stimmig, entspricht es doch dem pulpigen Erzählstoff. Die Besetzung stammte aus verschiedenen Ländern – Barry Sul­livan (1912–1994) aus den USA, Norma Bengell (1935–2013) aus Brasilien, Àngel Aranda (1934–2000) aus Spanien, Evi Ma­randi (geb. 1941) aus Griechenland und Franco Andrei (1925–2012) aus Italien – und jeder sprach während der Drehar­beiten seine Rolle in seiner eigenen Landessprache. Erst nachträglich wurde der Film dann für alle Märkte, auch Italien, in den entsprechenden Sprachen synchronisiert. Erwähnung verdient auch die sparsam eingesetzte, gelungene musi­kalische Untermalung, gemischt mit reichlich elektronischen Sounds, von Gino Marinuzzi Jr. (1920–1996). Offenkundig inspiriert vom Score für Alarm im Weltall (1956) von Louis und Bebe Barron, unterstützt die bizarre elektronische Soundkulisse perfekt die unheimliche, mysteriöse Atmosphäre.

 

In Cinecittà hört dich niemand schreien . . .

 

Das Drehbuch von Planet der Vampire entstand nach der Kurzgeschichte Una Notte Di 21 Ore („Eine Nacht von 21 Stunden“, 1963) von Renato Pestriniero (geb. 1933) und wurde schon oft als banal oder belanglos bezeichnet. Natürlich – es ist Pulp reinsten Wassers. Aber es ist eben auch in seiner gekonnten Kombination von klassischem Horror und Space Opera ziemlich originell und sorgt mit einer flotten, actionreichen Handlung durchgängig für kurzweilige, span­nende Unterhaltung.

 

Dem Film wird seit jeher nachgesagt, dass er den Meilenstein des Science-Fiction-Horror-Genres, Ridley Scotts Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979), unmittelbar inspiriert haben soll. In der Tat finden sich vor al­lem zwei Momente im Film, die an den 14 Jahre jüngeren Alien erinnern. Da ist zum einen die Ausgangssituation: Ein Raumschiff wird von trügerischen Notsignalen auf einen unwirtlichen, felsigen, von dichten Nebeln verhangenen Pla­neten gelockt, und die Mannschaft tappt dort in die Falle einer außerirdischen Macht. Vor allem aber lässt sich die Szene vergleichen, in der drei Argos-Astronauten ein fremdes, unheimliches Raumschiffwrack entdecken, in dem sich die gigantischen Skelette der ehemaligen Besatzung finden. Sie erinnert überdeutlich an die berühmte „Space Jockey“-Szene aus Alien, die zur Ausgangssituation der weiteren Handlung an Bord der Nostromo wird. Sowohl der Regisseur Ridley Scott (geb. 1937) als auch der Drehbuchautor Dan O’Bannon (1946–2009), der die ursprüngliche Idee zu Alien lie­ferte, hatten zwar seinerzeit in Interviews behauptet, Planet der Vampire nie gesehen zu haben, doch sind zumindest bei O’Bannon, einem ausgewiesenen Science-Fiction-Kenner, Zweifel an dieser Aussage erlaubt; und Ronald Shusett (geb. 1935), der zweite Drehbuchautor von Alien, kannte Mario Bavas Filme.

Szenenfoto zu dem Film "Planet der Vampire" (Terrore Nello Spazio, Italien/Spanien 1965) von Mario Bava
Grausiges begegnet den Argos-Astronauten an Bord des außerirdischen Raumschiffwracks

Viel stärkere Parallelen weist Alien indes mit Edward L. Cahns It! The Terror from Beyond Space (1958) auf, ebenfalls einem Science-Fiction-Horror-Film, die ich in meiner Rezension zu jenem Film besprochen habe. Planet der Vampire ist somit nicht das, sondern allenfalls ein Vorbild für Alien gewesen. Ein anderes Motiv in Bavas Film verweist auf den Science-Fiction-Schocker Event Horizon (1997) von Paul W. S. Anderson: Wenn sich die Astronauten der Argos unter dem Einfluss der außerirdischen Macht gegenseitig an die Gurgel gehen, um sich umzubringen, erlebt der Zuschauer das, was an Bord der Event Horizon bereits geschehen ist – die Mannschaft hat sich in rasendem Wahn gegenseitig niedergemetzelt. Schließlich erinnert die Schlussszene, in der die Argos die Erde erreicht und auf New York herab­blickt, entfernt an den Schluss von Jindřich Poláks Ikarie XB 1 (1963) in der amerikanischen Fassung. Der vermeintlich gewitzte Clou, dass die Argos gar nicht von der Erde stammt, verträgt sich freilich nicht mit den irdischen Namen, die die Raumfahrer der Argos tragen – ganz zu schweigen mit ihrem menschlichen Aussehen, aber dass Außerirdische in der Science-Fiction häufig wie Menschen aussehen, ist ein generelles Problem, das mit dem Konzept einer „universel­len Evolution“ kaum glaubwürdig gelöst wird – wenn es denn überhaupt thematisiert wird.

 

Planet der Vampire ist die gelungenste aller italienischen billigen Space Operas und wirkt in allen Belangen hochwerti­ger, als die geringen Mittel erwarten lassen. Sie bietet ein grellbuntes, visuell beeindruckendes Produktionsdesign, das die romantischen Bilder der Pulp-Science-Fiction perfekt umsetzt, und begeistert mit einem tollen, surreal anmuten­den Touch. Die geradlinige Story wird flott und actionreich erzählt, die unheimliche Atmosphäre überzeugt, und so weiß dieser Science-Fiction-Streifen trotz seiner Defizite und der teils trashigen Anmutung richtig gut zu unterhalten. Ein wundervolles Highlight unter den trivialen Vertretern des Genres oder, um ein oft bemühtes, treffliches Zitat aus Phil Hardys Science Fiction Filmenzyklopädie (1998) zu bemühen (S. 253): „Ein Triumph der Pulp-Fantasie“.

 

 

© Michael Haul

Veröffentlicht auf Astron Alpha am 8. Dezember 2017