Fantastische Literatur und Filme

Aufnahme von einer Masse von Science-Fiction-Büchern, -DVDs und -Blurays aus meinem Besitz -- dem Thema von "Astron Alpha"

Willkommen auf Astron Alpha – meiner Webseite für Science-Fiction-Besprechungen!

 

Astron Alpha bietet ausführliche, kritische Rezensionen von Spielfilmen und von Büchern – Romane, Anthologien und Sachbücher  zur Science-Fiction. Anspruchsvolle Meisterwerke des Genres werden ebenso gewürdigt wie einfältige B-Movies oder Unterhaltungsromane, und auch richtig schlechte Trashfilme oder schundige Heftromane werden nicht ausgeklammert. Ein gewisser Schwerpunkt liegt bei meinen Rezensionen auf älteren und entlegeneren Filmen und Büchern. Ich liebe Science-Fiction, aber nerdige Engstirnigkeit liegt mir fern – für mich steht vor allem der sense of wonder und der Unterhaltungswert der Science-Fiction, weniger ihre „Wissenschaftlichkeit“ im Vordergrund. Diese Webseite ist ein privates Hobby von mir, das keinerlei Erwerbsinteressen verfolgt. Sämtliche Artikel habe ich selbst verfasst. Mein Name ist Michael Haul, und wer mehr über mich wissen will, der klicke auf den Menü­punkt Thema oder auch hier.

 

Allgemein gilt: Meine Besprechungen enthalten in der Regel Spoiler – wer sie vermeiden will, sollte also die Bespre-chun­gen erst dann lesen, nachdem er die besprochenen Werke selbst genossen hat. Die Begründung meiner Auffas-sung zum Spoilerproblem habe ich auf der Thema-Seite dargelegt.

 

Astron Alpha ist im Januar 2016 an den Start gegangen und wird fortwährend mit neuen Artikeln gefüllt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!


Neueste Artikel

Szenenfoto aus dem Film "Arrival" (USA 2016) von Denis Villeneuve; Amy Adams

Arrival (USA 2016)

 

Denis Villeneuves Film ist ein mutiges und ziemlich intelligentes Science-Fiction-Drama – wahre Science-Fiction, wie Genre-Snobs sofort beipflichten würden –, das sich intensiv mit dem hochinteressanten Problem der Kommunikation mit Außerir-dischen in einer alles in allem sprachwissenschaftlich glaubwürdigen Art und Weise beschäftigt. Derartige Versuche begegnen wahrlich nicht oft. Allerdings leidet der Film unter einem zu zähen Fluss und lässt den Zuschauer zu lang darüber im Unge-wissen, wo er eigentlich hin will. Die Auflösung schließlich entwickelt höchst pro-blematische Begriffe von Zeit und Schicksal. Nichtsdestotrotz sehenswert.


Szenenfoto aus dem Film "Operation Ganymed" (BRD 1977) von Rainer Erler

Operation Ganymed (BRD 1977)

 

Der TV-Regisseur Rainer Erler (geb. 1933) ist zweifellos der profilierteste deutsche Science-Fiction-Filmer der Siebzigerjahre. Sein Raumfahrtfilm Operation Gany­med wurde auf dem Science-Fiction-Film-Festival in Triest 1978 zum besten Film des Jahres gewählt. Zu Recht: Der Film ist ein außerordentlich packendes, intelli­gentes und vielschichtiges Science-Fiction-Erlebnis, das hervorragend inszeniert ist und ausgezeichnete Darsteller vorweisen kann. Darüber hinaus glänzt er mit einer Ausstattung und visuellen Tricks, die angesichts der begrenzten Geldmittel im damaligen deutschen Fernsehen beachtlich sind.


Pressefoto aus dem Film "Amazonen des Urwalds" (Prehistoric Women, USA 1950)

Amazonen des Urwalds (USA 1950)

 

Dieses drollige kleine Steinzeitabenteuer ist ohne Frage eine durchschaubare, höl­zern und jugendfrei inszenierte Peepshow: ein für ein männliches Publikum ge­machter exploitation film, der allein darauf aus ist, schöne Frauenkörper halbnackt in Szene zu setzen und im Rahmen einer urwüchsigen, ungehobelten Steinzeitge­sellschaft sexuelle Fantasien zu bebildern. Hier will die Frau vom Manne wirklich nur das eine, und dafür legt sie sich richtig ins Zeug und erlegt den Kerl mit Steinen und Fallen! Der Film ist recht stumpf, aber doch irgendwie unterhaltsam – und in Farbe! Leider ist er heute nur noch in erbärmlicher Bildqualität zu sehen.


Auf U-17 ist die Hölle los (USA 1959)

 

Das absurde Unterwasserabenteuer vom ehemaligen Serial-Filmer Spencer Gordon Bennet (1893–1987) hat nicht nur einen selten dämlichen deutschen Verleihtitel (der nichtssagende Originaltitel The Atomic Submarine ist kaum besser) – der hölzerne, über weite Strecken stinklangweilige Low-Budget-Streifen hat auch sonst nur wenig zu bieten. Dass die Story und die Spezialeffekte von Jack Rabin (1914–1987) und Irving Block (1910–1986) stammen, lässt zunächst auf ein munteres Science-Fiction-Abenteuer hoffen. Doch leider bleibt der Film trotz einiger guter Einfälle und surrealer Einstellungen zu behäbig, um irgendwie zu fesseln.


Szenenfoto aus dem Film "Sunshine" (GB 2007) von Danny Boyle

Sunshine (GB 2007)

 

Der vom britischen Top-Regisseur Danny Boyle meisterhaft inszenierte Raumfahrt­film ist eine meditative, mitreißend bebilderte Reise ins gleißende Licht der Sonne – und eine Höllenfahrt in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Psyche. Der Film erzählt von der Unmöglichkeit, immer richtig zu entscheiden, von schmerzhaftem Aufopferungswillen und Heldentum – und vom bitteren Versagen in einer existen­ziellen Ex­tremsituation. Selten konnte ein Science-Fiction-Film derart starke und glaubwür­dige Charaktere vorweisen. Trotz eines schwachen letzten Drittels ist Sunshine einer der besten Science-Fiction-Filme der letzten zwei, drei Dekaden.


Szenenfoto aus dem Film "Die Eroberung des Weltraums" (Conquest of Space, USA 1955) von Byron Haskin und George Pal

Die Eroberung des Weltalls (USA 1955)

 

Dieses von George Pal (1908–1980) produzierte bunte Weltraumabenteuer, das vom Bau einer radförmigen Raumstation im Erdorbit und vom ersten bemannten Flug zum Mars erzählt, gilt gemeinhin als der schwächste von Pals Science-Fiction-Streifen. Das Drehbuch ist dröge, Handlung und Figuren strotzen vor Klischees, und die ambitionierten Spezialeffekte, die durchaus wunderschöne Schauwerte bieten, lassen leider technische Schwächen wie flackernde bis durchscheinende Komposit­aufnahmen und dicke matte-Linien erkennen. Auch hier konnte Pal sich eine christ­liche Botschaft nicht verkneifen. Nichtsdestrotrotz ist der Film sehenswert.


Iain Banks: Welten (2009)

 

Der Schotte Iain M. Banks (1954–2013) gilt als einer der herausragendsten Science-Fiction-Autoren der jüngsten Zeit. Die New York Times feierte ihn als „bedeu­ten­sten Science-Fiction-Autor der Gegenwart“, und die britische Times zählte ihn 2008 zu den „größten britischen Schriftstellern seit 1945“. Das undurchdachte und prä­ten­tiöse Viele-Welten-Wirrwarr, das Iain Banks dem Leser in seinem Roman Welten ser­viert, spottet allerdings dieser Verzückungen und ist ein uninspi­riertes, ärgerli­ches Desaster – zynisch, vor Sex und Gewalt triefend und in plumper Manier auf hochsprachlichen Kunstan­spruch aus. Ein fürchterlich verkopftes „Meisterwerk“.


Die Bestie aus dem Weltenraum (USA 1957)

 

Der Monsterstreifen aus der Werkstatt des Stop-Motion-Meisters Ray Harryhausen (1920–2013) ist gut getrickst, recht spannend aufgebaut und legt ein kurzwei­liges Tempo vor. Erneut beeindruckt, was Harryhausen tricktechnisch zu bewerk­stelligen vermochte. Sein Monster von der Venus ist hervorragend animiert und wirkt sehr ge­schmeidig und lebendig, wofür vor allem die gut getimten Bewegungsab­läufe und die ständigen Schwanzbewegungen des Tieres sorgen. Besonders ge­lungen sind der Kampf der Bestie mit einem Elefanten in den Straßen von Rom und die Szenen, in denen das Monstrum auf den Zinnen des Kolosseums wütet. 


Larry Niven: Myriaden (1973)

 

Der Hard-SF-Autor Larry Niven hat nicht nur großartige Romane wie den welt­be­rühmten Bestseller Ringwelt (1970) geschrieben, sondern auch exzellente Kurz­geschichten verfasst, von denen in diesem Band neun versammelt sind. Tausend Wege des Alls, Gestrandet auf Pluto und Generalprobe Weltuntergang (auch be­kannt als Wechselhafter Mond) sind Klassiker der Science Fiction Shortstory, die sich durch frappierende Gedankenspiele und nicht selten auch durch trockenen Humor auszeichnen. Freilich enthält die Sammlung auch schwächere Geschichten, doch alles in allem ist Myriaden eine sehr unterhaltsame Lektüre.


Die Wespenfrau (USA 1959)

 

Dieser dürftige Streifen von Low-Budget-Ikone Roger Corman ist eine billige Nach-ahmung von Kurt Neumanns Horrorfilm Die Fliege (1958). Er wurde in fünf Tagen mit einem Budget von nur etwa 50.000 Dollar gedreht. Die zähe, einfallslose Insze-nierung verschenkt das interessante Potenzial des Plots völlig. Die Wespenfrau ist nicht durch und durch schlecht, vor allem seine Hauptdarstellerin Susan Cabot ist großartig, aber dem Film gelingt es nicht einmal annähernd, Unbehagen, Thrill und Horror zu erzeugen. Stattdessen ist er über weite Strecken einfach nur langweilig. Und das Versprechen seines Kinoplakats löst er natürlich auch nicht ein. Leider.


Sphere – Die Macht aus dem All (USA 1998)

 

Sphere ist passable Science-Fiction-Kost: Der von Barry Levinson (geb. 1942) als so­lider Thriller inszenierte Film ist fesselnd und unterhaltsam und punktet insbeson­dere mit seinen hervorragend agierenden Stars Dustin Hoffman, Sharon Stone und Samuel L. Jackson. Der Film hat allerdings auch mit gravierenden Schwächen zu kämpfen. Er fährt keine besonders originellen Ideen auf, krankt an brüchiger Logik und verärgert mit einem lachhaften, absurden Ende. Die bereits 1987 erschienene Romanvorlage stammt aus der Feder von Michael Crichton (1942–2008), dem Groß­meister des technologischen Thrillers. Er hat schon bessere Romane verfasst.


Szenenfoto aus dem Film "Der Flug des Navigators" (Flight of the Navigator, USA/Norwegen 1986) von Randal Kleiser; Joey Cramer als David Freeman und die KI Max

Der Flug des Navigators (USA/Norwegen 1986)

 

Knuffige Familien-Unterhaltung mit einer harmlos-verniedlichten UFO-Thematik – so ließe sich dieser charmante Film charakterisieren. Der Film ist ein liebenswertes und effektvolles Science-Fiction-Abenteuer für Kinder und Eltern. Ja, der Film ist ein typisches, teilweise zuckriges Disney-Produkt, und ein weiteres Mal wird der My­thos der wohlgeratenen weißen Middleclass-Familie gefeiert. Aber der Film zau­bert auch gekonnt die fantastischen Träume kleiner (und großer) Jungs auf die Leinwand. Welcher vorpubertäre Junge hat nicht schon einmal davon geträumt, von gütigen Außerirdischen zu einer Reise ins Weltall eingeladen zu werden?


Rakete 510 (GB 1959)

 

Ein Jahr nach Ungeheuer ohne Gesicht (1958) ließ dasselbe Produktionsteam einen weiteren pseudo-amerikanischen Science-Fiction-Schocker drehen: Rakete 510 von Robert Day (1922–2017). Der Film ist leider nicht annähernd so launig wie der Vor-gänger, der immerhin noch spektakuläre Spezialeffekte vorzuweisen hatte. Rakete 510 erzählt vom ersten Menschen, der sich mit einem suborbitalen Raketenflug ins Weltall hinausgewagt hat – und durch eine Kruste aus Meteorstaub, die sich auf ihn legt, prompt in ein blutsaugendes Monster verwandelt. Die Darsteller sind okay, aber der Film ist insgesamt sehr zäh und hat nur wenig Schockmomente.


Szenenfoto aus dem Film "Ungeheuer ohne Gesicht" (Fiend Without a Face, GB 1958) von Arthur Crabtree

Ungeheuer ohne Gesicht (GB 1958)

 

Dieser kleine Science-Fiction-Thriller aus England zählt gewiss zu den schrillsten Monsterfilmen, die die Fünfzigerjahre hervorgebracht haben. Die Monster sind aus puren Gedankenkräften entstandene kriechende Gehirne mit schnecken­artigen Fühlern, einem beweglichen Rückenmark und Tentakeln – und sie ernähren sich bevorzugt damit, Menschen ihren Hirnschmalz auszusaugen. Der makabre Show­down, in dem die angreifenden Gehirne mit Äxten und Schusswaffen zermatscht werden, dass das Blut nur so spritzt, bot für damalige Verhältnisse ziemlich viel Splatter. Und die Stop-Motion- und Animationstricks sind ausgesprochen gut!


Passengers (USA 2016)

 

Morten Tyldums sehr stilvolles und visuell opulentes Weltraum-Drama erzählt eine ungewöhnliche Robinsonade auf einem interstellaren Raumschiff. Alle Menschen an Bord verbringen die 120 Jahre dauernde Reise im künstlichen Tiefschlaf, doch durch einen Unfall wird ein einzelner Passagier zu früh geweckt – 90 Jahre vor der Ankunft am Ziel, dem Planeten Homestead II. Die Einsamkeit bringt den Einsiedler an Bord des Luxusschiffes schließlich dazu, sich aus den anderen Passagieren eine Gefährtin auszusuchen und aufzuwecken – eine moralisch ungeheuerliche Tat, deren Behandlung im Film prompt auf harsche Kritik traf.


Just Imagine (USA 1930)

 

Dieser Film wird häufig als einer der bizarrsten Streifen in der Geschichte des Science-Fiction-Kinos bezeichnet. Zu Unrecht, wie ich finde, denn der Film will gar keine Science-Fiction sein, sondern präsentiert sich stattdessen als eine leichtge-wichtige Musical-Komödie, die um eines ungewöhnlichen Settings willen in der Zukunft des New Yorks von 1980 angesiedelt ist. Immerhin war der Film mit über einer Million Dollar enorm teuer und bietet wirklich spektakuläre Bauten für die giant city von morgen, die sogar Fritz Langs Metropolis (1927) übertreffen. Als Musical und auch als Komödie ist der Film allerdings durchwachsen.


Ausschnitt aus dem Buchcover von "Die besten Stories von Stanley G. Weinbaum" (Playboy Science Fiction, Moewig Verlag 1980)

Die besten Stories von Stanley G. Weinbaum (1980)

 

Stanley G. Weinbaum (1902–1935) ist einer der wichtigsten Autoren der frühen Pulp-Science-Fiction. Seine erste Erzählung A Martian Odyssey, die er im Juli 1934 im Magazin Wonder Stories veröffentlichte, schlug in der damali­gen amerikani­schen Science-Fiction-Szene ein wie eine Bombe. Die Erzählung wur­de aus dem Stand als ein Geniestreich gefeiert und ihr Autor als der weltbeste le­bende Scien­ce-Fiction-Autor überschwänglich gerühmt. Weinbaums Kurzgeschichten bieten auch heute noch eine sehr lebendige und originelle, humorvolle, manchmal auch grillenhafte Lektüre; freilich ist ihre Dreißigerjahre-Patina unverkennbar.


Curt Siodmak: Donovans Gehirn (1942)

 

Curt Siodmak (1902–2000) zählt zu den ganz großen Namen im Horror- und Science-Fiction-Film. Nicht nur schrieb er den mit Hans Albers sehr erfolgreich ver­filmten Roman F.P. 1 antwortet nicht (1931), er verfasste auch die Drehbücher für den Horrorklassiker Der Wolfsmensch (1941) und für zahlreiche weitere Horror- und Science-Fiction-Filme. Siodmaks vielleicht berühmtester Roman Donovans Gehirn –seinerseits dreimal verfilmt – ist ein gerissener Mystery-Thriller mit einer starken Science-Fiction-Prämisse: der telepathischen Machtübernahme eines künstlich am Leben erhaltenen kriminellen Gehirns. Eine spannende Lektüre – noch heute.


Szenenfoto aus dem Film "Gorath" (UFOs zerstören die Erde, Japan 1962); Jun Tazaki

Gorath (Japan 1962)

 

Godzilla-Regisseur Ishiro Honda (1911–1993) und die Toho-Studios ziehen in die­sem Streifen alle Register: Gorath begeistert als lebendig inszeniertes und auf Hoch­glanz geschliffenes, actiongeladenes Science-Fiction-Abenteuer, das für seine Zeit ziemlich cool wirkt und auch heute noch eine Menge Spaß macht. Handwerk­lich entspricht der Film mit seinen höchst aufwendigen Modellbauten und Tricks dem damaligen state of the art. Schwung und Glaubwürdigkeit gewinnt der Film über­dies durch tadellos spielende, sym­phatische Darsteller. In Deutschland wurde der Film indes lange Zeit als übel verstümmelte Trash-Gurke vermarktet.


Covermotiv des Romans "Die drei Sonnen" (The Three Body Problem; San Ti) von Liu Cixin

Liu Cixin: Die drei Sonnen (2006)

 

2015 gelang dem chinesischen Science-Fiction-Autor Liu Cixin (geb. 1963) eine Sen­sation: Sein bereits seit einigen Jahren in China erfolgreicher Roman San Ti wurde in den USA ins Englische übersetzt und gewann als erstes nicht-englisches Werk überhaupt den begehrten Hugo Award. Jetzt ist das von den Kritikern gefeierte Buch – der erste Band einer Trilogie – auch auf Deutsch erschienen. Der Hype trügt nicht: Die drei Sonnen ist ein höchst spannender, paranoider Alien-Invasions-Ro­man, angesiedelt in China und voller origineller, zum Teil höchst abgedrehter physi­kalischer Ideen und Konzepte. Nicht frei von Schwächen, aber insgesamt stark!


Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Heyne Science Fiction Jahresband 1982

 

„Eine opulente Palette herrlicher Leckerbissen aus dem weiten Feld der Science Fiction, diesmal noch gefälliger ausgestattet in Satz und Papier – und noch groß-zügiger illustriert. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, Ihnen eine Freude zu machen. Greifen Sie zu!“ Wie ein stolzer Koch kredenzt uns Wolfgang Jeschke den dritten Heyne Science Fiction Jahresband im Vorwort. Der Maître hat nicht übertrieben – der 1982er Jahresband ist ein gutes Oeuvre, das eine ganze Reihe pointiert geschriebener Science-Fiction-Storys hochkarätiger Autoren enthält.


Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Heyne Science Fiction Jahresband 1981

 

Nachdem der Heyne Science Fiction Jahresband 1980 unerwartet zum Bestseller wurde, legte der Heyne Verlag ein Jahr später den zweiten Band der neuen Reihe vor. Diesmal wurden bei der Auswahl auch mehrere europäische Autoren aufge-nommen – drei Briten (Brian W. Aldiss, Anthony Burgess und Rudyard Kipling), ein Franzose (Alain Dorémieux) und zwei Russen (die Strugazki-Brüder) – und inhaltlich ein Schwerpunkt auf Geschichten gelegt, die die „weichen“ Humanwissenschaften zur Grundlage nehmen und sich mit dem psychologischen inner space beschäfti-gen. Das schriftstellerische Niveau der Auswahl blieb angenehm hoch.


Ausschnitt aus dem Buchcover vom "Heyne Science Fiction Jahresband 1980"

Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Heyne Science Fiction Jahresband 1980

 

Mit diesem Band startete der Heyne-Verlag eine jährlich erscheinende Anthologie­reihe zu einem günstigen Preis, die sich als sehr erfolgreich herausstellte und bis zum Jahr 2000 fortgesetzt werden sollte. Der Heyne Science Fiction Jahresband versammelte stets hochkarätige Autoren – ab dem zweiten Band vermehrt auch aus Europa – und bot eine gute Mischung aus Kurzgeschichten, Novellen und kür­zeren Romanen, von vielgepriesenen Genreperlen und weniger bekannten Storys. Wenn die Beiträge manchmal auch etwas angestaubt wirken, bieten sie doch auch heute noch hervorragende Science-Fiction-Unterhaltung.


Ausschnitt aus dem Buchcover zum Roman "Spektrum" von Sergej Lukianenko (2002) in der Auflage vom Heyne Verlag 2009

Sergej Lukianenko: Spektrum (2002)

 

Der in Moskau lebende Schriftsteller Sergej Lukianenko (geb. 1968) ist seit Jahren der kommerziell erfolgreichste Autor der russischen Fantastik. Bereits sein erster Fantasy-Zyklus über die „Wächter“ machte ihn zum Bestseller und führte in Russ-land schon zu zwei sehr erfolgreichen Verfilmungen. Spektrum war Lukianenkos erster Science-Fiction-Roman, der neben klassischen Space-Opera-Zutaten auch märchenhafte Zügen trägt. Am interessantesten ist hier indes die eigenwillige Hauptfigur Martin, ein Moskauer Privatdetektiv, der Konjak, Pfeifen und die gute russische Küche liebt. Ein erfrischend ungewöhnlicher Science-Fiction-Roman.


Szenenfoto aus dem Film "Der Himmel ruft" (Nebo Sowjot, UdSSR 1959) von Michail Karjukow und Alexander Kosyr

Der Himmel ruft (UdSSR 1959)

 

Dieser sowjetische, stark propagandistisch gefärbte Raumfahrtfilm ist ein Fest für Liebhaber nostalgischen, sozrealistischen Kitschs. „Der Himmel ruft“, und die Zu­kunft im All ist rot. Die Amerikaner sind mit ihrem von Profitgier getriebenen Egois­mus dagegen nur zu bedauern, und in diesem Film bedürfen sie zur Rettung ihres havarierten Raumschiffs sogar der selbstlosen Hilfe der Russen. Von der politischen Botschaft abgesehen bietet der Film jedoch auch erstklassige mattes und Tricks, die die zeitgenössischen Konkurrenzprodukte aus den USA deutlich übertreffen. Für jeden Aficionado ist der Film daher wirklich sehenswert.


Szenenfoto aus dem Film "Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort" (The Angry Red Planet, USA 1959) von Ib Melchior

Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort (USA 1959)

 

Der Mars ist ein widerspenstiger Ort, ja, er hasst uns geradezu. Fleißige Science-Fiction-Filmgucker wissen das schon seit Langem, nicht erst seit Ridley Scotts Der Marsianer (2015). Ein besonders feindseliger Mars wird uns in diesem billigen Strei­fen von Ib Melchior (1917–2015) serviert. Eine Raumschiffcrew muss sich auf dem roten Planeten, dessen exotische Landschaft sich in bester Edgar-Rice-Burroughs-Tradition präsentiert, mit allerlei feindseligen Monstern herumschlagen. „Berühmt“ für sein Monster – die bat-rat-spider – und für sein grellrotes „Cinemagic“-Film­verfahren, ist der Film ein besonders skurriler Eintrag ins Science-Fiction-Kino.


Szenenfoto aus dem Film "Warning from Space" (Uchujin Tokyo ni arawaru, Japan 1956) von Koji Shima

Warning from Space (Japan 1956)

 

Dieser Streifen aus den Daiei-Studios ist nicht nur der erste japanische Science-Fiction-Film, der in Farbe gedreht wurde; er bietet darüber hinaus überaus skurrile Außerirdische, die wie große Seesterne mit einem einzelnen blau leuchtenden Auge auf der Brust aussehen. Das genial schlichte Design der Aliens stammt immer­hin vom angesehenen japanischen Künstler Taro Okamoto (1911–1996), allerdings ist es derart lächerlich umgesetzt, dass es dem Zuschauer fast die Sprache verschlägt. Das Drehbuch ist zudem ein reichlich unlogischer Mischmasch. Nichtsdestotrotz ist der Film leidlich unterhaltsam.


Saturn 3 (GB 1980)

 

Saturn 3 zählt zu den am ärgsten verrissenen Big-Budget-Produktionen in der Ge­schichte des Science-Fiction-Kinos. An der miesen Reputation hat sich auch über die Jahrzehnte nicht mehr viel geändert. Das ist auch kein Wunder: Ein konfuses Drehbuch, schwache Spezialeffekte und bestenfalls mäßige schauspielerische Leis­tungen der halbnackt durch den Film turnenden Hauptdarsteller Kirk Douglas und Farrah Fawcett mindern das Vergnügen an diesem Streifen doch erheblich. Aller­dings kann der Film mit einem superben Setdesign, einigen interessanten Ideen und einer eigentümlich klaustrophobischen Atmosphäre punkten.


The Lost City (USA 1935)

 

Kinoserials sind in der Regel temporeich und gewitzt inszeniert und machen noch heute Spaß. Das gilt jedoch nicht für diese furchtbar öde Serialgurke. The Lost City ist ein sich zäh dahinschleppendes Dschungelabenteuer um einen Superschurken, der in der afrikanischen Wildnis ein unterirdisches High-Tech-Refugium beherrscht, von dem aus er die Weltherrschaft anstrebt. Neben der kargen Dramaturgie und den geringen Produktionswerten missfallen vor allem der ungezügelte Rassismus und die sadistische Brutalität, die sich in dieser kolonialen Herrenmenschen-Fantasie austoben. Ein unangenehmes Machwerk.


Eike Barmeyer (Hrsg.): Science Fiction (1972)

 

Es gab einmal eine Zeit, in der mit unglaublicher Verbissenheit um die gesellschaft­liche Rechtfertigung des Science-Fiction-Genres gestritten wurde – und darum, was die Science-Fiction leisten und wie wie beschaffen sein sollte. Der von Eike Bar­meyer herausgegebene Essayband zählt zu den frühesten deutschsprachigen Publikationen zu diesen Themen. Hier bemühen sich alle beteiligten Autoren, von Barmeyer selbst über Darko Suvin, Stanislaw Lem, Franz Rottensteiner bis hin zu Ronald M. Hahn, um intellektuelles Prestige. Zugleich steht der Band ganz im Zeichen der Grabenkämpfe von 1968. Seltsame Blüten sind hier zu bestaunen.


Edge of Tomorrow (USA/GB 2014)

 

Doug Limans 175 Millionen Dollar teurer Sci-Fi-Actionkracher ist eine krude Mi­schung aus D-Day-Weltkriegsfilmen à la Der längste Tag (1962), Military-Sci-Fi à la Starship Troopers (1997) und der romantischen Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier (1993). Der Zeitschleifen-Plot um einen feigen Soldaten, der immer und immer wieder ein brutales Gefecht – und seinen eigenen Tod – erleben muss, und Aliens, die Europa besetzt haben und die Zeit beeinflussen können, ist natürlich hanebüchener Unsinn. Überraschenderweise ist dennoch ein sehr unterhaltsamer, cleverer Blockbuster mit bestens aufgelegten Stars daraus geworden.


Buck Rogers (USA 1939)

 

Nachdem die beiden Space-Opera-Serials Flash Gordon (1936) und Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) in den amerikanischen Kinos großartige Erfolge wurden, ent­schloss sich Universal Pictures, nun auch den älteren Science-Fiction-Helden Buck Rogers in einem eigenen Serial zu verfilmen. Für die Hauptrolle wurde erneut Larry “Buster” Crabbe (1908–1983) verpflichtet, der zuvor schon Flash Gordon verkörpert hatte. Er spielt auch hier seine Rolle hervorragend. Buck Rogers ist den Flash-Gor­don-Serials in Vielem ähnlich, aber es gibt auch einige Unterschiede. Vor allem ist die Show genauso temporeich und unterhaltsam und damit allemal sehenswert.


Herbert W. Franke: Das Gedankennetz (1961)

 

Herbert W. Frankes Debutroman ist eine interessante Reflexion über die Natur dessen, was wir „Wirklichkeit“ nennen, und eine frühe Version von ineinander ver­schachtelten virtual realities. Darüber hinaus hinterfragt der Roman aber auch die Science-Fiction-Literatur und ihre eskapistischen Tendenzen, indem er den Leser dazu einlädt, sich in spannende, fantastische Abenteuer zu versenken – die sich dann regelmäßig als virtuelle Testanordnungen entpuppen, mit denen ein totali­täres Regime der Zukunft die Systemtreue seiner Bürger testen lässt. Ein cleveres, außergewöhnliches, frappierend konstruiertes Werk.


Interstellar (USA 2014)

 

Christopher Nolans groß angelegte Weltraum-Oper, in der Menschen durch ein kosmisches „Wurmloch“ in eine andere Galaxis und schließlich sogar in das Innere eines schwarzen Lochs vorstoßen, um den sicheren Untergang der Menschheit auf einer klimatisch ruinierten Erde zu verhüten, ist sicherlich einer der bemerkenswer­testen und nerdigsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten. Der Film gewann eine beachtliche Fangemeinde, die nicht müde wird, über die astrophysikali­schen Prä­missen des Films zu diskutieren. Der Film hat jedoch auch einige drama­turgische Schwächen, sodass es mir schwerfällt, in ihm ein „Meisterwerk“ zu sehen.


Uhrwerk Orange (GB 1971)

 

Stanley Kubricks Uhrwerk Orange nach einem Science-Fiction-Roman von Anthony Burgess ist aufgrund der nur schwer erträglichen, nihilistischen Darstellung von Jugendgewalt bis heute sein mit Abstand umstrittenster Film geblieben. Die Kriti­ken waren fast einhellig vernichtend: Sie sahen in dem Werk eine prätentiöse Glori­fizierung der Gewalt, deren gesellschaftskritische Attitüde nur aufgesetzt ist. Nun, darüber lässt sich bis heute trefflich streiten. Eines aber ist sicher: Der Film ist nach wie vor ein atemberaubend intensives, verstörendes, überaus präzise inszeniertes Kinoerlebnis – Kino-Kunst allererster Güte.


Pressefoto zum Kinoserial "Flash Gordon Conquers the Universe" (USA 1940); Carol Hughes als Dale Arden und Larry "Buster" Crabbe als Flash Gordon

Flash Gordon Conquers the Universe (USA 1940)

 

Das dritte und letzte Kinoserial von Flash Gordon wird in der Filmkritik häufig als das schwächste angesehen, eine Meinung, die ich nicht ganz teilen kann. Es ist zwar bedauerlich, dass Jean Rogers für die Rolle der Dale Arden nicht mehr zur Verfügung stand und durch Carol Hughes ersetzt wurde. Ebenso kehrte Richard Alexander als Prinz Barin nicht mehr zurück, sodass Roland Drew die Rolle über­nahm und sie als Robin-Hood-Kopie spielte. Ansonsten aber ist das Serial so schwungvoll und actionreich wie eh und je – und wartet wieder mit einer Reihe abgedrehter Science-Fiction-Ideen auf.


Szenenfoto aus dem Kinoserial "Flash Gordon's Trip to Mars" (USA 1938); Beatrice Roberts und Charles Middleton

Flash Gordon’s Trip to Mars (USA 1938)

 

Das zweite Kinoserial von Flash Gordon, dem unerschrockenen Weltraumhelden, behält die altbewährte, tempo- und actionreiche Rezeptur bei und versammelt auch wieder sehr zur Freude des Publikums die aus dem ersten Serial bekannte Darstellerriege. Mit Azura, der Königin vom Mars mit magischen Fähigkeiten, bietet das Serial sogar eine neue Schurkin auf. Es gibt wieder eine ganze Reihe neuer Ideen und Gadgets, die hier eingebracht wurden. Im mittleren Drittel erlahmt der Schwung ein wenig, und die erotische Dynamik des ersten Serials wurde leider auch aufgegeben. Dennoch macht Flashs Trip zum Mars großen Spaß.


Szenenfoto aus dem Kinoserial "Flash Gordon" (USA 1936); Larry Buster Crabbe und Jean Rogers

Flash Gordon (USA 1936)

 

Der vom Illustrator und Comiczeichner Alex Raymond (1909–1956) erfundene Science-Fiction-Held Flash Gordon enterte zwei Jahre nach seinem Einstand als Comicstrip in den Sonntagsbeilagen der amerikanischen Zeitungen in diesem Kino­serial von Universal zum ersten Mal die Kinoleinwand. Larry „Buster“ Crabbe (1908–1983) als energiegeladener Held Flash und Jean Rogers (1916–1991) als bezaubernde, schwungvolle Dale Arden erwiesen sich als Idealbesetzungen, und das Serial wurde ein riesiger Erfolg. Heute gilt das temporeiche, überaus unterhaltsame Serial als Klassi­ker, führte es doch die Space Opera im Science-Fiction-Kino ein.


Szenenfoto aus "Gefahr aus dem Weltall" (It Came from Outer Space, USA 1953); Russell Johnson

Gefahr aus dem Weltall (USA 1953)

 

Jack Arnolds erster Science-Fiction-Film für Universal-International, in 3-D gedreht, war auf Anhieb ein Volltreffer: Arnold setzte den Plot nach einer Grundidee von Produzent William Alland und einem klugen Drehbuch von Science-Fiction-Autor Ray Bradbury in einer eleganten, stimmungsvollen Inszenierung um, in der lange offen bleibt, ob die Außerirdischen, die mit ihrem Raumschiff in der Wüste Arizonas abgestürzt sind, eine Bedrohung darstellen oder friedfertig sind. Der Film bietet eine originelle Reflexion über Xenophobie. Da stört es kaum, dass die wahre Ge­stalt der Außerirdischen recht lächerlich geraten ist.


Szenenfoto aus "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (The Day the Earth Stood Still, USA 1951); der Roboter Gort

Der Tag, an dem die Erde stillstand (USA 1951)

 

Robert Wise (1914–2005) inszenierte mit diesem Film einen großartigen Science-Fiction-Klassiker. Der Außerirdische Klaatu (Michael Rennie) und sein Roboter Gort kommen in einer fliegenden Untertasse auf die Erde, um die Menschheit zu mah­nen, das Universum nicht mit ins All getragenen Atomwaffen und Kriegen zu be­dro­hen; wenn die Menschheit die Warnung nicht beherzigt, droht ihr die Auslö­schung. Spannend und elegant mit Mitteln des Film-Noir inszeniert, voller allegori­scher Bezüge auf die Heilsgestalt Jesus Christus und Anklänge an den Kalten Krieg, ist der Film ein intelligentes Stück Science-Fiction-Kino.


Szenenfoto aus "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (The Day the Earth Stood Still, USA 2008) von Scott Derrickson; der Roboter Gort

Der Tag, an dem die Erde stillstand (USA 2008)

 

Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951) von Robert Wise gilt zu Recht als einer der ganz großen Science-Fiction-Klassiker. Der Film war damals eine Mahnung inmitten des Kalten Krieges, in Zukunft von Kriegen abzusehen. Scott Derricksons Remake von 2008 versuchte sich an einer Modernisierung des Stoffs: In seinem Film kommt der Außerirdische Klaatu mit dem Auftrag auf die Erde, die Ökologie unseres blauen Planeten vor uns Menschen zu beschützen. Leider ist der Film unerträglich prätentiös und Keanu Reeves Klaatu ein unsympathischer Massen­mörder an der Menschheit. Eine schlimme Verballhornung des Originals.


Ausschnitt des Covermotivs des Romans "Der Orchideenkäfig" von Herbert W. Franke, in zweiter Auflage (1982) im Wilhelm Goldmann Verlag

Herbert W. Franke: Der Orchideenkäfig (1961)

 

Mit seinem zweiten Roman Der Orchideenkäfig bewies Herbert W. Franke ein wei­teres Mal, weshalb er zu den meist geschätzten Science-Fiction-Autoren deutscher Zunge zählt. Der höchst originelle Roman, der in fernster Zukunft spielt, beschäftigt sich mit der Frage, wie das Leben einer von allen Pflichten entbundenen, hochtech­nisierten Zivilisation, ob menschlich oder außerirdisch, aussehen könnte. Seine Antwort ist eine erschütternde Horrorvision, die immer noch hochaktuell scheint, da sie, nahezu prophetisch, bereits die schädlichen Folgen virtueller Online-Welten und die Grundidee der Matrix-Filme vorweg nimmt.


Szenenbild aus dem Film "Europa Report" (USA 2013) von Sebastián Cordero

Europa Report (USA 2013)

 

Dieser von Sebastián Cordero mit einem winzigen Budget in Brooklyn (New York) gedrehte Independent-Film ist eine wahre Hard-SF-Perle: Hervorragende CGI, die den Film deutlich teurer aussehen lässt, als er war, sowie sehr gute Schauspieler, allen voran Sharlto Copley (District 9, Elysium), erwecken eine Story zum Leben, in der die wissenschaftliche Erforschung des eisigen Jupitermondes Europa und eben nicht der Hollywood-übliche Action-Krawall im Zentrum steht. Auch wenn Cordero zum Ende hin dann doch zu dick aufgetragene dramatische Kniffe bemüht, ist dieser Film ein großartiges Science-Fiction-Erlebnis.


Ausschnitt des Covermotivs des Romans "Die Glasfalle" von Herbert W. Franke, in zweiter Auflage (1981) im Wilhelm Goldmann Verlag

Herbert W. Franke: Die Glasfalle (1962)

 

Mit seinem dritten Roman Die Glasfalle setzte Herbert W. Franke (geb. 1927), einer der renommiertesten Autoren intelligenter Science-Fiction, ein weiteres gehobe­nes Glanzlicht des Genres. Nachdem die Erde in einem Atomkrieg völlig vernichtet wurde, hat ein mit einem Raumschiff geflohener kläglicher Rest der Menschheit einen unwirtlichen, ebenfalls radioaktiven Planeten besiedelt – und dort eine streng militärisch organisierte, faschistische Gesellschaft geschaffen, aus der kaum ein Ausbrechen möglich ist. Ein extrem düsteres, klaustrophobisches Szenario, das packend und stilistisch geschliffen geschrieben ist.


Ausschnitt aus dem Covermotiv des Buchs "Der Science Fiction Film" (1983) von Christian Hellmann

Christian Hellmann: Der Science Fiction Film (1983)

 

Der ehrwürdige Wilhelm-Heyne-Verlag hat in seiner noch ehrwürdigeren Reihe Heyne Filmbibliothek dieses Buch über den Science-Fiction-Film veröffentlicht. Ein Glanzlicht der Science-Fiction-Filmkritik ist dem Autor Christian Hellmann aller­dings nicht gelungen, im Gegenteil: Das Buch wirkt im Großen und Ganzen von Georg Seeßlens hervorragendem Buch Kino des Utopischen (1980) abgeleitet, zum Teil fast abgeschrieben, wobei es die tiefenpsychologischen und politischen Aus­deutungen oft stark verkürzt und simplifiziert. Zudem sind die movie stills im Buch von erbärmlicher Qualität.


Ausschnitt aus dem Buchcover von Jürgen Menningen, "Filmbuch Science Fiction" (Köln 1975)

Jürgen Menningen: Filmbuch Science Fiction (1975)

 

Dieses Buch ist eines der ersten über Science-Fiction-Filme, das überhaupt in deut­scher Sprache erschienen ist. In erster Linie ist es ein üppig illustrierter Bildband mit zahlreichen movie stills in Schwarzweiß und erstklassiger Bildqualität. Es enthält aber auch ein vierseitiges Essay über die Natur des Science-Fiction-Kinos und einen durchgängigen, erläuternden Text, der locker thematisch gegliedert ist, auch wenn es keine Kapitelüberschriften gibt. Leider geriert sich Menningens Text reichlich hochgestochen: Er heischt intellektuellen Anspruch, liegt in seiner Kennzeichnung des Genres aber allzu oft daneben.


Szenenfoto aus dem Film "District 9" (Südafrika/Neuseeland 2009); ein Prawn

District 9 (Südafrika/Neuseeland 2009)

 

Der aus Südafrika stammende, seit Längerem in Kanada lebende Regisseur Neill Blomkamp (geb. 1973) hat in seiner Kindheit noch die letzten Züge der Apartheid in Süd­afrika miterlebt. Sein Spielfilmdebut District 9 ist eine mitreißende, brutale und schonungslose Abrechnung mit dem Rassismus, der einst in seinem Heimatland regierte und aber auch heute noch weltweit traurige Triumphe feiert. Auf der Erde gestrandete Aliens werden vor den Toren Johannesburgs in einem unwürdigen Ghetto interniert und sollen nun zwangsumgesiedelt werden. Der Film ist einer der besten Science-Fiction-Streifen der letzten zehn Jahre.


Robby der Roboter aus dem Film "Alarm im Weltall" (Forbidden Planet, USA 1956)

Alarm im Weltall (USA 1956)

 

Dieser Film ist die mit Abstand prächtigste, aufwendigste und teuerste Space Ope-ra der Fünfzigerjahre gewesen und gilt heute völlig zu Recht als ein Meilenstein des Science-Fiction-Kinos. Die Metro-Goldwyn-Mayer-Studios, stolz auf ihren Ruf als das glamouröseste und hochwertigste Studio Hollywoods, wollten sich nicht lumpen lassen und schufen einen Film, der optisch alle Wünsche der Fans erfüllt, bis hin zu einem coolen Roboter. Vor allem aber hat der Film eine ungewöhnlich intelligente Story, die die Tiefen der menschlichen Psyche auslotet, und ist zumin­dest hierin auch heute noch modern. Ein wunderbarer Film.


Ausschnitt aus dem Buchcover von Dennis Feltham Jones, "Colossus" (1966) vom Goldmann Verlag

Dennis Feltham Jones: Colossus (1966)

 

Der Roman aus der Feder des britischen Science-Fiction-Autors D. F. Jones (1917–1981), mit Colossus (1970) von Joseph Sargent ziemlich getreu verfilmt, ist in seinem Stil vielleicht ein wenig spröde und kühl, besticht jedoch als lupenreine, intelligen­te Hard-SF. Der geniale Informatiker Dr. Forbin hat in naher Zukunft für die US-Regierung einen Supercomputer konstruiert, dem fatalerweise die Kontrolle über die Atomwaffen anvertraut wird. Es bleibt unklar, wie der Computer plötzlich ein Bewusstsein entwickeln konnte, doch ansonsten ist der Roman ein spannendes Gedankenexperiment.


 

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