Fantastische Literatur und Filme

Aufnahme von einer Masse von Science-Fiction-Büchern, -DVDs und -Blurays aus meinem Besitz -- dem Thema von "Astron Alpha"

Willkommen auf Astron Alpha – meiner Webseite für Science-Fiction-Besprechungen!

 

Astron Alpha bietet ausführliche, kritische Rezensionen von Spielfilmen und von Büchern – Romane, Anthologien und Sachbücher  zur Science-Fiction. Anspruchsvolle Meisterwerke des Genres werden ebenso gewürdigt wie einfältige B-Movies oder Unterhaltungsromane, und auch richtig schlechte Trashfilme oder schundige Heftromane werden nicht ausgeklammert. Ein gewisser Schwerpunkt liegt bei meinen Rezensionen auf älteren und entlegeneren Filmen und Büchern. Ich liebe Science-Fiction, aber nerdige Engstirnigkeit liegt mir fern – für mich steht vor allem der sense of wonder und der Unterhaltungswert der Science-Fiction, weniger ihre „Wissenschaftlichkeit“ im Vordergrund. Diese Webseite ist ein privates Hobby von mir, das keinerlei Erwerbsinteressen verfolgt. Sämtliche Artikel habe ich selbst verfasst. Mein Name ist Michael Haul, und wer mehr über mich wissen will, der klicke auf den Menü­punkt Thema oder auch hier.

 

Allgemein gilt: Meine Besprechungen enthalten in der Regel Spoiler – wer sie vermeiden will, sollte also die Bespre-chun­gen erst dann lesen, nachdem er die besprochenen Werke selbst genossen hat. Die Begründung meiner Auffas-sung zum Spoilerproblem habe ich auf der Thema-Seite dargelegt.

 

Astron Alpha ist im Januar 2016 an den Start gegangen und wird fortwährend mit neuen Artikeln gefüllt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!


Neueste Artikel

Publicity Shot für den Film "Die Dämonischen" (Invasion of the Body Snatchers, USA 1956) von Don Siegel; Dana Wynter und Kevin McCarthy

Die Dämonischen (USA 1956)

 

Don Siegels eleganter Thriller ist mit Sicherheit der berühmteste Paranoia-Streifen des Science-Fiction-Kinos und wird noch immer von zahlreichen Aficionados ver­ehrt – völlig zu Recht. In einer kalifornischen Kleinstadt ist nichts mehr so, wie es bislang schien; die Menschen wirken plötzlich seltsam anteilnahmslos und gefühls­kalt. Der Arzt der Stadt kommt bald dahinter, dass seine Mitbürger von den Meta­morphosen außerirdischer Samenschoten ersetzt worden sind! Der Film lässt viele Deutungsmöglichkeiten zu, aber er kritisiert auf jeden Fall bedingungslose Anpas­sung und mahnt, sich seine Menschlichkeit zu bewahren.


Ausschnitt vom Buchcover zu dem Roman "Die Zeitmaschine" von H. G. Wells (The Time Machine), Ausgabe vom dtv Verlag 2017

H. G. Wells: Die Zeitmaschine (1895)

 

Der Debutroman von Herbert George Wells (1866–1946), dem vielleicht bedeu­tendsten Gründervater der modernen Science-Fiction-Literatur und nach wie vor einer der besten Schriftsteller des Genres, war auf Anhieb ein großer Wurf: ein packendes, ungemein imaginatives und anregendes Werk, das über seine reine Abenteuerhandlung hinaus eine bestechende Spekulation über die Zeit und eine beißende Kritik an den sozialen Verhältnissen des ausgehenden 19. Jahrhunderts enthält. Ein Forscher gelangt mit seiner Zeitmaschine in das Jahr 802701 – und findet eine genetisch degenerierte Menschheit im Niedergang vor.


Frau im Mond (Deutschland 1929)

 

Nach seinen monumentalen, sündhaft teuren Filmepen Die Nibelungen (1924) und Metropolis (1927) musste sich Fritz Lang in seinem letzten Stummfilm Frau im Mond mit einem deutlich geringeren Budget begnügen. Ornamente der Masse gibt es hier keine mehr, dafür beeindruckt der Film mit der ersten filmischen Darstellung eines Raumfahrtflugs zum Mond, die sich um größtmögliche technisch-wissen-schaftliche Genauigkeit bemühte und bereits vieles vorwegnahm, was später mit den Apollo-Missionen tatsächlich realisiert wurde. Dramaturgisch ist der Film leider reichlich zähflüssig und wirkt etwas steril. Und die Handlung ist banal.


Buchcover zu dem Roman "Das große Verschwinden" (The Dissappearance, 1951) von Philip Wylie, Ausgabe vom Heyne Verlag 1969

Philip Wylie: Das große Verschwinden (1951)

 

In diesem Roman entwickelt Philip Wylie (1902–1971) ein faszinierendes Szenario: Plötzlich verschwinden alle Frauen auf der Erde, und die Frauen erleben das Ereig­nis umgekehrt genauso: Alle Männer verschwinden spurlos. Das Universum hat sich in zwei Parallelwelten geteilt, in denen die Geschlechter fortan getrennt voneinan­der existieren. Wylie nutzt seine ungewöhnliche Prämisse dazu, das desolate und un­gleiche Verhältnis beider Geschlechter zueinander intensiv zu reflektieren, und plädiert für eine freiere Sexualität und die Gleichstellung der Frau. Ein interessantes Werk, das stilistisch leider oft ins Theoretisch-Diskursive abgleitet.


Cover des Romans "When Worlds Collide" von Edwin Balmer und Philip Wylie (University of Nebraska Press 1999; Bildausschnitt)

Philip Wylie/Edwin Balmer: After Worlds Collide (1933/34)

 

Der Nachfolgeroman, mit dem Philip Wylie und Edwin Balmer die Geschichte ihres Bestsellers When Worlds Collide (1932/33) weitererzählen, wird von den Kritikern meistens geringer geschätzt als der Vorgänger – zu Unrecht, wie ich finde. Das pul­pige Abenteuer des ersten Bandes geht hier überaus spannend und aufregend wei­ter: Die Flüchtlinge von der vernichteten Erde sind auf dem ins Sonnensystem ein­gewanderten Planeten Bronson Beta gelandet, versuchen nun, sich auf ihm anzu­siedeln und müssen einigen Gefahren trotzen – unter anderem Nazis, Kommunis­ten und Japanern, die ebenfalls auf Bronson Beta eingetroffen sind.


Cover des Romans "When Worlds Collide" von Edwin Balmer und Philip Wylie (Frederick A. Stokes Company 1933; Bildausschnitt)

Philip Wylie/Edwin Balmer: When Worlds Collide (1932/33)

 

When Worlds Collide von Philip Wylie (1902–1971) und Edwin Balmer (1883–1959) ist der klassische Weltuntergangsroman der Science-Fiction-Literatur. Ein ungeheures Szenario von epischer Breite – die Kollision der Erde mit einem fremden Planeten –, Protagonisten von unerschütterlichem Heldenmut und jede Menge Dreißigerjahre-Zeitgeist: Der Science-Fiction-Autor John Varley nannte den Roman recht treffend “the Gone With the Wind of the after-the-apocalypse-stories”. George Pal verfilmte 1951 erfolgreich die abenteuerliche Geschichte, die auch heute noch sehr unterhalt­sam zu lesen ist.


Szenenfoto aus dem Film "Donovans Hirn" (Donovan's Brain, USA 1953); Lew Ayres und Gene Evans

Donovans Hirn (USA 1953)

 

Die zweite Verfilmung von Curt Siodmaks Bestseller Donovans Gehirn (1942) ist diejenige, die sich am engsten an die Romanvorlage hält und gemeinhin auch als die gelungenste angesehen wird. Die Regie von Felix E. Feist ist knackig-konzen-triert, Bühnenbild und Ausstattung sind für einen B-Movie exzellent und die Dar-steller agieren hervorragend. Vor allem Lew Ayres (1908–1996) glänzt als mad scien-tist Dr. Patrick Cory, der in seinem Labor heimlich das explantierte Gehirn eines Fi-nanzmagnaten in einem Glastank am Leben erhält und von ihm telepathisch über-nommen wird. Und: Nancy Reagan spielt auch mit!


Szenenfoto aus dem Film "The Lady and the Monster" (USA 1944) von George Sherman; Erich von Stroheim

The Lady and the Monster (USA 1944)

 

Der klassische Science-Fiction/Horror-Roman Donovans Gehirn (1942) von Curt Siodmak wurde bislang dreimal verfilmt – dies hier ist die erste Verfilmung von Re­public Pictures. Regisseur George Sherman und die Drehbuchautoren Dane Lussier und Frederick Kohner machten aus dem Stoff einen mad scientist-Streifen alter Schule, der mit expressionistischer Beleuchtung und schauerlicher Atmosphäre wu­chert. Der Film hat einen hervorragenden Erich von Stroheim (1885–1957) als ver­rückten Wissenschaftler zu bieten, ist aber auch bekannt für das grottenschlechte Schauspiel von Vera Hruba Ralston, der Freundin von Republic-Boss Henry Yates.


Szenenfoto aus dem Film "Ex Machina" (GB 2015) von Alex Garland; Alicia Vikander als Ava

Ex Machina (GB 2015)

 

Der Schriftsteller und Drehbuchautor Alex Garland (geb. 1970) hat mit seinem Re­giedebut Ex Machina, für das er auch das Drehbuch verfasste, auf Anhieb ein groß­artiges Science-Fiction-Drama hingelegt, das den Titel „Meisterwerk“ mehr als ver­dient hat. Selten wurde das Thema künstlicher Intelligenz im Kino so intelligent, nachdenkenswert und packend verhandelt wie hier. Ava ist eine von einem moder­nen Frankenstein geschaffene Roboterfrau, die in einem Turingtest, dem sie unter­zogen wird, ihren Tester zusehends becirct und in ein Psychoduell verstrickt. Nicht die KI, der Mensch ist es am Ende, der hier in Frage gestellt wird.


Szenenfoto aus dem Film "Angriff der Riesenkralle" (The Giant Claw, USA 1957) von Fred F. Sears

Angriff der Riesenkralle (USA 1957)

 

Der berüchtigte Low-Budget-Produzent Sam Katzman (1901–1973) schob 1957 die­sen Monsterfilm-cheapie unter der Regie von Fred F. Sears (1913–1957) an, in dem ein gigantischer Raubvogel aus dem Weltraum großen Appetit auf Flugzeuge, Eisenbahnen und vorlaute Teenager entwickelt und – Ehrensache für ein Holly­wood-Filmmonster – das Empire State Building in New York platt macht. Der Cast ist mit Jeff Morrow, Mara Corday und Morris Ankrum sehr gut besetzt, aber die fürchterlich miesen Tricks ruinieren die Show heillos. Allgemein gilt die „Riesen­kralle“ als eines der lächerlichsten Filmmonster aller Zeiten. Zu Recht.


Die Teufelswolke von Monteville (GB 1958)

 

Der mit winzigem Budget gedrehte Science-Fiction-Thriller von Quentin Lawrence (1920–1979) türmt eine Menge fantastischer Elemente auf, ohne sie je zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen: Es wimmelt in dem Film von parapsychi­schen Hellseherinnen, enthaupteten Leichen, Hackebeile schwingende Psychopa­then und außerirdischen Monstern, die wie gigantische, scheußliche Zecken mit langen Tentakeln und nur einem zuckenden Auge aussehen. Der Film ist sehr atmo­sphärisch und macht Laune, doch um die Logik hat sich Drehbuchautor Jimmy Sangster leider einen feuchten Kehricht gekümmert.


Ausschnitt aus dem Buchcover von Chris Taylor, "Wie Star Wars das Universum eroberte" (Wilhelm Heyne Verlag München 2015)

Chris Taylor: Wie Star Wars das Universum eroberte (2015)

 

Dieser 768 Seiten dicke Wälzer vom kalifornischen Journalisten und glühenden Star Wars-Hardcore-Fan Chris Taylor ist die ultimative Geschichte des Star Wars-Fran­chises – von den ersten inspirierenden Einflüssen wie etwa Flash Gordon auf den kleinen George Lucas in den Fünfzigerjahren über die verwickelte Entstehungsge­schichte des Star Wars-Drehbuchs und den Dreharbeiten bis hin zum Verkauf von Lucasfilm an Disney 2012. Auch das enthusiastische Star Wars-Fandom wird aus­giebig von Taylor dargestellt. Vor allem aber ist das Buch überaus unterhaltsam geschrieben – man will es kaum aus der Hand legen.


Ausschnitt des Buchcovers "Auf zwei Planeten" (1897) von Kurd Laßwitz, Volksausgabe von 1913

Kurd Laßwitz: Auf zwei Planeten (1897)

 

H. G. Wells war nicht der Einzige, der 1897 zum ersten Mal eine feindliche Invasion von Marsianern auf der Erde schilderte. Sein Roman Krieg der Welten ist auch heute noch weltberühmt. In Deutschland indes hatte der Autor und Gymnasialleh­rer Kurd Laß­witz (1848–1910) unabhängig von Wells dieselbe Idee. Sein monumen­taler Roman Auf zwei Planeten erzählt von Marsianern, die die Menschheit mit ihrer hohen aufgeklärten und sittlichen Kultur erziehen wollen. Das führt allerdings zu großen Spannungen und schließlich in einen Krieg. Das Werk gilt zu Recht als der bedeu­tendste Klassiker der frühen deutschen Science-Fiction-Literatur.


Szenenfoto aus dem Film "Arrival" (USA 2016) von Denis Villeneuve; Amy Adams

Arrival (USA 2016)

 

Denis Villeneuves Film ist ein mutiges und ziemlich intelligentes Science-Fiction-Drama, das sich mit dem hochinteressanten Problem der Kommunikation mit Au­ßerirdischen in einer alles in allem sprachwissenschaftlich glaubwürdigen Art und Weise beschäftigt. Derartige Versuche begegnen im Kino wahrlich nicht oft. Aller­dings leidet der Film unter einem zu zähen Fluss und lässt den Zuschauer zu lang darüber im Ungewissen, wo er eigentlich hin will. Die Auflösung schließlich entwi­ckelt höchst problematische Begriffe von Zeit und Schicksal. Nichtsdestotrotz sehenswert.


Szenenfoto aus dem Film "Operation Ganymed" (BRD 1977) von Rainer Erler

Operation Ganymed (BRD 1977)

 

Der TV-Regisseur Rainer Erler (geb. 1933) ist zweifellos der profilierteste deutsche Science-Fiction-Filmer der Siebzigerjahre. Sein Raumfahrtfilm Operation Gany­med wurde auf dem Science-Fiction-Film-Festival in Triest 1978 zum besten Film des Jahres gewählt. Zu Recht: Der Film ist ein außerordentlich packendes, intelli­gentes und vielschichtiges Science-Fiction-Erlebnis, das hervorragend inszeniert ist und ausgezeichnete Darsteller vorweisen kann. Darüber hinaus glänzt er mit einer Ausstattung und visuellen Tricks, die angesichts der begrenzten Geldmittel im damaligen deutschen Fernsehen beachtlich sind.


Pressefoto aus dem Film "Amazonen des Urwalds" (Prehistoric Women, USA 1950)

Amazonen des Urwalds (USA 1950)

 

Dieses drollige kleine Steinzeitabenteuer ist ohne Frage eine durchschaubare, höl­zern und jugendfrei inszenierte Peepshow: ein für ein männliches Publikum ge­machter exploitation film, der allein darauf aus ist, schöne Frauenkörper halbnackt in Szene zu setzen und im Rahmen einer urwüchsigen, ungehobelten Steinzeitge­sellschaft sexuelle Fantasien zu bebildern. Hier will die Frau vom Manne wirklich nur das eine, und dafür legt sie sich richtig ins Zeug und erlegt den Kerl mit Steinen und Fallen! Der Film ist recht stumpf, aber doch irgendwie unterhaltsam – und in Farbe! Leider ist er heute nur noch in erbärmlicher Bildqualität zu sehen.


Auf U-17 ist die Hölle los (USA 1959)

 

Das absurde Unterwasserabenteuer vom ehemaligen Serial-Filmer Spencer Gordon Bennet (1893–1987) hat nicht nur einen selten dämlichen deutschen Verleihtitel (der nichtssagende Originaltitel The Atomic Submarine ist kaum besser) – der hölzerne, über weite Strecken stinklangweilige Low-Budget-Streifen hat auch sonst nur wenig zu bieten. Dass die Story und die Spezialeffekte von Jack Rabin (1914–1987) und Irving Block (1910–1986) stammen, lässt zunächst auf ein munteres Science-Fiction-Abenteuer hoffen. Doch leider bleibt der Film trotz einiger guter Einfälle und surrealer Einstellungen zu behäbig, um irgendwie zu fesseln.


Szenenfoto aus dem Film "Sunshine" (GB 2007) von Danny Boyle

Sunshine (GB 2007)

 

Der vom britischen Top-Regisseur Danny Boyle meisterhaft inszenierte Raumfahrt­film ist eine meditative, mitreißend bebilderte Reise ins gleißende Licht der Sonne – und eine Höllenfahrt in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Psyche. Der Film erzählt von der Unmöglichkeit, immer richtig zu entscheiden, von schmerzhaftem Aufopferungswillen und Heldentum – und vom bitteren Versagen in einer existen­ziellen Ex­tremsituation. Selten konnte ein Science-Fiction-Film derart starke und glaubwür­dige Charaktere vorweisen. Trotz eines schwachen letzten Drittels ist Sunshine einer der besten Science-Fiction-Filme der letzten zwei, drei Dekaden.


Szenenfoto aus dem Film "Die Eroberung des Weltraums" (Conquest of Space, USA 1955) von Byron Haskin und George Pal

Die Eroberung des Weltalls (USA 1955)

 

Dieses von George Pal (1908–1980) produzierte bunte Weltraumabenteuer, das vom Bau einer radförmigen Raumstation im Erdorbit und vom ersten bemannten Flug zum Mars erzählt, gilt gemeinhin als der schwächste von Pals Science-Fiction-Streifen. Das Drehbuch ist dröge, Handlung und Figuren strotzen vor Klischees, und die ambitionierten Spezialeffekte, die durchaus wunderschöne Schauwerte bieten, lassen leider technische Schwächen wie flackernde bis durchscheinende Komposit­aufnahmen und dicke matte-Linien erkennen. Auch hier konnte Pal sich eine christ­liche Botschaft nicht verkneifen. Nichtsdestrotrotz ist der Film sehenswert.


Iain Banks: Welten (2009)

 

Der Schotte Iain M. Banks (1954–2013) gilt als einer der herausragendsten Science-Fiction-Autoren der jüngsten Zeit. Die New York Times feierte ihn als „bedeu­ten­sten Science-Fiction-Autor der Gegenwart“, und die britische Times zählte ihn 2008 zu den „größten britischen Schriftstellern seit 1945“. Das undurchdachte und prä­ten­tiöse Viele-Welten-Wirrwarr, das Iain Banks dem Leser in seinem Roman Welten ser­viert, spottet allerdings dieser Verzückungen und ist ein uninspi­riertes, ärgerli­ches Desaster – zynisch, vor Sex und Gewalt triefend und in plumper Manier auf hochsprachlichen Kunstan­spruch aus. Ein fürchterlich verkopftes „Meisterwerk“.


Die Bestie aus dem Weltenraum (USA 1957)

 

Der Monsterstreifen aus der Werkstatt des Stop-Motion-Meisters Ray Harryhausen (1920–2013) ist gut getrickst, recht spannend aufgebaut und legt ein kurzwei­liges Tempo vor. Erneut beeindruckt, was Harryhausen tricktechnisch zu bewerk­stelligen vermochte. Sein Monster von der Venus ist hervorragend animiert und wirkt sehr ge­schmeidig und lebendig, wofür vor allem die gut getimten Bewegungsab­läufe und die ständigen Schwanzbewegungen des Tieres sorgen. Besonders ge­lungen sind der Kampf der Bestie mit einem Elefanten in den Straßen von Rom und die Szenen, in denen das Monstrum auf den Zinnen des Kolosseums wütet. 


Larry Niven: Myriaden (1973)

 

Der Hard-SF-Autor Larry Niven hat nicht nur großartige Romane wie den welt­be­rühmten Bestseller Ringwelt (1970) geschrieben, sondern auch exzellente Kurz­geschichten verfasst, von denen in diesem Band neun versammelt sind. Tausend Wege des Alls, Gestrandet auf Pluto und Generalprobe Weltuntergang (auch be­kannt als Wechselhafter Mond) sind Klassiker der Science Fiction Shortstory, die sich durch frappierende Gedankenspiele und nicht selten auch durch trockenen Humor auszeichnen. Freilich enthält die Sammlung auch schwächere Geschichten, doch alles in allem ist Myriaden eine sehr unterhaltsame Lektüre.


Die Wespenfrau (USA 1959)

 

Dieser dürftige Streifen von Low-Budget-Ikone Roger Corman ist eine billige Nach-ahmung von Kurt Neumanns Horrorfilm Die Fliege (1958). Er wurde in fünf Tagen mit einem Budget von nur etwa 50.000 Dollar gedreht. Die zähe, einfallslose Insze-nierung verschenkt das interessante Potenzial des Plots völlig. Die Wespenfrau ist nicht durch und durch schlecht, vor allem seine Hauptdarstellerin Susan Cabot ist großartig, aber dem Film gelingt es nicht einmal annähernd, Unbehagen, Thrill und Horror zu erzeugen. Stattdessen ist er über weite Strecken einfach nur langweilig. Und das Versprechen seines Kinoplakats löst er natürlich auch nicht ein. Leider.


Sphere – Die Macht aus dem All (USA 1998)

 

Sphere ist passable Science-Fiction-Kost: Der von Barry Levinson (geb. 1942) als so­lider Thriller inszenierte Film ist fesselnd und unterhaltsam und punktet insbeson­dere mit seinen hervorragend agierenden Stars Dustin Hoffman, Sharon Stone und Samuel L. Jackson. Der Film hat allerdings auch mit gravierenden Schwächen zu kämpfen. Er fährt keine besonders originellen Ideen auf, krankt an brüchiger Logik und verärgert mit einem lachhaften, absurden Ende. Die bereits 1987 erschienene Romanvorlage stammt aus der Feder von Michael Crichton (1942–2008), dem Groß­meister des technologischen Thrillers. Er hat schon bessere Romane verfasst.


Szenenfoto aus dem Film "Der Flug des Navigators" (Flight of the Navigator, USA/Norwegen 1986) von Randal Kleiser; Joey Cramer als David Freeman und die KI Max

Der Flug des Navigators (USA/Norwegen 1986)

 

Knuffige Familien-Unterhaltung mit einer harmlos-verniedlichten UFO-Thematik – so ließe sich dieser charmante Film charakterisieren. Der Film ist ein liebenswertes und effektvolles Science-Fiction-Abenteuer für Kinder und Eltern. Ja, der Film ist ein typisches, teilweise zuckriges Disney-Produkt, und ein weiteres Mal wird der My­thos der wohlgeratenen weißen Middleclass-Familie gefeiert. Aber der Film zau­bert auch gekonnt die fantastischen Träume kleiner (und großer) Jungs auf die Leinwand. Welcher vorpubertäre Junge hat nicht schon einmal davon geträumt, von gütigen Außerirdischen zu einer Reise ins Weltall eingeladen zu werden?


Rakete 510 (GB 1959)

 

Ein Jahr nach Ungeheuer ohne Gesicht (1958) ließ dasselbe Produktionsteam einen weiteren pseudo-amerikanischen Science-Fiction-Schocker drehen: Rakete 510 von Robert Day (1922–2017). Der Film ist leider nicht annähernd so launig wie der Vor-gänger, der immerhin noch spektakuläre Spezialeffekte vorzuweisen hatte. Rakete 510 erzählt vom ersten Menschen, der sich mit einem suborbitalen Raketenflug ins Weltall hinausgewagt hat – und durch eine Kruste aus Meteorstaub, die sich auf ihn legt, prompt in ein blutsaugendes Monster verwandelt. Die Darsteller sind okay, aber der Film ist insgesamt sehr zäh und hat nur wenig Schockmomente.


Szenenfoto aus dem Film "Ungeheuer ohne Gesicht" (Fiend Without a Face, GB 1958) von Arthur Crabtree

Ungeheuer ohne Gesicht (GB 1958)

 

Dieser kleine Science-Fiction-Thriller aus England zählt gewiss zu den schrillsten Monsterfilmen, die die Fünfzigerjahre hervorgebracht haben. Die Monster sind aus puren Gedankenkräften entstandene kriechende Gehirne mit schnecken­artigen Fühlern, einem beweglichen Rückenmark und Tentakeln – und sie ernähren sich bevorzugt damit, Menschen ihren Hirnschmalz auszusaugen. Der makabre Show­down, in dem die angreifenden Gehirne mit Äxten und Schusswaffen zermatscht werden, dass das Blut nur so spritzt, bot für damalige Verhältnisse ziemlich viel Splatter. Und die Stop-Motion- und Animationstricks sind ausgesprochen gut!


Passengers (USA 2016)

 

Morten Tyldums sehr stilvolles und visuell opulentes Weltraum-Drama erzählt eine ungewöhnliche Robinsonade auf einem interstellaren Raumschiff. Alle Menschen an Bord verbringen die 120 Jahre dauernde Reise im künstlichen Tiefschlaf, doch durch einen Unfall wird ein einzelner Passagier zu früh geweckt – 90 Jahre vor der Ankunft am Ziel, dem Planeten Homestead II. Die Einsamkeit bringt den Einsiedler an Bord des Luxusschiffes schließlich dazu, sich aus den anderen Passagieren eine Gefährtin auszusuchen und aufzuwecken – eine moralisch ungeheuerliche Tat, deren Behandlung im Film prompt auf harsche Kritik traf.


Just Imagine (USA 1930)

 

Dieser Film wird häufig als einer der bizarrsten Streifen in der Geschichte des Science-Fiction-Kinos bezeichnet. Zu Unrecht, wie ich finde, denn der Film will gar keine Science-Fiction sein, sondern präsentiert sich stattdessen als eine leichtge-wichtige Musical-Komödie, die um eines ungewöhnlichen Settings willen in der Zukunft des New Yorks von 1980 angesiedelt ist. Immerhin war der Film mit über einer Million Dollar enorm teuer und bietet wirklich spektakuläre Bauten für die giant city von morgen, die sogar Fritz Langs Metropolis (1927) übertreffen. Als Musical und auch als Komödie ist der Film allerdings durchwachsen.


Ausschnitt aus dem Buchcover von "Die besten Stories von Stanley G. Weinbaum" (Playboy Science Fiction, Moewig Verlag 1980)

Die besten Stories von Stanley G. Weinbaum (1980)

 

Stanley G. Weinbaum (1902–1935) ist einer der wichtigsten Autoren der frühen Pulp-Science-Fiction. Seine erste Erzählung A Martian Odyssey, die er im Juli 1934 im Magazin Wonder Stories veröffentlichte, schlug in der damali­gen amerikani­schen Science-Fiction-Szene ein wie eine Bombe. Die Erzählung wur­de aus dem Stand als ein Geniestreich gefeiert und ihr Autor als der weltbeste le­bende Scien­ce-Fiction-Autor überschwänglich gerühmt. Weinbaums Kurzgeschichten bieten auch heute noch eine sehr lebendige und originelle, humorvolle, manchmal auch grillenhafte Lektüre; freilich ist ihre Dreißigerjahre-Patina unverkennbar.


Curt Siodmak: Donovans Gehirn (1942)

 

Curt Siodmak (1902–2000) zählt zu den ganz großen Namen im Horror- und Science-Fiction-Film. Nicht nur schrieb er den mit Hans Albers sehr erfolgreich ver­filmten Roman F.P. 1 antwortet nicht (1931), er verfasste auch die Drehbücher für den Horrorklassiker Der Wolfsmensch (1941) und für zahlreiche weitere Horror- und Science-Fiction-Filme. Siodmaks vielleicht berühmtester Roman Donovans Gehirn –seinerseits dreimal verfilmt – ist ein gerissener Mystery-Thriller mit einer starken Science-Fiction-Prämisse: der telepathischen Machtübernahme eines künstlich am Leben erhaltenen kriminellen Gehirns. Eine spannende Lektüre – noch heute.


Szenenfoto aus dem Film "Gorath" (UFOs zerstören die Erde, Japan 1962); Jun Tazaki

Gorath (Japan 1962)

 

Godzilla-Regisseur Ishiro Honda (1911–1993) und die Toho-Studios ziehen in die­sem Streifen alle Register: Gorath begeistert als lebendig inszeniertes und auf Hoch­glanz geschliffenes, actiongeladenes Science-Fiction-Abenteuer, das für seine Zeit ziemlich cool wirkt und auch heute noch eine Menge Spaß macht. Handwerk­lich entspricht der Film mit seinen höchst aufwendigen Modellbauten und Tricks dem damaligen state of the art. Schwung und Glaubwürdigkeit gewinnt der Film über­dies durch tadellos spielende, sym­phatische Darsteller. In Deutschland wurde der Film indes lange Zeit als übel verstümmelte Trash-Gurke vermarktet.


Covermotiv des Romans "Die drei Sonnen" (The Three Body Problem; San Ti) von Liu Cixin

Liu Cixin: Die drei Sonnen (2006)

 

2015 gelang dem chinesischen Science-Fiction-Autor Liu Cixin (geb. 1963) eine Sen­sation: Sein bereits seit einigen Jahren in China erfolgreicher Roman San Ti wurde in den USA ins Englische übersetzt und gewann als erstes nicht-englisches Werk überhaupt den begehrten Hugo Award. Jetzt ist das von den Kritikern gefeierte Buch – der erste Band einer Trilogie – auch auf Deutsch erschienen. Der Hype trügt nicht: Die drei Sonnen ist ein höchst spannender, paranoider Alien-Invasions-Ro­man, angesiedelt in China und voller origineller, zum Teil höchst abgedrehter physi­kalischer Ideen und Konzepte. Nicht frei von Schwächen, aber insgesamt stark!


Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Heyne Science Fiction Jahresband 1982

 

„Eine opulente Palette herrlicher Leckerbissen aus dem weiten Feld der Science Fiction, diesmal noch gefälliger ausgestattet in Satz und Papier – und noch groß-zügiger illustriert. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, Ihnen eine Freude zu machen. Greifen Sie zu!“ Wie ein stolzer Koch kredenzt uns Wolfgang Jeschke den dritten Heyne Science Fiction Jahresband im Vorwort. Der Maître hat nicht übertrieben – der 1982er Jahresband ist ein gutes Oeuvre, das eine ganze Reihe pointiert geschriebener Science-Fiction-Storys hochkarätiger Autoren enthält.


Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Heyne Science Fiction Jahresband 1981

 

Nachdem der Heyne Science Fiction Jahresband 1980 unerwartet zum Bestseller wurde, legte der Heyne Verlag ein Jahr später den zweiten Band der neuen Reihe vor. Diesmal wurden bei der Auswahl auch mehrere europäische Autoren aufge-nommen – drei Briten (Brian W. Aldiss, Anthony Burgess und Rudyard Kipling), ein Franzose (Alain Dorémieux) und zwei Russen (die Strugazki-Brüder) – und inhaltlich ein Schwerpunkt auf Geschichten gelegt, die die „weichen“ Humanwissenschaften zur Grundlage nehmen und sich mit dem psychologischen inner space beschäfti-gen. Das schriftstellerische Niveau der Auswahl blieb angenehm hoch.


Ausschnitt aus dem Buchcover vom "Heyne Science Fiction Jahresband 1980"

Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Heyne Science Fiction Jahresband 1980

 

Mit diesem Band startete der Heyne-Verlag eine jährlich erscheinende Anthologie­reihe zu einem günstigen Preis, die sich als sehr erfolgreich herausstellte und bis zum Jahr 2000 fortgesetzt werden sollte. Der Heyne Science Fiction Jahresband versammelte stets hochkarätige Autoren – ab dem zweiten Band vermehrt auch aus Europa – und bot eine gute Mischung aus Kurzgeschichten, Novellen und kür­zeren Romanen, von vielgepriesenen Genreperlen und weniger bekannten Storys. Wenn die Beiträge manchmal auch etwas angestaubt wirken, bieten sie doch auch heute noch hervorragende Science-Fiction-Unterhaltung.


Ausschnitt aus dem Buchcover zum Roman "Spektrum" von Sergej Lukianenko (2002) in der Auflage vom Heyne Verlag 2009

Sergej Lukianenko: Spektrum (2002)

 

Der in Moskau lebende Schriftsteller Sergej Lukianenko (geb. 1968) ist seit Jahren der kommerziell erfolgreichste Autor der russischen Fantastik. Bereits sein erster Fantasy-Zyklus über die „Wächter“ machte ihn zum Bestseller und führte in Russ-land schon zu zwei sehr erfolgreichen Verfilmungen. Spektrum war Lukianenkos erster Science-Fiction-Roman, der neben klassischen Space-Opera-Zutaten auch märchenhafte Zügen trägt. Am interessantesten ist hier indes die eigenwillige Hauptfigur Martin, ein Moskauer Privatdetektiv, der Konjak, Pfeifen und die gute russische Küche liebt. Ein erfrischend ungewöhnlicher Science-Fiction-Roman.


Szenenfoto aus dem Film "Der Himmel ruft" (Nebo Sowjot, UdSSR 1959) von Michail Karjukow und Alexander Kosyr

Der Himmel ruft (UdSSR 1959)

 

Dieser sowjetische, stark propagandistisch gefärbte Raumfahrtfilm ist ein Fest für Liebhaber nostalgischen, sozrealistischen Kitschs. „Der Himmel ruft“, und die Zu­kunft im All ist rot. Die Amerikaner sind mit ihrem von Profitgier getriebenen Egois­mus dagegen nur zu bedauern, und in diesem Film bedürfen sie zur Rettung ihres havarierten Raumschiffs sogar der selbstlosen Hilfe der Russen. Von der politischen Botschaft abgesehen bietet der Film jedoch auch erstklassige mattes und Tricks, die die zeitgenössischen Konkurrenzprodukte aus den USA deutlich übertreffen. Für jeden Aficionado ist der Film daher wirklich sehenswert.


Szenenfoto aus dem Film "Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort" (The Angry Red Planet, USA 1959) von Ib Melchior

Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort (USA 1959)

 

Der Mars ist ein widerspenstiger Ort, ja, er hasst uns geradezu. Fleißige Science-Fiction-Filmgucker wissen das schon seit Langem, nicht erst seit Ridley Scotts Der Marsianer (2015). Ein besonders feindseliger Mars wird uns in diesem billigen Strei­fen von Ib Melchior (1917–2015) serviert. Eine Raumschiffcrew muss sich auf dem roten Planeten, dessen exotische Landschaft sich in bester Edgar-Rice-Burroughs-Tradition präsentiert, mit allerlei feindseligen Monstern herumschlagen. „Berühmt“ für sein Monster – die bat-rat-spider – und für sein grellrotes „Cinemagic“-Film­verfahren, ist der Film ein besonders skurriler Eintrag ins Science-Fiction-Kino.


Szenenfoto aus dem Film "Warning from Space" (Uchujin Tokyo ni arawaru, Japan 1956) von Koji Shima

Warning from Space (Japan 1956)

 

Dieser Streifen aus den Daiei-Studios ist nicht nur der erste japanische Science-Fiction-Film, der in Farbe gedreht wurde; er bietet darüber hinaus überaus skurrile Außerirdische, die wie große Seesterne mit einem einzelnen blau leuchtenden Auge auf der Brust aussehen. Das genial schlichte Design der Aliens stammt immer­hin vom angesehenen japanischen Künstler Taro Okamoto (1911–1996), allerdings ist es derart lächerlich umgesetzt, dass es dem Zuschauer fast die Sprache verschlägt. Das Drehbuch ist zudem ein reichlich unlogischer Mischmasch. Nichtsdestotrotz ist der Film leidlich unterhaltsam.


Saturn 3 (GB 1980)

 

Saturn 3 zählt zu den am ärgsten verrissenen Big-Budget-Produktionen in der Ge­schichte des Science-Fiction-Kinos. An der miesen Reputation hat sich auch über die Jahrzehnte nicht mehr viel geändert. Das ist auch kein Wunder: Ein konfuses Drehbuch, schwache Spezialeffekte und bestenfalls mäßige schauspielerische Leis­tungen der halbnackt durch den Film turnenden Hauptdarsteller Kirk Douglas und Farrah Fawcett mindern das Vergnügen an diesem Streifen doch erheblich. Aller­dings kann der Film mit einem superben Setdesign, einigen interessanten Ideen und einer eigentümlich klaustrophobischen Atmosphäre punkten.


The Lost City (USA 1935)

 

Kinoserials sind in der Regel temporeich und gewitzt inszeniert und machen noch heute Spaß. Das gilt jedoch nicht für diese furchtbar öde Serialgurke. The Lost City ist ein sich zäh dahinschleppendes Dschungelabenteuer um einen Superschurken, der in der afrikanischen Wildnis ein unterirdisches High-Tech-Refugium beherrscht, von dem aus er die Weltherrschaft anstrebt. Neben der kargen Dramaturgie und den geringen Produktionswerten missfallen vor allem der ungezügelte Rassismus und die sadistische Brutalität, die sich in dieser kolonialen Herrenmenschen-Fantasie austoben. Ein unangenehmes Machwerk.


Eike Barmeyer (Hrsg.): Science Fiction (1972)

 

Es gab einmal eine Zeit, in der mit unglaublicher Verbissenheit um die gesellschaft­liche Rechtfertigung des Science-Fiction-Genres gestritten wurde – und darum, was die Science-Fiction leisten und wie wie beschaffen sein sollte. Der von Eike Bar­meyer herausgegebene Essayband zählt zu den frühesten deutschsprachigen Publikationen zu diesen Themen. Hier bemühen sich alle beteiligten Autoren, von Barmeyer selbst über Darko Suvin, Stanislaw Lem, Franz Rottensteiner bis hin zu Ronald M. Hahn, um intellektuelles Prestige. Zugleich steht der Band ganz im Zeichen der Grabenkämpfe von 1968. Seltsame Blüten sind hier zu bestaunen.


Edge of Tomorrow (USA/GB 2014)

 

Doug Limans 175 Millionen Dollar teurer Sci-Fi-Actionkracher ist eine krude Mi­schung aus D-Day-Weltkriegsfilmen à la Der längste Tag (1962), Military-Sci-Fi à la Starship Troopers (1997) und der romantischen Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier (1993). Der Zeitschleifen-Plot um einen feigen Soldaten, der immer und immer wieder ein brutales Gefecht – und seinen eigenen Tod – erleben muss, und Aliens, die Europa besetzt haben und die Zeit beeinflussen können, ist natürlich hanebüchener Unsinn. Überraschenderweise ist dennoch ein sehr unterhaltsamer, cleverer Blockbuster mit bestens aufgelegten Stars daraus geworden.


Buck Rogers (USA 1939)

 

Nachdem die beiden Space-Opera-Serials Flash Gordon (1936) und Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) in den amerikanischen Kinos großartige Erfolge wurden, ent­schloss sich Universal Pictures, nun auch den älteren Science-Fiction-Helden Buck Rogers in einem eigenen Serial zu verfilmen. Für die Hauptrolle wurde erneut Larry “Buster” Crabbe (1908–1983) verpflichtet, der zuvor schon Flash Gordon verkörpert hatte. Er spielt auch hier seine Rolle hervorragend. Buck Rogers ist den Flash-Gor­don-Serials in Vielem ähnlich, aber es gibt auch einige Unterschiede. Vor allem ist die Show genauso temporeich und unterhaltsam und damit allemal sehenswert.


Herbert W. Franke: Das Gedankennetz (1961)

 

Herbert W. Frankes Debutroman ist eine interessante Reflexion über die Natur dessen, was wir „Wirklichkeit“ nennen, und eine frühe Version von ineinander ver­schachtelten virtual realities. Darüber hinaus hinterfragt der Roman aber auch die Science-Fiction-Literatur und ihre eskapistischen Tendenzen, indem er den Leser dazu einlädt, sich in spannende, fantastische Abenteuer zu versenken – die sich dann regelmäßig als virtuelle Testanordnungen entpuppen, mit denen ein totali­täres Regime der Zukunft die Systemtreue seiner Bürger testen lässt. Ein cleveres, außergewöhnliches, frappierend konstruiertes Werk.


Interstellar (USA 2014)

 

Christopher Nolans groß angelegte Weltraum-Oper, in der Menschen durch ein kosmisches „Wurmloch“ in eine andere Galaxis und schließlich sogar in das Innere eines schwarzen Lochs vorstoßen, um den sicheren Untergang der Menschheit auf einer klimatisch ruinierten Erde zu verhüten, ist sicherlich einer der bemerkenswer­testen und nerdigsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten. Der Film gewann eine beachtliche Fangemeinde, die nicht müde wird, über die astrophysikali­schen Prä­missen des Films zu diskutieren. Der Film hat jedoch auch einige drama­turgische Schwächen, sodass es mir schwerfällt, in ihm ein „Meisterwerk“ zu sehen.


Uhrwerk Orange (GB 1971)

 

Stanley Kubricks Uhrwerk Orange nach einem Science-Fiction-Roman von Anthony Burgess ist aufgrund der nur schwer erträglichen, nihilistischen Darstellung von Jugendgewalt bis heute sein mit Abstand umstrittenster Film geblieben. Die Kriti­ken waren fast einhellig vernichtend: Sie sahen in dem Werk eine prätentiöse Glori­fizierung der Gewalt, deren gesellschaftskritische Attitüde nur aufgesetzt ist. Nun, darüber lässt sich bis heute trefflich streiten. Eines aber ist sicher: Der Film ist nach wie vor ein atemberaubend intensives, verstörendes, überaus präzise inszeniertes Kinoerlebnis – Kino-Kunst allererster Güte.


Pressefoto zum Kinoserial "Flash Gordon Conquers the Universe" (USA 1940); Carol Hughes als Dale Arden und Larry "Buster" Crabbe als Flash Gordon

Flash Gordon Conquers the Universe (USA 1940)

 

Das dritte und letzte Kinoserial von Flash Gordon wird in der Filmkritik häufig als das schwächste angesehen, eine Meinung, die ich nicht ganz teilen kann. Es ist zwar bedauerlich, dass Jean Rogers für die Rolle der Dale Arden nicht mehr zur Verfügung stand und durch Carol Hughes ersetzt wurde. Ebenso kehrte Richard Alexander als Prinz Barin nicht mehr zurück, sodass Roland Drew die Rolle über­nahm und sie als Robin-Hood-Kopie spielte. Ansonsten aber ist das Serial so schwungvoll und actionreich wie eh und je – und wartet wieder mit einer Reihe abgedrehter Science-Fiction-Ideen auf.


Szenenfoto aus dem Kinoserial "Flash Gordon's Trip to Mars" (USA 1938); Beatrice Roberts und Charles Middleton

Flash Gordon’s Trip to Mars (USA 1938)

 

Das zweite Kinoserial von Flash Gordon, dem unerschrockenen Weltraumhelden, behält die altbewährte, tempo- und actionreiche Rezeptur bei und versammelt auch wieder sehr zur Freude des Publikums die aus dem ersten Serial bekannte Darstellerriege. Mit Azura, der Königin vom Mars mit magischen Fähigkeiten, bietet das Serial sogar eine neue Schurkin auf. Es gibt wieder eine ganze Reihe neuer Ideen und Gadgets, die hier eingebracht wurden. Im mittleren Drittel erlahmt der Schwung ein wenig, und die erotische Dynamik des ersten Serials wurde leider auch aufgegeben. Dennoch macht Flashs Trip zum Mars großen Spaß.


Szenenfoto aus dem Kinoserial "Flash Gordon" (USA 1936); Larry Buster Crabbe und Jean Rogers

Flash Gordon (USA 1936)

 

Der vom Illustrator und Comiczeichner Alex Raymond (1909–1956) erfundene Science-Fiction-Held Flash Gordon enterte zwei Jahre nach seinem Einstand als Comicstrip in den Sonntagsbeilagen der amerikanischen Zeitungen in diesem Kino­serial von Universal zum ersten Mal die Kinoleinwand. Larry „Buster“ Crabbe (1908–1983) als energiegeladener Held Flash und Jean Rogers (1916–1991) als bezaubernde, schwungvolle Dale Arden erwiesen sich als Idealbesetzungen, und das Serial wurde ein riesiger Erfolg. Heute gilt das temporeiche, überaus unterhaltsame Serial als Klassi­ker, führte es doch die Space Opera im Science-Fiction-Kino ein.