Fantastische Literatur und Filme

Aufnahme von einer Masse von Science-Fiction-Büchern, -DVDs und -Blurays aus meinem Besitz -- dem Thema von "Astron Alpha"

Willkommen auf Astron Alpha – meiner Webseite für Science-Fiction-Besprechungen!

 

Astron Alpha bietet ausführliche, kriti­sche Rezensionen von Spielfilmen und von Büchern – Romane, Anthologien und Sachbücher – zur Science-Fiction. Anspruchsvolle Meisterwerke des Genres werden ebenso gewürdigt wie einfältige B-Movies oder Unterhaltungs­romane, und auch richtig schlechte Trashfilme oder schundige Heftromane werden nicht ausgeklammert. Ein gewis­ser Schwerpunkt liegt bei meinen Rezensionen auf älteren und entlege­neren Filmen und Büchern. Ich liebe Science-Fiction, aber nerdige Engstir­nig­keit liegt mir fern – für mich steht vor allem der sense of wonder und der Unterhaltungswert der Science-Fiction, weniger ihre „Wissen­schaftlich­keit“ im Vordergrund. Diese Webseite ist ein privates Hobby von mir, das keinerlei Erwerbsinteressen verfolgt. Sämtliche Artikel habe ich selbst ver­fasst. Mein Name ist Michael Haul, und wer mehr über mich wissen will, der klicke auf den Menü­punkt Thema oder auch hier.

 

Allgemein gilt: Meine Besprechungen enthalten in der Regel Spoiler – wer sie vermeiden will, sollte also die Bespre­chun­gen erst dann lesen, nachdem er die besprochenen Werke selbst ge­nos­sen hat. Die Begründung meiner Auffas­sung zum Spoilerproblem habe ich auf der Thema-Seite dargelegt.

 

Astron Alpha ist im Januar 2016 an den Start gegangen und wird fortwährend mit neuen Artikeln gefüllt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!


Neueste Artikel

Forrest J. Ackerman’s World of Science Fiction (1997)

 

Forrest J. Ackerman (1916–2008) war der wohl berühmteste Science-Fiction-Fan und -Sammler aller Zeiten und Länder, ein begeisterter Leser der frühen Science-Fiction-Pulps wie Amazing Stories oder Astounding und eine illustre Persönlichkeit, die seit den frühen Dreißigerjahren das damals entstehende organisierte Fandom entscheidend mitgeprägt hat. Es gibt kaum einen großen Namen in der Sci-Fi-Szene, den er nicht persönlich kannte. Sein reichhaltig bebilderter, prächtiger Band Forrest J. Ackerman’s World of Science Fiction ist mehr als nur ein Bilderbuch: Es bietet einen sehr unterhaltsamen, persönlichen Streifzug durch das Genre.


Von Kellar: Invasion aus dem Weltraum (1953)

 

In den Fünfzigerjahren wurde Science-Fiction in Deutschland bekanntlich vor allem in Groschenheften oder gebundenen Leihbüchern veröffentlicht. Dieser Roman war im März 1954 das erste Heft der Utopia Großband-Reihe, die es bis 1963 auf immer­hin 204 Ausgaben brachte. Meistenteils brachte die Reihe stark gekürzte und auch im Text oft großzügig geänderte Versionen amerikanischer Originalromane heraus. In­vasion aus dem Weltraum (das englische Original Tri-Planet erschien 1953 bei Curtis Warren, London) war allerdings kein guter Start – der Roman ist ein be­son­ders übles, militantes und schundiges Machwerk. Schade.


Alexei Tolstoi: Aëlita (1922/23)

 

Der russische Schriftsteller Alexei Tolstoi (1882–1945) ist vor allem für seine mär­chenhafte Pinocchio-Figur „Burattino“ und seine historischen Romane wie die un­vollendete Trilogie Peter der Erste (1929–1945) bekannt. Mit Aëlita hat Tolstoi je­doch auch einen Science-Fiction-Roman verfasst, den Jakow Protasanow (1881–1945) ein Jahr später als Vor­lage für einen Stummfilm verwendete, der heute als der erste Science-Fiction-Film der Sowjetunion gilt. Aëlita ist ein Staunen erwe­ckendes Marsabenteuer, aber auch eine Parabel auf die Oktoberrevolution, deren politische Haltung nach wie vor nicht leicht zu interpretieren ist.


Szenenfoto aus dem Film "Das grüne Blut der Dämonen" (Quatermass and the Pit, GB 1967) von Roy Ward Baker

Das grüne Blut der Dämonen (GB 1967)

 

Nachdem die Hammer Film Productions bereits die ersten beiden Quatermass-TV-Serien von Autor Nigel Kneale erfolgreich verfilmt hatten, drehten sie mit zehnjäh­riger Verspätung schließlich auch eine Adaption der dritten Quatermass-Serie – diesmal in Farbe. Die konfuse Story wartet mit nichts Geringerem als einer „ratio­nalen“ Erklärung für den Glauben an den Teufel, okkulte Phänomene und die Prä­senz des Bösen im Menschen auf: All dies sei vor Jahrmillionen mit Marsianern auf die Erde gelangt, die unseren Vorfahren diese Dinge erst eingeimpft hätten. Leider entwickelt der Film nicht die Kraft seiner beiden Vorgänger.


Fred Hoyle/Geoffrey Hoyle: Raketen auf Ursa Major (1969)

 

Der exzentrische und in der Fachwelt umstrittene englische Astronom, Mathemati­ker und Naturphilosoph Fred Hoyle (1915–2001) hat neben wissenschaftlichen Ar­beiten auch einige Science-Fiction-Romane geschrieben, zumeist in Co-Autoren­schaft mit seinem Sohn Geoffrey Hoyle (geb. 1941). In der Science-Fiction-Welt ha­ben diese Romane kaum einen Eindruck hinterlassen, wofür die Schnurre Raketen auf Ursa Major eine beredte Erklärung abliefert. Der Roman ist ein kurzweiliges, aber auch ausgesprochen belangloses Pulp-Abenteuer, das eher den Geist der Vierziger- denn der Sechzigerjahre atmet. 


Szenenfoto aus dem Film "Enemy Mine" (USA/D 1985) von Wolfgang Petersen; Louis Gossett Jr.

Enemy Mine – Geliebter Feind (USA/D 1985)

 

Exorbitante 25 Millionen Dollar ver­schlang Wolfgang Petersens opulenter Science-Fiction-Streifen, den er im Anschluss an seinen Erfolg Die unend­liche Geschichte (1984) für Hollywood in den Bavaria-Studios bei München und auf Lanzarote dreh­te. Die Schauwerte der riesigen Sets, der gelungenen Aus­stattung und der hervor­ragenden visuellen Effekte sprechen für sich. Inhaltlich ist der Film mehr als nur eine seelenlose Action-Space-Opera. Ein Mensch und ein Außerirdischer, verfein­dete Soldaten in einem interstellaren Krieg, bruchlanden auf einem unwirt­lichen Plane­ten und müssen dort gemeinsam miteinander auskommen. Sehenswert!


Szenenfoto aus dem Film "Lemmy Caution gegen Alpha 60" (Alphaville, Frankreich/Italien 1965) von Jean-Luc Godard; Eddie Constantine und Anna Karina

Lemmy Caution gegen Alpha 60 (Frankreich/Italien 1965)

 

Der französische Meisterregisseur Jean-Luc Godard (geb. 1930), Pionier der Nou­velle Vague und steter Vorkämpfer für ungewöhnliche, intellektuell anspre­chende, neue Ausdrucksformen des Kinos, drehte mit diesem Sci-Fi-Noir einen wundervoll sperrigen, ebenso poetischen wie an vielen Stellen auch sau­komischen Kunstfilm. Godard verzich­tet auf tricktechnische Spiele­reien und persifliert alle Klischees, die er aus den Detektiv- und Science-Fiction-Geschichten der Pulps und Comics hier versam­melt hat. Auch heute noch ist der Film eine teils irritierende, teils genüssli­che Erfah­rung, der allerdings etwas mehr inhaltliche Stringenz gut getan hätte.


Die Erfindung des Verderbens (CSSR 1958)

 

Mit diesem Film schuf der tschechische Trickfilmer Karel Zeman (1910–1989) ein wunder­volles Kleinod, das Zeichentrick­elemente und visuelle Effekte nahezu per­fekt mit Live-Action-Aufnahmen der Schauspieler vereinigt. Inhaltlich ist der Film eine Adaption des Romans Face Au Drapeau (1896) von Jules Verne (1828–1905). Um die magische Anmutung der klassischen Holzstiche einzufangen, mit denen Vernes Romane illustriert worden waren, kopierte Zeman den typischen Holzstich-Look durchgängig im gesamten Film. Das gelang ihm so außerordentlich gut, dass der Film bis heute zu den besten Jules-Verne-Verfilmungen überhaupt zählt.


Szenenfoto aus dem Film "Deluge" (USA 1933) von Felix E. Feist

Deluge (USA 1933)

 

King Kong und die weiße Frau war nicht die einzige Spezialeffekte-Extravaganz, die 1933 das amerikanische Kinopubli­kum zu sehen bekam. Mit Deluge prä­sen­tierte RKO Pictures einen Film, der in einer knapp sechs Minuten dauernden Sequenz die völlige Zerstörung New York Citys durch ein Erdbeben und eine gigantische Flut­welle zeigte. Dafür wur­de ein ausladendes Modell der Stadt spektakulär zum Ein­sturz gebracht – eine tricktechnische Meister­leistung! Deluge gilt, von älteren Bi­belepen abgesehen, als der erste disaster movie der Kinogeschichte und ist erst 2016 wieder mit seiner originalen Tonspur aus einem Filmarchiv aufgetaucht.


Szenenfoto aus dem Film "XX . . . Unbekannt" (X the Unknown, GB 1956) von Leslie Norman; William Lucas, Leo McKern und Dean Jagger

XX . . . Unbekannt (GB 1956)

 

Nach ihrem Kinohit Schock (1955) woll­ten die Produzenten der englischen Hammer Film Productions möglichst rasch einen entsprechenden Nachfolger nach gleichem Strickmuster. Dafür lie­fer­te Autor Jimmy Sangster (1927–2011) sein erstes von zahl­reichen Horror­film-Drehbüchern für Hammer ab. Da Nigel Kneale die Verwendung seiner Figur Bernard Quatermass aus Schock ver­sag­te, wurde der Wissenschaftler hier kur­zerhand in Dr. Adam Royston umge­tauft. Der Film hat seine spannenden und auch schauerlichen Momente, doch vom Monster gibt es nur wenig zu sehen, und die Regie von Leslie Norman reicht nicht an Val Guest heran.


Szenenfoto aus dem Film "Invasion" (The Invasion, USA 2007) von Oliver Hirschbiegel; Nicole Kidman

Invasion (USA 2007)

 

Das mindestens 65 Millionen Dollar teure jüngste Remake von Don Siegels Die Dä­monischen (1956) fiel bei den Kritikern mehrheitlich durch und erwies sich an den Kinokassen als schlimmer Flop. Für Regisseur Oliver Hirschbiegel (geb. 1957) geriet sein Hollywood-Debut zu einem Desaster; Teile seines Films ließ das Studio nach Fertigstellung von James McTeigue (geb. 1967) nachdrehen. Ich halte die Ver­risse gegen den Film insgesamt für zu harsch. Invasion ist ein durchaus effektiver Scho­cker, und Nicole Kidman und Daniel Craig gefallen in den Hauptrollen. Aller­dings bleibt der Film in seinen Aussagen vage, und sein Happy End ist unpassend.


Szenenfoto aus dem Film "Body Snatchers" (USA 1993) von Abel Ferrara; Gabrielle Anwar

Body Snatchers – Die Körperfresser (USA 1993)

 

Mit Body Snatchers drehte Regisseur Abel Ferrara (geb. 1951) nach Philip Kauf­mans Die Körperfresser kommen (1978) das zweite Remake von Don Siegels klassischem Paranoia-Thriller Die Dämo­nischen (1956). Statt zu einer Parabel auf die Entfrem­dung der Menschen im anonymen Großstadtleben machte er den Erzählstoff zu einem effektiven, gewitzten Teenie-Schocker. Hauptfigur ist die schlecht gelaunte Teenagerin Marti (Gabrielle Anwar), die mit ihrer Patchwork-Familie in einer Kaser­ne in den US-Südstaaten erkennen muss, dass die Soldaten sich nicht nur wegen des Militärdrills völlig gleichgeschaltet verhalten . . .


Szenenfoto aus dem Film "Die Körperfresser kommen" (Invasion of the Body Snatchers, USA 1978) von Philip Kaufman; Donald Sutherland

Die Körperfresser kommen (USA 1978)

 

Philip Kaufmans Remake von Don Sie­gels Paranoia-Klassiker Die Dämoni­schen (1956) ist eine packende Moder­ni­sierung des Erzählstoffs, die dank bizar­rer Bilder, einer superben Kamera­füh­rung, eines frenetischen Soundtracks und sehr guter Spezialeffekte eine be­klemmende Atmosphäre und ordentlich Horror entfaltet. Sporen aus dem Welt­all wachsen in San Francisco zu Pflan­zen­schoten heran, aus denen hinwie­de­rum seelenlose, äußerlich per­fek­te Ko­pien von Men­schen schlüp­fen – wäh­rend ihre „Originale“ zu Staub zerfallen. Donald Sutherland und Brooke Adams kämpfen verzweifelt gegen die Ent­menschlichung.


Feinde aus dem Nichts (GB 1957)

 

Nach dem Erfolg von Schock (1955), ihrem ersten Spielfilm mit dem Wissenschaftler Professor Bernard Quatermass als Hauptfigur, legten die legendären Hammer Film Productions zwei Jahre später dieses Sequel nach, das wie schon der erste Film auf einer TV-Serie von Nigel Kneale und Rudolph Cartier basierte. Feinde aus dem Nichts ist ein brillanter Paranoia-Thriller, in dem Quatermass nach und nach eine feindliche Alienunterwanderung aufdeckt, die bereits bis in die höchsten Kreise der Regierung und Staatsorgane fortgeschritten ist. Der Film ist vielleicht die beste Be­arbeitung des Body Snatcher-Themas aus den Fünfzigerjahren.


Schock (GB 1955)

 

Mit diesem Science-Fiction-Horrorklassiker stiegen die legendären Hammer Films in die Produktion zahlreicher Horrorfilme ein, von denen viele überaus erfolgreich und stilbildend wurden. Gedreht nach dem von Nigel Kneale (1922–2006) geschriebe­nen TV-Sechsteiler The Quatermass Experiment (1953), der damals in Großbritan­nien ein Straßenfeger gewesen war, erzählt der Film vom tragischen Schicksal ei­nes Astronauten, der im All von einer fremden Lebensform infiziert wurde und sich zurück auf der Erde langsam in ein Monster verwandelt. Ein straffer, erstklassiger Science-Fiction-Film mit großartig spielenden Hauptdarstellern.


Szenenfoto aus dem Film "Im Staub der Sterne" (DDR/Rumänien 1976) von Gottfried Kolditz; Ekkehard Schall

Im Staub der Sterne (DDR/Rumänien 1976)

 

Der mit Jana Brejchová, Alfred Struve und Ekkehard Schall (links) hervorragend be­setzte Science-Fiction-Streifen von Gottfried Kolditz (1922–1982) erzählt eine pla­kative Polit-Mär, in der die perfekte kommunistische Gesellschaft der fernen Zu­kunft auf einem fremden Planeten mit rückständigen kapitalistischen Sklavenhal­tern konfrontiert wird. Der Film punktet mit ausgesprochen schrillen Kostümen, bunten Bauten und tollen Schauplätzen, und auch die Story gibt auf den zweiten Blick mehr her als schlichte Propaganda. Leider krankt der „Barbarella-Film der DDR“ aber an seiner geradezu lähmenden, behäbigen Inszenierung.


Szenenfoto aus dem Film "Sie leben" (They Live, USA 1988) von John Carpenter; Roddy Piper

Sie leben (USA 1988)

 

John Carpenters hemdsärmelige Science-Fiction-Sozialsatire ist ein bissiger Kom­mentar auf die manipulative, kapitalistische Konsumgesellschaft des Westens und ein klares Statement für das Selbstbewusstsein der verarmten Arbeiterklasse, die im Raubtierkapitalismus der Reagan-Ära zunehmend unter die Räder geriet. Über­dies ist der Film eine originelle Variante des altehrwürdigen Themas der Alienunter­wanderung. Wrestlingstar Roddy “Rowdy” Piper (1954–2015) und Keith David (geb. 1956) geben zwei raubeinige Malocher, die dem System kräftig in die Eier treten, und B-Film-Star Meg Foster (geb. 1948) ist auch dabei. Ein launiger Streifen!


Ausschnitt aus dem Buchcover für den Roman "Paradox" von Phillip P. Peterson (Bastei Lübbe Verlag 2015)

Phillip P. Peterson: Paradox (2015)

 

Der preisgekrönte Hard-SF-Roman des deutschen Autors Phillip P. Peterson (geb. 1977) verbindet ein spannendes Raumfahrtabenteuer mit einer kühn ausgemalten Spekulation über das berühmte Fermi-Paradox, die Frage also, weshalb uns die Aliens nicht schon längst besucht haben, wenn es sie denn, wie uns die Evolutions­theorie nahelegt, in großer Anzahl im Universum gibt. Das im Hier und Jetzt an­gesiedelte Raumfahrtdrama ist erstklassig recherchiert und überaus glaubwürdig und spannend erzählt, während Petersons Lösung des Fermi-Paradox am Ende zwar nicht neu ist, aber doch einen frappierenden Effekt hat. Ein toller Roman!


Ausschnitt aus dem Buchcover für den Roman "Das Fiasko" von Stanislaw Lem (Verlag Volk und Welt 1986)

Stanisław Lem: Fiasko (1986)

 

In seinem letzten Science-Fiction-Roman, den der polnische Autor Stanisław Lem (1921–2006) veröffentlichte, bevor er sich ganz vom Genre abwandte und nur noch dem Verfassen von Essays und philosophischen Schriften widmete, wird von einer interstellaren Mission der Erde zu einem von einer intelligenten Spezies bewohn­ten Planeten erzählt. Die Menschen wollen mit unseren „Brüdern im All“ Kontakt aufnehmen – und müssen frustriert feststellen, dass sie keineswegs willkommen sind. Leider ist der Roman sehr stark vom Lem-typischen essayistischen Stil geprägt und eine reichlich zähe, behäbige Lektüre.


Szenenfoto aus dem Film "2001: Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick (2001: A Space Odyssey, GB/USA 1968); Konjunktion von Sonne, Erde und Mond

2001: Odyssee im Weltraum (GB/USA 1968)

 

Dieses Meisterwerk von Stanley Kubrick (1928–1999), das im vergangenen April das 50-jährige Jubiläum seiner Premiere feierte und zu diesem Anlass auch wie­der in mehreren Kinos aufgeführt wurde, ist zweifellos ein Meilenstein des Science-Fic­tion-Kinos. Viele halten das Epos sogar für den besten Science-Fiction-Film aller Zeiten. Seine beeindruckende tricktechnische Brillanz, seine akribisch realistische Darstellung künftiger Raumfahrt, seine spekulative Kühn­heit und vor allem seine überwältigende, opernhafte audiovisuelle Präsenz begeistern noch heute. Ein gi­gantischer Film.


Buchcover zu dem Roman "Der dunkle Wald" (The Dark Forrest, Heian Senlin, 2008) von Liu Cixin (Ausschnitt)

Liu Cixin: Der dunkle Wald (2008)

 

Die höchst unterhaltsame chinesische Saga von der drohenden Inva­sion der Erde durch eine hochentwickelte Spezies aus dem Alpha-Centauri-System geht weiter! Im zweiten Band der „Trisolaris-Trilogie“ tischt uns Liu Cixin (geb. 1963) erneut ab­gedrehte „wissenschaftliche“ Ideen und knorrige Figuren auf, denen lei­der allzu oft der moralische Kompass fehlt. Damit bleibt er der Linie des ersten Ban­des Die drei Sonnen (2006) treu. Allerdings schaltet Liu hier noch einmal die Gänge hoch und katapultiert den Leser glattweg in eine waschechte Space Opera, die über 200 Jah­re in der Zukunft spielt. Eine kurzweilige Fortsetzung!


Szenenfoto aus dem Film "Jurassic World: Das gefallene Königreich" (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018); Tyrannosaurus Rex

Jurassic World: Das gefallene Königreich (USA 2018)

 

Das vierte Sequel zu Steven Spielbergs klassischem Blockbuster Jurassic Park – der mittlere Teil einer geplanten Jurassic World-Trilogie – wurde wie alle seine Vorgän­ger ein gigantischer Kassenschlager (momentan kratzt er an der Eine-Milliarde-Dol­lar-Marke bei den weltweiten Einnahmen). Die Kritiken fielen jedoch gegenüber den Bewertungen des Vorgängerfilms Jurassic World (2015) deutlich nüchterner aus. Gewiss, mit der Logik und den Motivationen der Figuren nimmt es das Dreh­buch nicht so genau. Dafür lenkt es das Franchise hier allerdings in eine völlig neue Richtung. Und eine mitreißende Actionshow ist der Film allemal!


Szenenfoto aus dem Film "Jurassic World" (USA 2015); Mosasaurus

Jurassic World (USA 2015)

 

14 Jahre nach dem letzten Sequel von Steven Spielbergs spektakulärer Dinosaurier-show Jurassic Park (1993), die damals tricktechnische Maßstäbe setzte, kehrte das Franchise doch noch nach langen, fruchtlosen Planungen ins Kino zurück – und wurde mit 1,6 Milliarden Dollar weltweiter Einnahmen prompt ein Megahit (und nach Star Wars – Das Erwachen der Macht der zweiterfolgreichste Film des Jahres 2015). Wider Erwarten gelingt es dem Film, obwohl er im Kern das alte Schema ei­ner gefräßigen Dinosaurierhatz wiederholt, eine Menge neuer Ideen einzubringen – und richtig klasse zu unterhalten!


Szenenfoto aus dem Film "Der Blob" (The Blob, USA 1988) von Chuck Russell

Der Blob (USA 1988)

 

War der Originalfilm Blob – Schrecken ohne Namen (1958) von Irwin S. Yeaworth Jr. noch ein handzahmer, ja, geradezu artig-braver Gruselfilm, tischte Chuck Russell 30 Jahre später dem Teenager-Publikum ein deftiges Splatter- und Gore-Spektakel auf, das auch heute noch, weitere 30 Jahre später, erstaunlich viel Spaß macht und tricktechnisch noch immer überzeugt. Der Blob aus dem All hat sich hier zu einem höllisch schnellen, gestaltwandlerischen und gerissenen Monster gemausert, vor dem niemand im beschaulichen Städtchen Arbeville sicher ist. Ein launiger Horror­spaß, der seinerzeit unverständlicherweise floppte.


Szenenfoto aus dem Film "Sky Captain and the World of Tomorrow" (USA 2004) von Kerry Conran; Gwyneth Paltrow und Jude Law

Sky Captain and the World of Tomorrow (USA 2004)

 

Kerry Conrans rasantes Sci-Fi-Action-Abenteuer ist eine liebevolle Hommage an die Kinoserials, Comics und Pulpmagazine der Dreißiger- und Vierzi­gerjahre, ein Feuerwerk von Retro-Futurismus, Art déco und Filmzitaten. Damit ist der Film ein Fest für jeden Science-Fiction-Geek und -Nostalgiker. Außergewöhn­lich ist seine visuelle Ästhetik: Der Film gilt als der erste Spielfilm, der kom­plett vor Blue Screens mit einem „digitalen Backlot“ gedreht wurde. An die Comic-Optik, die in zuviel Weichzeichner getränkt ist, muss man sich zwar erst gewöhnen, aber sie bietet eine wirklich außergewöhnliche Welt, die absolut sehenswert ist.


Szenenfoto aus dem Serial "King of the Rocket Men" (USA 1949) von Fred C. Bannon

King of the Rocket Men (USA 1949)

 

Dieses muntere, zwölfteilige Kinoserial von Republic Pictures mit seinem “Rocket Man”, dem fliegenden Helden mit Raketenanzug und Eisenhelm, hatte Dave Ste­vens zu seiner Comicfigur Rocketeer inspiriert, die Joe Johnston 1991 in einem Live-Action-Kinofilm auf die große Leinwand brachte. Anno 1949 jedoch zischte noch der originale Rocket Man durch die amerikanischen Kinos und musste die üblichen Actionabenteuer gegen einen finsteren Superschurken und dessen Hand­langer be­stehen. Die Handlung ist konventionell und Tristram Coffin in der Rolle des Rocket Man gewöhnungsbedürftig, aber Spaß macht die Show dennoch!


Szenenfoto aus "Rocketeer" (1991) von Joe Johnston; Bruce Campbell

Rocketeer (USA 1991)

 

Das von Joe Johnston (geb. 1950) nach Vorlage des Graphic Novels von Dave Ste­vens (1955–2008) inszenierte Action-Abenteuer floppte seinerzeit an den Kinokas­sen, gilt inzwischen allerdings als „unterschätzt“.  Tatsächlich ist Rocketeer ein tol­ler, unterhaltsamer Sci-Fi-Streifen, der die turbulente Action und den leichtgewich­tigen Schwung der Kino-Serials der Dreißiger- und Vierzigerjahre in vollen Zügen auslebt und dabei auch nicht mit Humor spart. Der Pilot Cliff Secord wird 1938 un­verhofft zum „Rocketeer“ und muss seine süße Freundin Jane vor einem finsteren Nazispion retten . . .


Yipe! The Rocketeer von Dave Stevens

Dave Stevens: The Rocketeer (1982–1995)

 

Dieser Comic, der die Vorlage für Joe Johnstons Verfilmung Rocketeer (1991) liefer­te, ist ein wahres Juwel der grafischen Literatur. Der Zeichner und Autor Dave Ste­vens (1955–2008) war ein Meister seiner Zunft und besticht in seinen Werken mit außerordentlichem Detailreichtum und Sinn für korrekte Proportionen. Seine Co­mics und Illustrationen sind durchweg ein Genuss. Das gilt insbesondere für seinen Rocketeer, den er nach dem Vorbild schwungvoller alter Kinoserials wie King of the Rocket Men (1949) kreierte. Cross Cult legte 2010 eine prächtig ausgestattete, neu kolorierte, deutsche Gesamtausgabe als Hardcover vor.


Szenenfoto aus "Space Cop L.A. 1991" (Alien Nation, USA 1988) von Graham Baker; James Caan und Mandy Patinkin

Space Cop L.A. 1991 (USA 1988)

 

Das Genre des buddy cop-Films erlebte in den Achtzigerjahren einen Boom, in dem alle nur erdenklichen Paarungen ungleicher Polizisten durch­exer­ziert wurden. Wa­rum also nicht auch einmal einen Alien zum Partner machen? In Graham Bakers flottem Actionstreifen wurde diese Idee umgesetzt. Das Poten­zial des spezifischen Science-Fiction-Gehalts der Story wurde dabei allerdings völ­lig verschenkt, statt­dessen bewegt sich der Film ganz in den konventionellen Bah­nen des irdisch-pro­fanen Genres, von dem er eigentlich herrührt. Die Prämisse des Films wusste Neill Blomkamp in District 9 (2009) deutlich besser zu nutzen.


Kinoplakat für "Blob -- Schrecken ohne Namen" (The Blob, USA 1958) von Irvin S. Yeaworth Jr. (Ausschnitt)

Blob – Schrecken ohne Namen (USA 1958)

 

Der vom unabhängigen Produzenten Jack H. Harris (1918–2017) und dem Regisseur Irvin S. Yeaworth Jr. (1926–2004) mit nur 130.000 Dollar in Pennsylvania realisierte Monsterfilm hat nicht nur Steve McQueen in seiner ersten Hauptrolle zu bieten, sondern legt ein erstaunliches Maß an augenzwinkernder, ironischer Selbstreferen­tialität an den Tag – wodurch er sich schon bald nach seiner Veröffentlichung als typisches Beispiel für einen campy film ins kollektive Gedächtnis des Publikums eingrub. Vor allem aber hat er mit dem gallertartigen Blob aus dem All, der einen unendlichen Hunger auf Menschenfleisch hat, ein wirklich tolles Monster!


Cover des Romans "Die Wolken des Saturn" (The Clouds of Saturn, 1991) von Michael McCollum, im Heyne Verlag 1996 erschienen

Michael McCollum: Die Wolken des Saturn (1991)

 

Der amerikanische Luft- und Raumfahrtingenieur und nebenberuflicher Science-Fiction-Schriftsteller Michael McCollum (geb. 1946) hat mit diesem Roman ein actionorientiertes Abenteuer geschrieben, das recht kurzweilig und unterhaltsam ist, inzwischen allerdings auch etwas altbacken wirkt: Männer sind hier noch die stahlharten Helden, während die Frauen nur passiv danebenstehen und darauf warten, von ihren Helden gerettet zu werden. Der Schauplatz indes ist interessant: Im 22. Jahrhundert hat die Menschheit die unbewohnbare Erde verlassen und wohnt inzwischen in schwebenden Städten in den Wolken des Saturn.


Szenenfoto aus "Kronos" (USA 1957) von Kurt Neumann

Kronos (USA 1957)

 

Gigantisch große Monster und Dinosaurier, die unter ihren donnernden Füßen unsere Zivilisation zermalmen, feierten im Science-Fiction-Kino der Fünfzigerjahre seit der Wiederaufführung von King Kong (1933) und Ray Harryhausens Panik in New York (1953) fröhliche Umtriebe. In Kurt Neumanns munterem Effekte-Spekta­kel Kronos ist zum ersten Mal eine gesichtslose Maschine, ein gigantischer Roboter aus dem fernen Weltall, das Monster. Kronos ist darauf aus, der Erde sämtliche elektrische und atomare Energie abzusaugen. Der Film hat tolle Effekte und ver­sammelt eine Menge Science-Fiction-Themen – ein kurzweiliges Vergnügen!


Szenenfoto aus dem Film "Supergirl" (GB/USA 1984) von Jeannot Swarc; Helen Slater als Supergirl

Supergirl (GB/USA 1984)

 

Lange vor Wonder Woman (2017) oder Catwoman (2004) gab es Supergirl (1984) – den ersten Spielfilm mit einer Superheldin in der Hauptrolle. Von den Salkinds als Spin-Off der von ihnen produzierten Superman-Filme mit Christopher Reeve ange­schoben, brilliert Helen Slater ausgesprochen charmant in der Rolle der jugendli­chen Stählernen Maid. Die Tricktechnik, insbesondere in den Flugszenen, übertrifft sogar die Superman-Filme, und auch der Score von Jerry Goldsmith ist opulent. Doch ein überaus mieses Drehbuch, das grottige Overacting der anderen Darsteller und dumme Albernheiten verleiden einem leider massiv den Spaß an der Show.


Cover (Ausschnitt) der Anthologie "Noch Leben auf Ka III?" (1983) von Thomas Le Blanc (Hrsg.)

Thomas Le Blanc (Hrsg.): Noch Leben auf Ka III? (1983)

 

Diese hübsche, kleine Anthologie, gedacht für Kinder und Jugendliche, bietet zehn sehr kurz gehaltene Science-Fiction-Storys, die zum Teil von namhaften Heftro­romanautoren wie William Voltz, Rolf Serowy oder Falk-Ingo Klee, zum Teil von unbe­kannteren Newcomern verfasst wurden. Die Storys, zumeist nicht länger als zehn Seiten, sind schlicht und ihre Pointen bisweilen naiv und vorhersehbar. Aber sie machen auch heute noch Spaß – zu­mindest jemandem wie mir, der das Buch 1983 als Zwölfjähriger geschenkt bekam und daran nostalgische Erinnerungen knüpft . . .