Buck Rogers

Poster zum Kinoserial "Buck Rogers" (USA 1939)

Buck Rogers (USA 1939)

 

Kinoserial, 12 Episoden von ca. 20 Minu­ten, insgesamt ca. 237 Min., Schwarzweiß

Regie: Ford Beebe und Saul A. Goodkind

Drehbuch: Norman S. Hall, Ray Trampe, nach dem Comicstrip Buck Rogers (1929) von Philip Francis Nowlan und Dick Calkins

Darsteller: Larry „Buster“ Crabbe (Buck Rogers), Constance Moore (Wilma Deering), Jackie Moran (George “Buddy” Wade), Anthony Warde (Killer Kane), Henry Bran­don (Captain Laska), Philson Ahn (Prinz Tallen), Guy Usher (Aldar), C. Montague Shaw (Scientist General Professor Huer), William Gould (Air Marshal Kragg), Jack Mulhall (Captain Rankin) u. a.

Produzent: Barney A. Sarecky

Company: Universal Pictures

Premiere: 11. April 1939 (USA)

 

Lieutenant Buck Rogers und sein jugendlicher Freund George “Buddy” Wade unternehmen mit einem Luftschiff eine Expedition in arktische Gefilde, als sie in einen starken Schneesturm geraten. Das Luftschiff wird beschädigt und ver­liert an Höhe, und so erhalten Buck und Buddy vom wissenschaftlichen Leiter der Expedition per Funk den Befehl, das mitgeführte, neu entwickelte „Nirvano-Gas“ in ihrer Passagierkanzel ausströmen zu lassen, damit das Gas beide in Sta­sis versetzt. Buck handelt wie befohlen, und er und Buddy verlieren sofort das Bewusstsein. Das Luftschiff stürzt ab, wird jedoch von mächtigen Lawinen verschüttet, sodass keine Rettung der beiden Insassen mehr möglich ist . . .

 

500 Jahre später, im Jahre 2440, wird das inzwischen von den Eismassen zum Teil wieder freigegebene Luftschiff von der Besatzung eines Raketen-Fluggeräts entdeckt. Buck und Buddy werden aus dem noch immer gasgeschwängerten Cockpit des Luftschiffs geborgen und wachen wieder auf. Mit dem Raketenschiff werden sie in die “Hidden City” ge­bracht, einer High-Tech-Stadt, die im Inneren eines Berges hinter einem mächtigen, automatisch verschließbaren Fels­por­tal verborgen ist. Sie lernen den väterlichen “Scientist General” Professor Huer, “Air Marshal” Kragg und die attrak­tive Offizierin Lieutenant Wilma Deering kennen. Nachdem Buck und Buddy die Nachricht verdaut haben, dass sie sich im Jahre 2440 befinden, erklärt Professor Huer, dass die Hidden City das letzte Refugium der Freiheit ist: Der brutale Dik­tator Killer Kane, der in einer etwa 1000 Meilen entfernten Superstadt residiert, hat den Rest der Erde mit seiner Ar­mee von “Super-Racketeers” unterjocht. Jeden, der sich Killer Kane widersetzt, lässt er einen “amnesia helmet” aufset­zen, der im Gehirn jede Erinnerung und Initiative unterdrückt und den Träger zu einem willenlosen “robot” macht. In der Hidden City dagegen hat sich der Widerstand gegen Killer Kane zusammengetan. Die Widerständler sind zwar militärisch gut organisiert und mit mehreren fliegenden Raketenschiffen ausgestattet, aber gegen Killer Kanes Luft­streitkräfte heillos unterlegen.

 

Buck Rogers und Professor Huer tüfteln einen Plan aus, wie dieser Missstand zu beheben wäre: Es braucht Hilfe von außen, und zwar ein militärisches Bündnis mit dem Volk vom Saturn. Buck, Buddy und Wilma Deering brechen mit einem Raketenschiff auf. Es gelingt ihnen, Killer Kanes Luftblockade zu durchbrechen und ins All zu entwischen, aber als sie später den Saturn erreichen, stellen sie fest, dass ihnen zwei von Kanes Schiffen gefolgt sind. Ihr Raketenschiff wird beschossen und stürzt auf dem Saturn ab, doch vorher können Buck, Buddy und Wilma noch mit ihren “degravity belts” hinausspringen und sanft auf der felsigen Oberfläche landen.

 

Auch Kanes Schiffe landen, und es kommt zum Kampf zwischen Kanes Soldaten und Buck und seinen Gefährten. Schließlich werden jedoch alle von einem Trupp von Saturniern unter der Führung vom saturnischen Prinzen Tallen gefangengenommen. Tallen lässt die Erdlinge vor den hohen “Council of Wisdom” bringen. In dieser Situation gelingt es Captain Laska, dem Anführer von Kanes Soldaten, den Rat davon zu überzeugen, dass sein Herr Killer Kane ein rechtschaffener, weiser Herrscher und Buck Rogers und das Volk der Hidden City nur gesetzlose Rebellen sind. Aldar, der Vorsitzende des Rates, betont mit Abscheu, dass die Saturnier ein überaus friedliebendes Volk sind, und will Buck, Buddy und Wilma inhaftieren lassen. Buck und seinen Gefährten gelingt zwar die Flucht zurück zur Erde, doch gleich­zeitig beauftragt Aldar Prinz Tallen, mit Captain Laska zur Erde zu fliegen, um dort mit Killer Kane einen Bündnisvertrag zu schließen. Wird es Buck Rogers gelingen, diesen Vertrag rechtzeitig zu verhindern und Tallen davon zu überzeugen, dass Kane und nicht die Hidden City finstere Pläne verfolgt?

 

Der erste populäre Science-Fiction-Held in seinem eigenen Kinoserial

 

Buck Rogers ist ein schwungvolles und actionreiches Kinoserial, das auf der Erde, im All und auf dem Saturn spielt, jede Menge Science-Fiction-Gadgets auffährt und einen gewohnt großartigen Larry “Buster” Crabbe als Helden vorzu­weisen hat. Die hochdramatischen Cliffhanger ziehen wie immer, und das Serial ist sehr kurzweilig und macht unheim­lich viel Spaß. Als Nachfolger der überaus erfolgreichen Serials Flash Gordon (1936) und Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) wird Buck Rogers oft als eine Art Flash Gordon-Rip-Off angesehen, das zudem simpler gestrickt ist und nicht die Qualität des Vorbilds erreicht. Doch das ist bestenfalls nur eine halbe Wahrheit. Denn Buck Rogers war bereits eine Ikone, als Flash Gordon noch gar nicht existierte.

Szenenfoto aus dem Kinoserial "Buck Rogers" (USA 1939); C. Montague Shaw, Philson Ahn, Larry Buster Crabbe und Constance Moore
Prof. Huer, Prinz Tallen, ein Assistent, Buck Rogers und Wilma Deering in Huers Laboratorium vor der Unsichtbarkeits-Strahlenwaffe

Mit Buck Rogers fing alles an. Buck Rogers war der erste Science-Fiction-Held, der es in den USA zu enormer lan­desweiter Bekanntheit brachte, über alle Bevölkerungs­schichten hinweg, und der damit der futuristischen Space Opera zu einer Popularität verhalf, die sie bis dahin nicht annähernd gekannt hatte. Seinen allerersten Auftritt hatte die Figur, damals noch unter dem Namen „Anthony Ro­gers“, in der Erzählung Armaggeddon A.D. 2440 von Philip Francis Nowlan (1888–1940), die in Hugo Gernsbacks Pulp-Magazin Amazing Stories in der Ausgabe vom August 1928 erschien. Ein Sequel veröffentlichte Nowlan in der Ausgabe vom März 1929 unter dem Titel The Airlords of Han. Beide Erzählungen wurden 1962 zu einem Roman vereint und erschienen seither als Taschenbuch.

 

Pulp-Magazine waren zwar bei Science-Fiction-Fans po­pulär, erreichten über diesen Kreis hinaus jedoch nur geringe Beachtung. John F. Dille, der Präsident des National Newspaper Service Syndicate, las allerdings Nowlans Story und sah in ihr das Potenzial für einen täglichen Comicstrip, den seine Firma landesweit in verschiedenen Tageszeitungen unterbringen konnte. Er heuerte Philip Nowlan für das Verfassen der Story an, während der bereits unter Vertrag stehende Illustrator und Cartoon-Zeichner Dick Calkins (1894–1962) für die Zeichnungen verpflichtet wurde. Die Hauptfigur erhielt anstelle von „Anthony“ den griffigeren Vor­namen „Buck“, und am 7. Januar 1929 erschien die erste Folge des Comicstrips in den amerikanischen Tageszeitungen. Der erste waschechte Science-Fiction-Comic in der Geschichte der grafischen Literatur war geboren.

 

Der Comicstrip wurde ein durchschlagender Erfolg. Zum ersten Mal wurde ein breites Massenpublikum mit futuristi­schen Szenerien und Gadgets, der ganzen bunten und staunenerweckenden Vielfalt der Space Opera vertraut ge­macht. Ab November 1932 wurde die Story des Comicstrips auch für den Sender CBS als ein tägliches, 15-minütiges Radio-Hörspiel unter dem Titel The World in 2432 adaptiert, das vom Werbeträger Kellog’s gesponsert wurde. Auch die Radioshow, die bis Mai 1936 lief, wurde ein großer Erfolg und zog einen der ersten Merchandising-Hypes in der Geschichte der amerikanischen Konsumgesellschaft nach sich. Es gab Buck-Rogers-Spielzeuge aller Art zu kaufen: Strahlenwaffen, Blechraketen, Roboter, Actionfiguren, Bücher, Puzzles, Brett- und Kartenspiele oder auch Armband­uhren und sogar komplette Kostüme. Der Weltraumheld Buck Rogers gewann in den USA einen Bekanntheitsgrad wie Micky Maus und Donald Duck und wurde in der breiten Masse mit dem Science-Fiction-Genre häufig sogar gleichge­setzt. Der Erfolg des Comicstrips Buck Rogers veranlasste derweil andere Verlagssyndikate, ihrerseits Science-Fiction-Comicstrips aus der Taufe zu heben. Die berühmteste und erfolgreichste Nachahmung von Buck Rogers war der Comicstrip Flash Gordon (1934) von Alex Raymond (1909–1956), der sich allerdings inhaltlich auch stark unterschied und vor allem wesentlich besser gezeichnet war.

Szenenfoto aus dem Kurzfilm "Buck Rogers in the 25th Century" (USA 1934) mit John Dille Jr. als Buck Rogers
John Dille Jr. und seine Freundin als Buck Rogers und Wilma Deering im 1934 gedrehten, erbärmlich stümperhaften Buck-Rogers-Werbefilm

Im Jahre 1934 wurde Buck Rogers zum ersten Mal – und damit noch vor Flash Gordon – verfilmt. Der nur knapp acht Minuten kurze Streifen mit dem Titel Buck Rogers in the 25th Century: An Interplanetary Battle with the Tiger Men of Mars war praktisch ohne Budget von der John F. Dille Corporation produziert worden und entstand ur­sprünglich für die „Buck Rogers Show“ auf der Chicagoer Weltausstellung 1933/34. Das Filmchen ist erbärmlich amateurhaft gemacht und wirkt daher heute wie eine frappierende, brüllend komische Kuriosität. John Dille Jr., der Sohn von Syndikatspräsident John F. Dille (!), spielt in dem Film die Rolle des Buck Rogers, während seine da­malige Freundin (deren Name nicht überliefert ist) als Wilma Deering auftritt. Dr. Huer wurde von Harlan Tar­bell gemimt, einem Bühnenzauberer, der danach auch nie wieder in einem Film auftrat. Der Film war vor allem als Merchandising-Instrument gedacht: Die Spielzeugwaffen und -Raumschiffe, die in ihm zu sehen sind, konnten die Ausstellungsbesucher direkt vor Ort für ihre Kinder kaufen. Ein Jahr später wurde der Film auch in Warenhäusern ein­gesetzt, um dort mit ihm Buck-Rogers-Spielzeuge zu verkaufen. Im Kino war der Film hingegen nie gezeigt worden. Wer sich heute dieses seltsame Filmdokument ansieht, wird unweigerlich schmunzeln oder sich vor Fassungslosigkeit vor den Kopf schlagen (meine Lieblingszeile daraus lautet übrigens: “Ahhh, there goes Buck – good luck, Buck!”). Aber nichtsdestotrotz ist dies der allererste, wenn auch unbeholfene Versuch der Filmgeschichte, Gefechte mit Strahlen­kanonen zwischen mehreren Raumschiffen im All zu inszenieren, von denen einige auch explodieren. Freilich dürfte dieser Versuch für die wenig später produzierten ersten Space-Opera-Serials kein direktes Vorbild gewesen sein.

 

Von den Space-Opera-Serials waren die Universal-Produktionen Flash Gordon (1936) und Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) bekanntlich die ersten gewesen. Im Kino hatte Flash Gordon seinem Vorbild und Konkurrenten damit den Rang abgelaufen und rasch eine ebenbürtige Popularität erreicht. Doch Universal war nicht blind für den gleichzeitigen Buck-Rogers-Hype und entschloss sich, nun auch ein Buck-Rogers-Serial zu produzieren. Regie führte Ford Beebe (1888–1978), der bereits Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) inszeniert hatte und ein Jahr später auch das Serial Flash Gordon Conquers the Universe (1940) drehen sollte. Der zweite Regisseur Saul A. Goodkind (1896–1962) war von Haus aus eigentlich Filmcutter; Buck Rogers war Goodkinds Einstand im Regiestuhl. In demselben Jahr drehte Goodkind ge­meinsam mit Ford Beebe noch zwei weitere Serials (The Oregon Trail und The Phantom Creeps), danach jedoch kehrte er in seine alte Profession zurück. Das Drehbuch für Buck Rogers besorgten Norman S. Hall und Ray Trampe, die zuvor auch das Drehbuch für Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) geschrieben hatten. Auch sonst wurde das altbewährte film­technische Personal für Serials bei Universal eingesetzt: Die Kamera führte wie schon in den Flash-Gordon-Serials Je­rome Ash (1892–1953) und die Spezialeffekte, die angesichts des geringen Budgets durchaus respektabel ausgefallen sind, besorgte wie gewohnt Ed Keyes (1902–1992).

Szenenfoto aus dem Kinoserial "Buck Rogers" (USA 1939); Philson Ahn, Larry Buster Crabbe und Jackie Moran auf dem Saturn
Prinz Tallen, Buck Rogers und Buddy auf dem Saturn

Die Besetzung in Buck Rogers ist ein erfreulich profes­sionelles und angenehm auftretendes Team, das mit Schwung bei der Sache ist. Die Hauptrolle des Buck Ro­gers wird gespielt von Larry “Buster” Crabbe (1908–1983), der zuvor schon die Rolle des Flash Gordon bekleidet hatte. Crabbe war für beide Rollen eine erstklassige Wahl, verkörperte er doch den sympathischen, energie­geladenen und tatkräftigen Helden amerikanischer Prä­gung wie kein Zweiter. Der athletische und blendend aussehende Schauspieler hatte vor seiner Karriere in Hollywood als Schwimmsportler mehrere internationale Rekorde aufstellt und 1932 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles eine Goldmedaille im 400-Meter-Freistil­schwimmen geholt. In Buck Rogers spielt er seine Rolle zwar keinen Deut anders, als er zuvor Flash Gordon ge­spielt hatte. Doch beide Comicstrip-Figuren waren in ihrer Charakteristik einander ohnehin sehr ähnlich.

 

Constance Moore (1920–2005) verkörperte Wilma Deering, Buck Rogers’ heldenhafte Begleiterin, und wenn sie auch nicht sehr viele Szenen hat, so spielte sie sie doch lebendig und mit starkem Selbstbewusstsein. In den Vierzigerjahren sollte Moore noch in meheren Musicalfilmen als Schauspielerin und Sängerin brillieren. Auch Jackie Moran (1923–1990) als Buck Rogers’ junger Freund “Buddy” ist eine erfreuliche Überraschung. Er war in den Dreißiger- und Vierzigerjahren ein vielgefragter Kinder- und Teenager-Darsteller. In Buck Rogers spielt er einen erstaunlich aktiven, sicheren und überaus heldenhaften Buddy, der oft auch aus selbstbewusster Eigeninitiative handelt. Szenen, in denen er gönnerhaft wie ein unmündiges Kind behandelt wird, gibt es kaum, was das junge Publikum damals sicherlich geschätzt hat. C. Montague Shaw, der in Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) den König der Lehmmenschen gespielt hatte, strahlt hier in Buck Rogers als Professor Huer väterliche Ruhe und Weisheit aus.

 

Anthony Warde (1908–1975), ein Schauspieler, der zumeist für Gangster- und Mafia-Nebenrollen eingesetzt wurde, darf hier erstmals selbst den Anführer der Schurken spielen. Seine Figur Killer Kane ist eine kuriose Mischung aus Ma­fiaboss, Napoleon und Stalin. Wenn Warde am Konferenztisch seine Minister polternd für ihr Versagen zusammen­staucht und auch mal einen von ihnen ergreifen lässt, um ihn unter einen amnesia helmet stecken zu lassen, wirkt er am ehesten wie eine völlig unberechenbare Diktatorengestalt. Warde spielt seinen Part gut, allerdings gewinnt er nicht dieselbe Strahlkraft, wie Charles Middleton sie in Flash Gordon in seiner Rolle als “Ming the Merciless” erreichte. Besondere Erwähnung verdient noch Philson Ahn (1912–2001) in der Rolle des saturnischen Prinzen Tallen. Philson war der jüngere Bruder des damals bekannteren Philip Ahn (1905–1978), ebenfalls Schauspieler, der im Laufe seiner Karriere Hunderte von japanischen und chinesischen Rollen spielte. Beide Brüder waren in den USA geboren; ihre Eltern waren 1902 aus Korea in die USA eingewandert.

 

In Philip Nowlans ursprünglichen zwei Erzählungen in Amazing Stories und auch im täglichen Comicstrip erwachte Buck Rogers nach 500 Jahren in einer Welt, die von der „Gelben Gefahr“, einer mongolischen Despotie, unterjocht worden war. Buck, Wilma und die übrigen Widerständler kämpften zunächst gegen die mongolischen „Hunnen“, spä­ter auch gegen Gegner vom Mars oder von anderen Welten. Das Kinoserial hingegen ist stärker am Comicstrip ange­lehnt, der parallel zu den dailies in den Sonntagsbeilagen der Zeitungen erschien. Dieser erzählte relativ unabhängig vom täglichen Strip und führte auch neue Figuren ein, die in den dailies nicht auftraten. So sind Professor Huer und Killer Kane dem Sonntagsstrip entnommen, und die Figur von Buddy ist eine lockere Adaption des im Sonntagsstrip erscheinenden, heldenhaften Buddy Deering, dem jüngeren Bruder von Wilma Deering, der dort nicht nur Bucks Side­kick, sondern anfangs sogar die Hauptfigur des Strips war. Die „Gelbe Gefahr“ spielte im Sonntagsstrip keine Rolle. Angesichts der brandaktuellen diktatorischen Bedrohungen in Europa war sie ohnehin nur noch ein abgelebter Spuk, sodass eine Schurkengestalt wie Killer Kane wahrscheinlich auch moderner erschien.

 

Buck Rogers ist genauso rasant und actionreich inszeniert wie die Flash-Gordon-Serials und teilt mit ihnen auch einen sehr ähnlichen Look. Für die Raumschiffe wurden zwar neue Modelle verwendet, aber sie sind mit denselben funken­sprühenden Effekten ausgestattet und mit denselben summenden, brummenden und puffenden Sounds unterlegt worden wie die Raumschiffe in den Flash-Gordon-Serials. Selbst große Teile der Musikuntermalung wurde aus den Flash-Gordon-Serials ausgeborgt. Andererseits gibt es aber auch signifikante Unterschiede. So ist Buck Rogers um Eini­ges futuristischer als Flash Gordon: Es fehlen die mythischen und sagenhaften Bezüge, die Flash Gordon so originell machten, dafür hat Buck Rogers einen gesteigerten technischen und militärischen Anstrich – auch wenn die Zukunft hier nach wie vor aus blitzezuckender Elektrotechnik und genietetem Stahlbau alter Schule besteht. Es gibt jede Men­ge interessanter Gadgets zu bewundern: Strahlenwaffen, deren schillernde Strahlen weitaus cooler getrickst sind als in Flash Gordon, eine gläserne Kabinenbahn (die freilich bereits ein Jahr zuvor in Flash Gordon’s Trip to Mars eingesetzt worden war), Desintegrationswaffen, die berühmten degravity belts, die amnesia helmets und, nicht zu vergessen, die futuristische Superstadt von Killer Kane. Deren opulentes, unverkennbar von Fritz Langs Metropolis (1927) inspiriertes Modellbau-Panorama stammt aus dem Science-Fiction-Musicalfilm Just Imagine (1930), wo es noch das New York des Jahres 1980 dargestellt hatte. Ein Leckerbissen sind die Teleportationskabinen in der Hidden City, zwischen denen sich die Menschen hin- und herbeamen und die damit die Teleportationen in Die Fliege (1958) und Star Trek (1966–69) vor­wegnehmen. Eine Randnotiz wert ist schließlich das “Foreword” am Beginn jeder Episode, ein Text mit der Zusammen­fassung der bisherigen Geschichte, der vom unteren Bildrand her in perspektivischer Verkürzung in das Bild hinein­läuft. Genauso wurden ein Jahr später auch die “Forewords” in Flash Gordon’s Trip to Mars gestaltet, und genauso hat George Lucas das mit den Prologen seiner Star Wars-„Episoden“ wiederholt.

Szenenfoto aus dem Kinoserial "Buck Rogers" (USA 1939); eine Teleportationskabine
Eine Teleportationskabine in der Hidden City

Wie bei Kinoserials üblich, war das Budget extrem be­grenzt – Buck Rogers musste mit etwa 160.000 Dollar auskommen. Es wurde auf alles zurückgegriffen, was der Kostüm- und Ausstattungsfundus des Studios hergab, und es wurde so oft es ging in alten Kulissen voriger Produktionen gedreht. So verwundert es beispielsweise nicht, dass Killer Kane einen königlichen Hermelin und Prinz Tallen und die saturnischen Soldaten mittelalterli­che Helme und Kettenhemden, kombiniert mit langen Umhängen, tragen. Die Außenaufnahmen in der felsigen Wüste von Saturn wurden im Red Rock Canyon State Park gedreht, ein oft auch für Western genutztes Ter­rain. Trotz der begrenzten Mittel wurde das Möglichste versucht, dem Serial einen exotischen Anstrich zu ge­ben. So wurden überraschenderweise einige Szenen, die die Saturnoberfläche mit gelandeten Raumschiffen zeigen, mit matte paintings von einem Sternenhimmel mit mehre­ren Monden kombiniert.

 

Die Story von Buck Rogers ist erwartungsgemäß sehr simpel gestrickt. Der Kampf zwischen der Hidden City und Killer Kanes Truppen dreht sich in einem ständigen Hin und Her darum, wem es gelingt, die militäri­sche Unterstützung der Saturnier für sich zu gewinnen. Wie in Serials üblich gibt es Versteckspiele, Finten, Faustkäm­pfe, Strahlenwaffenge­fechte, Gefangennahmen, Befreiungsaktionen und Intrigen getarnter Spione. Als Buck Rogers und die Hidden City sich in der letzten Episode gemeinsam mit den Saturniern in die entscheidende Luftschlacht gegen Killer Kane stürzen, ist enttäuschenderweise von den saturnischen Schiffen, die die ganze Zeit so umkämpft gewesen waren, gar nichts zu sehen. Allerdings hat die Handlung ständig ein hohes Tempo und nimmt immer wieder überraschende Wendungen, sodass die Neugier auf das weitere Geschehen stets hellwach bleibt, und alles in allem ist das Serial überaus kurzwei­lig und eine runde, gelungene Sache. Buck Rogers ist leichtfüßige, anspruchslose, spacige, wundervoll naive Unterhal­tung, die Flash Gordon in kaum etwas nachsteht und die jeder Science-Fiction-Fan, der Interesse für die Kino-Historie des Genres hat, genießen wird.

 

Im Schatten des durchschlagenden Erfolges der Flash-Gordon-Serials begann Buck Rogers’ Popularität zu verblassen. Während es immer wieder Produktionen gegeben hat, mit denen Flash Gordon in der einen oder anderen Form ins Kino oder ins Fernsehen zurückkehrte, blieben entsprechende Versuche mit Buck Rogers rar. Die ABC ließ von April 1950 bis Januar 1951 eine TV-Serie Buck Rogers von insgesamt 36 Episoden produzieren, die damals noch live im Studio gespielt wurde – von ihr sind keinerlei Mitschnitte überliefert. Zwischen 1979 und 1981 produzierte Glen A. Larson (Kampfstern Galactica) die spektakuläre TV-Serie Buck Rogers in the 25th Century mit Gil Gerard und Erin Gray in den Hauptrollen. Der spätere Pilotfilm der Serie kam in einer etwas anderen Schnittfassung im März 1979 in den USA und im Juli 1979 in Europa in die Kinos und lief dort sehr erfolgreich. Nach Larsons TV-Serie war es allerdings wieder still um Buck Rogers geworden. Seit über zehn Jahren gibt es zwar immer wieder Gerüchte, dass ein neuer, großer Buck-Ro­gers-Kinofilm geplant sei, doch ist aus alledem noch nichts Konkretes geworden. Potenzial hätte der Stoff, genau wie Flash Gordon, allemal.

 

 

 

© Michael Haul; veröffentlicht auf Astron Alpha am 31. März 2017

Szenenfotos © Universal Pictures