Ältere Teasertexte

Auf dieser Seite habe ich alle älteren Teasertexte, die ursprünglich auf der Startseite unter dem Stichwort „Neueste Artikel“ gepostet worden waren, in der Reihenfolge ihres Erscheinens abgelegt. Die jüngsten Einträge stehen dabei ganz oben, die ältesten ganz am Ende der Liste. Auf diese Weise ergibt sich praktisch eine Art Archiv, das die Chrono­logie der Veröffentlichung aller Artikel auf Astron Alpha abbildet. Zur Zeit sind auf Astron Alpha insgesamt 158 Artikel online.

Szenenfoto aus "Gefahr aus dem Weltall" (It Came from Outer Space, USA 1953); Russell Johnson

(101)   Gefahr aus dem Weltall (USA 1953)

 

Jack Arnolds erster Science-Fiction-Film für Universal-International, in 3-D gedreht, war auf Anhieb ein Volltreffer: Arnold setzte den Plot nach einer Grundidee von Produzent William Alland und einem klugen Drehbuch von Science-Fiction-Autor Ray Bradbury in einer eleganten, stimmungsvollen Inszenierung um, in der lange offen bleibt, ob die Außerirdischen, die mit ihrem Raumschiff in der Wüste Arizonas abgestürzt sind, eine Bedrohung darstellen oder friedfertig sind. Der Film bietet eine originelle Reflexion über Xenophobie. Da stört es kaum, dass die wahre Ge­stalt der Außerirdischen recht lächerlich geraten ist.    (15. März 2017)


Szenenfoto aus "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (The Day the Earth Stood Still, USA 1951); der Roboter Gort

(100)   Der Tag, an dem die Erde stillstand (USA 1951)

 

Robert Wise (1914–2005) inszenierte mit diesem Film einen großartigen Science-Fiction-Klassiker. Der Außerirdische Klaatu (Michael Rennie) und sein Roboter Gort kommen in einer fliegenden Untertasse auf die Erde, um die Menschheit zu mah­nen, das Universum nicht mit ins All getragenen Atomwaffen und Kriegen zu be­dro­hen; wenn die Menschheit die Warnung nicht beherzigt, droht ihr die Auslö­schung. Spannend und elegant mit Mitteln des Film-Noir inszeniert, voller allegori­scher Bezüge auf die Heilsgestalt Jesus Christus und Anklänge an den Kalten Krieg, ist der Film ein intelligentes Stück Science-Fiction-Kino.    (14. März 2017)


Szenenfoto aus "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (The Day the Earth Stood Still, USA 2008) von Scott Derrickson; der Roboter Gort

(99)   Der Tag, an dem die Erde stillstand (USA 2008)

 

Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951) von Robert Wise gilt zu Recht als einer der ganz großen Science-Fiction-Klassiker. Der Film war damals eine Mahnung in­mitten des Kalten Krieges, in Zukunft von Kriegen abzusehen. Scott Derricksons Re­make von 2008 versuchte sich an einer Modernisierung des Stoffs: In seinem Film kommt der Außerirdische Klaatu mit dem Auftrag auf die Erde, die Ökologie unse­res blauen Planeten vor uns Menschen zu beschützen. Leider ist der Film unerträg­lich prätentiös und Keanu Reeves Klaatu ein unsympathischer Massen­mörder an der Menschheit. Eine schlimme Verballhornung des Originals.    (14. März 2017)


Ausschnitt des Covermotivs des Romans "Der Orchideenkäfig" von Herbert W. Franke, in zweiter Auflage (1982) im Wilhelm Goldmann Verlag

(98)   Herbert W. Franke: Der Orchideenkäfig (1961)

 

Mit seinem zweiten Roman Der Orchideenkäfig bewies Herbert W. Franke ein wei­teres Mal, weshalb er zu den meist geschätzten Science-Fiction-Autoren deutscher Zunge zählt. Der höchst originelle Roman, der in fernster Zukunft spielt, beschäftigt sich mit der Frage, wie das Leben einer von allen Pflichten entbundenen, hochtech­nisierten Zivilisation, ob menschlich oder außerirdisch, aussehen könnte. Seine Antwort ist eine erschütternde Horrorvision, die immer noch hochaktuell scheint, da sie, nahezu prophetisch, bereits die schädlichen Folgen virtueller Online-Welten und die Grundidee der Matrix-Filme vorweg nimmt.    (13. März 2017)


Szenenbild aus dem Film "Europa Report" (USA 2013) von Sebastián Cordero

(97)   Europa Report (USA 2013)

 

Dieser von Sebastián Cordero mit einem winzigen Budget in Brooklyn (New York) gedrehte Independent-Film ist eine wahre Hard-SF-Perle: Hervorragende CGI, die den Film deutlich teurer aussehen lässt, als er war, sowie sehr gute Schauspieler, allen voran Sharlto Copley (District 9, Elysium), erwecken eine Story zum Leben, in der die wissenschaftliche Erforschung des eisigen Jupitermondes Europa und eben nicht der Hollywood-übliche Action-Krawall im Zentrum steht. Auch wenn Cordero zum Ende hin dann doch zu dick aufgetragene dramatische Kniffe bemüht, ist dieser Film ein großartiges Science-Fiction-Erlebnis.    (12. März 2017)


Ausschnitt des Covermotivs des Romans "Die Glasfalle" von Herbert W. Franke, in zweiter Auflage (1981) im Wilhelm Goldmann Verlag

(96)   Herbert W. Franke: Die Glasfalle (1962)

 

Mit seinem dritten Roman Die Glasfalle setzte Herbert W. Franke (geb. 1927), einer der renommiertesten Autoren intelligenter Science-Fiction, ein weiteres gehobe­nes Glanzlicht des Genres. Nachdem die Erde in einem Atomkrieg völlig vernichtet wurde, hat ein mit einem Raumschiff geflohener kläglicher Rest der Menschheit einen unwirtlichen, ebenfalls radioaktiven Planeten besiedelt – und dort eine streng militärisch organisierte, faschistische Gesellschaft geschaffen, aus der kaum ein Ausbrechen möglich ist. Ein extrem düsteres, klaustrophobisches Szenario, das packend und stilistisch geschliffen geschrieben ist.    (11. März 2017)


Ausschnitt aus dem Covermotiv des Buchs "Der Science Fiction Film" (1983) von Christian Hellmann

(95)   Christian Hellmann: Der Science Fiction Film (1983)

 

Der ehrwürdige Wilhelm-Heyne-Verlag hat in seiner noch ehrwürdigeren Reihe Heyne Filmbibliothek dieses Buch über den Science-Fiction-Film veröffentlicht. Ein Glanzlicht der Science-Fiction-Filmkritik ist dem Autor Christian Hellmann aller­dings nicht gelungen, im Gegenteil: Das Buch wirkt im Großen und Ganzen von Georg Seeßlens hervorragendem Buch Kino des Utopischen (1980) abgeleitet, zum Teil fast abgeschrieben, wobei es die tiefenpsychologischen und politischen Aus­deutungen oft stark verkürzt und simplifiziert. Zudem sind die movie stills im Buch von erbärmlicher Qualität.    (10. März 2017)


Ausschnitt aus dem Buchcover von Jürgen Menningen, "Filmbuch Science Fiction" (Köln 1975)

(94)   Jürgen Menningen: Filmbuch Science Fiction (1975)

 

Dieses Buch ist eines der ersten über Science-Fiction-Filme, das überhaupt in deut­scher Sprache erschienen ist. In erster Linie ist es ein üppig illustrierter Bildband mit zahlreichen movie stills in Schwarzweiß und erstklassiger Bildqualität. Es enthält aber auch ein vierseitiges Essay über die Natur des Science-Fiction-Kinos und einen durchgängigen, erläuternden Text, der locker thematisch gegliedert ist, auch wenn es keine Kapitelüberschriften gibt. Leider geriert sich Menningens Text reichlich hochgestochen: Er heischt intellektuellen Anspruch, liegt in seiner Kennzeichnung des Genres aber allzu oft daneben.    (10. März 2017)


Szenenfoto aus dem Film "District 9" (Südafrika/Neuseeland 2009); ein Prawn

(93)   District 9 (Südafrika/Neuseeland 2009)

 

Der aus Südafrika stammende, seit Längerem in Kanada lebende Regisseur Neill Blomkamp (geb. 1973) hat in seiner Kindheit noch die letzten Züge der Apartheid in Süd­afrika miterlebt. Sein Spielfilmdebut District 9 ist eine mitreißende, brutale und schonungslose Abrechnung mit dem Rassismus, der einst in seinem Heimatland regierte und aber auch heute noch weltweit traurige Triumphe feiert. Auf der Erde gestrandete Aliens werden vor den Toren Johannesburgs in einem unwürdigen Ghetto interniert und sollen nun zwangsumgesiedelt werden. Der Film ist einer der besten Science-Fiction-Streifen der letzten zehn Jahre.    (8. März 2017)


Robby der Roboter aus dem Film "Alarm im Weltall" (Forbidden Planet, USA 1956)

(92)   Alarm im Weltall (USA 1956)

 

Dieser Film ist die mit Abstand prächtigste, aufwendigste und teuerste Space Ope-ra der Fünfzigerjahre gewesen und gilt heute völlig zu Recht als ein Meilenstein des Science-Fiction-Kinos. Die Metro-Goldwyn-Mayer-Studios, stolz auf ihren Ruf als das glamouröseste und hochwertigste Studio Hollywoods, wollten sich nicht lumpen lassen und schufen einen Film, der optisch alle Wünsche der Fans erfüllt, bis hin zu einem coolen Roboter. Vor allem aber hat der Film eine ungewöhnlich intelligente Story, die die Tiefen der menschlichen Psyche auslotet, und ist zumin­dest hierin auch heute noch modern. Ein wunderbarer Film.    (15. Februar 2017)


Ausschnitt aus dem Buchcover von Dennis Feltham Jones, "Colossus" (1966) vom Goldmann Verlag

(91)   Dennis Feltham Jones: Colossus (1966)

 

Der Roman aus der Feder des britischen Science-Fiction-Autors D. F. Jones (1917–1981), mit Colossus (1970) von Joseph Sargent ziemlich getreu verfilmt, ist in seinem Stil vielleicht ein wenig spröde und kühl, besticht jedoch als lupenreine, intelligen­te Hard-SF. Der geniale Informatiker Dr. Forbin hat in naher Zukunft für die US-Regierung einen Supercomputer konstruiert, dem fatalerweise die Kontrolle über die Atomwaffen anvertraut wird. Es bleibt unklar, wie der Computer plötzlich ein Bewusstsein entwickeln konnte, doch ansonsten ist der Roman ein spannendes Gedankenexperiment.    (4. Februar 2017)


Eric Braeden in einer Szene aus dem Film "Colossus -- The Forbin Project" (USA 1970)

(90)   Colossus (USA 1970)

 

Der smarte Science-Fiction-Thriller von Joseph Sargent ist einer der ersten Filme, der die damals aufkommende Computertechnik in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Ein kolossaler Supercomputer, dem unvorsichtigerweise die Kontrolle aller Atomwaffen der USA übergeben wurde, strebt nach der Weltherrschaft – und es gibt keinen Ausschalter! Der elegant inszenierte Film schwelgt in elektronischer Technik, die damals Up-to-date war, und Informatiker wie Dr. Forbin (Eric Braeden) sind hier noch keine verpeilten Nerds, sondern angesehene Wissenschaftler in Anzügen – und obendrein selbstbewusste Womanizer.    (3. Februar 2017)


Das Monster aus dem Film "It! The Terror from Beyond Space" (USA 1958)

(89)   It! The Terror from Beyond Space (USA 1958)

 

Dieser billig produzierte Monsterschocker von Edward L. Cahn (1899–1963) ist in vielerlei Hinsicht ein interessanter Eintrag ins Creature-Feature-Genre. So ist der Exploitationstreifen effektvoll inszeniert und bietet ein ziemlich spektakuläres Monster auf. Das Drehbuch schrieb kein Geringerer als Jerome Bixby (1923–1998), der später die Drehbücher zu Die phantastische Reise (1966) und einigen Star Trek-Folgen verfassen sollte. Vor allem aber gilt It! als der Film, bei dem Drehbuchautor Dan O’Bannon für Ridley Scotts Alien (1979) geklaut haben soll. Indes: Alien und seinen Opa im Geiste trennen cineastisch dann doch Welten.    (28. Januar 2017)


Ausschnitt aus dem Buchcover von Rolf Giesen, "Sagenhafte Welten" (1990)

(88)   Rolf Giesen: Sagenhafte Welten (1990)

 

Der renommierte Filmjournalist und Autor Rolf Giesen hat 1990 mit seinem Buch Sagenhafte Welten einen unterhaltsamen Schmöker über das Science-Fiction-, Horror- und Fantasykino vorgelegt, der auch heute noch lesenswert ist. Giesen un­ternimmt einen lockeren Streifzug durch das fantastische Kino und hat dabei eine ganze Menge interessanter Anekdoten und Hintergrundinfos zu den Produktions­geschichten der Filme im Koffer. Er spart allerdings auch nicht mit Polemik, insbe­sondere gegen die damals gerade aufkommende CGI und die Brutalisierung des Horrorkinos, die rückblickend etwas rührend Naives an sich hat.    (25. Januar 2017)


Patricia Laffan in einem Szenenfoto aus dem Film "Devil Girl from Mars" (UK 1954)

(87)   Devil Girl from Mars (GB 1954)

 

Dieser in den Shepperton Studios in Surrey entstandene Science-Fiction-cheapie, eine britische Imitation ähnlicher Filme aus den USA, gilt im Fandom seit Langem als „Kultfilm“, um diesen vielgenutzten Begriff ein weiteres Mal zu bemühen. Es ist unschwer zu sehen, wie der Film diesen Status erlangen konnte: Patricia Laffan bril-liert hier als in Lack und Leder gekleidete, überaus herrisch auftretende Marsiane-rin, die gekommen ist, um irdische Männer als Deckhengste für die heimischen Frauen zu entführen – eine Domina aus dem All! Der Film macht Spaß und ist hand­werklich überraschend sorgfältig gemacht.    (19. Januar 2017)


Szenenfoto aus dem Film "Naufrágos -- Gestrandet" (Spanien 2001)

(86)   Náufragos – Gestrandet (Spanien 2001)

 

Spanien hat sich im Genrekino in erster Linie mit Horrorfilmen wie [Rec] (2007) her-vorgetan. Die valencianische Schauspielerin María Lidón ging einen anderen Weg und versuchte sich in ihrem Regiedebut an einem Science-Fiction-Drama auf dem Mars. Die Low-Budget-Produktion, deren Marsaufnahmen in der felsigen Vulkan-landschaft auf Lanzarote entstanden, hat eine spannende Grundidee, einen ent-schiedenen Indie-Anstrich und akzeptable Spezialeffekte. Ein bemerkenswerter, irgendwie fesselnder Film – und das, obwohl er auch recht behäbig ist und sein dramatisches Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.    (7. Januar 2017)


Paul Mantee in einem Szenenfoto aus dem Film "Robinson Crusoe auf dem Mars" (Robinson Crusoe On Mars, USA 1964)

(85)   Robinson Crusoe auf dem Mars (USA 1964)

 

Ridley Scotts Film Der Marsianer (2015) ist in gewisser Hin­sicht ein Remake dieses farbenprächtigen, seinerzeit im Kino floppenden Mars­abenteuers von Byron Haskin (1899–1984). Der Astronaut Chris Draper stürzt mit seiner Lande­kapsel auf dem roten Planeten ab und muss nun einen Weg finden, sein Überleben zu bewerkstelli­gen. Das Drehbuch greift ihm dabei mit günstig eingerichteten, wis­senschaftlich unhaltbaren Umständen gehörig unter die Arme. Nichtsdestotrotz hätte die Robin­sonade auf dem Mars ein spannendes Drama werden können. Statt­dessen ist der Film leider sehr behäbig und steif geraten.    (4. Januar 2017)


Ausschnitt vom Buchcover von Glenn Erickson, "Sci-Fi Savant" (2011)

(84)   Glenn Erickson: Sci-Fi Savant (2011)

 

Der in Los Angeles lebende Filmcutter Glenn Erickson kennt als Insider das Filmge­schäft aus dem Effeff und zählt seit fast 20 Jahren zu den profiliertesten Filmkriti­kern im Internet. Seine Web-Kolumne DVD Savant ist längst zur klassischen Refe­renz profunder Filmkritiken geworden, und das nicht allein für Science-Fiction-Filme. In seinem Buch Sci-Fi Savant hat der Autor 116 Kritiken von Science-Fiction-Filmen von Metropolis (1927) bis Avatar (2009) versammelt, die zuvor in seiner Web-Kolumne erschienen sind. Dass er die Texte allesamt leicht überarbeitete, war allerdings nicht unbedingt eine glückliche Entscheidung.    (31. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Planet der Stürme" (Planeta Bur, UdSSR 1962)

(83)   Planet der Stürme (UdSSR 1962)

 

Dieses Raumfahrtabenteuer von Pawel Kluschanzew (1910–1999) gilt gemeinhin als die beste aller Space Operas, die in den Filmstudios der Sowjetunion entstanden sind. In der Tat präsentiert der Film, der von der ersten bemannten Expedition zur Venus erzählt, eine Fülle üppiger visueller Einfälle: schicke Raumschiffmodelle, aus­gefeilte Raumanzüge, von bizarren Pflanzen bewachsene venusische Steinwüsten, ein überaus vielseitiger Roboter und ein Unterwasserreich à la Jules Verne. Mit alledem unterhält der Film recht gut; zudem ist er vergleichsweise schwungvoll inszeniert. Nostalgiker werden es lieben!    (30. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Panik in New York" (The Beast from 20.000 Fathoms, USA 1953); der Rhedosaurus

(82)   Panik in New York (USA 1953)

 

Mit dem ersten Kinofilm, bei dem er die Stop-Motion-Animation vollständig selbst plante und ausführte, schuf die Tricklegende Ray Harryhausen (1920–2013) nicht nur den ersten Giant-Monster-On-The-Loose-Streifen der Fünfzigerjahre, der eine ganze Reihe ähnlicher Monsterfilme nach sich zog, sondern auch einen der spekta­kulärsten und großartigsten Dinosaurierfilme überhaupt. Sein mit mattes und Rück­projektionen operierendes „Dynamation“-Verfahren verschmolz die Animation na­hezu perfekt mit den realen Aufnahmen, und die Grazie und die natürlichen Bewe­gungen seines Rhedosaurus begeistern noch heute.    (27. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Santa Claus Conquers the Martians" (USA 1964)

(81)   Santa Claus Conquers the Martians (USA 1964)

 

Als bizarr-abseitiger Spaß in der Vorweihnachtszeit kann dieser furchtbar schlecht gemachte, beinahe grenzdebile Weihnachtsfilm durchaus auch heute noch amü­sieren – zugegebenermaßen in engen Grenzen. Traditionell gilt der Film, in dem der Weihnachtsmann von Außerirdischen zum Mars ent­führt wird, um dort die marsia­nischen Kinder glücklich zu machen, als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Allerdings wird dabei oft vergessen, dass Santa Claus ein Kinderfilm ist, der sich keinen Augenblick ernst nimmt. Und er ist einer der seltenen Fälle, in denen das Thema Weihnachten mit Sci-Fi-Motiven verquickt worden ist.    (19. Dezember 2016)


Szenenbild aus dem Film "The Monster that Challenged the World" (USA 1957)

(80)   Alarm für Sperrzone 7 (USA 1957)

 

Dieser schicke Fünfzigerjahre-Monsterstreifen, besser bekannt unter seinem Origi­naltitel The Monster that Challenged the World, fuhr zur schaurigen Unterhaltung des Autokino-Publikums eine radioaktive, prähistorische Riesenmolluske auf, die im kalifornischen Saltonsee arglosen jungen Badenden alle Flüssigkeit aus dem Leib saugt. Bemerkenswert gut getrickst, mit einem überdurchschnittlich guten Dreh­buch und soliden Schauspielern, überzeugt der Film als ein properer Genrebeitrag, der beinahe an die Qualität der Genrefilme von Jack Arnold heranreicht – die er unverkennbar zu kopieren versucht.    (11. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Lifeforce -- Die tödliche Bedrohung" (UK 1985)

(79)   Lifeforce – Die tödliche Bedrohung (GB 1985)

 

Ein wüster Genremix aus Science-Fiction, Zombiefilm, Vampirfilm und Okkultismus, heillos unlogisch verrührt, voller Schockmomente und als Sahnehäubchen die voy­euristische Lust an der splitternackt durch den Film schreitenden, wunderschönen Hauptdarstellerin Mathilda May – das ist Tobe Hoopers Lifeforce – Die tödliche Bedrohung. Man mag den Film aggressiv auf Effekte kalkuliert nennen, und es ist klar, dass damals die naserümpfende, versnobte Science-Fiction-Kritik kein gutes Haar an dem Film ließ. Für viele ist der Film heute jedoch „Kult“, wie man so zu sagen pflegt. Auf jeden Fall macht er einen Heidenspaß.    (9. Dezember 2016)


Coverbild des Buchs von Larry Niven, "Brennans Legende" (1973) in der Bastei-Lübbe-Ausgabe von 1999

(78)   Larry Niven: Brennans Legende (1973)

 

Im „Ringwelt-Universum“ von Larry Niven (geb. 1938) zählen die sogenannten Pak-Protektoren zu den interessantesten Spezies, und das nicht nur, weil sie in Nivens fabulierter Welt vor 2,5 Millionen Jahren die Vorfahren der Menschheit auf der Erde angesiedelt und später die berühmte Ringwelt gebaut haben. In diesem Roman er­fährt man mehr über die Hintergründe und die Herkunft der Pak-Protektoren, so­dass er für jeden Fan des Ringwelt-Universums eine willkommene Lektüre darstellt. Ansonsten leidet der Roman leider unter denselben Schwächen wie Die Welt der Ptavv (1966): Er ist viel zu hektisch und dürr erzählt.    (2. Dezember 2016)


Covermotiv vom Buch von Larry Niven, "Die Welt der Ptavv" (1966) in der Ausgabe von Bastei-Lübbe aus dem Jahr 2000

(77)   Larry Niven: Die Welt der Ptavv (1966)

 

Der Debutroman von Larry Niven (geb. 1938), dem Altmeister gediegener Space Operas, ist ein reichlich pulpig anmutendes Weltraumabenteuer: rasant erzählt, mit einer Vielzahl von Wendungen und Schauplätzen und einem Plot, der sich über Milliar­den von Jahren und die halbe Galaxis erstreckt. Vieles wirkt hier maßlos übertrie­ben, insbesondere die schier grenzenlosen telepathischen Fähigkeiten der sogenann­ten Thrint, einer uralten, machtversessenen Rasse, die einst das Leben auf der Erde ausgesät hat. Leider wird das Geschehen schmucklos und viel zu knapp erzählt, was leider zulasten des Unterhaltungswertes geht.    (1. Dezember 2016)


Szenenfoto mit der marsianischen Intelligenz aus dem Film "Invasion vom Mars" (Invaders from Mars, USA 1986) von Tobe Hooper

(76)   Invasion vom Mars (USA 1986)

 

Nach dem wüsten Science-Fiction-Schocker Lifeforce (1985) drehte Tobe Hooper für Cannon Pictures überraschenderweise ein Remake des Science-Fiction-Klassi­kers Invasion vom Mars (1953) von William Cameron Menzies. Viele Kritiker hielten ein Remake von ausgerechnet diesem Film für überflüssig und nicht zeitgemäß. Auf Kinder wirkte der Film trotzdem ähnlich beängstigend wie schon das Original drei Jahrzehnte zuvor. Nüchtern betrachtet wiederholt der Film allerdings leider die logischen Schwächen des Vorgängers, den er extensiv zitiert. Das grob­schlächtige Schauspiel tut ein Übriges, sodass der Film insgesamt enttäuscht.    (23. Nov. 2016)


Luce Potter in einem Szenenfoto aus dem Film "Invasion vom Mars" (Invaders from Mars, USA 1953)

(75)   Invasion vom Mars (USA 1953)

 

Dieser surreale, albtraumhaft konstruierte kleine Schocker von William Cameron Menzies (1896–1957), einem der größten Produktionsdesigner Hollywoods, lehrte Anfang der Fünfzigerjahre Scharen von Kindern im Kino das Fürchten – unter ande­rem Steven Spielberg. Der Film zählt längst zu den großen Klassikern des Science-Fiction-Kinos. Seine Infantilität ist dabei kein Manko, sondern Prinzip: Der Film erzählt die Geschichte konsequent aus der Perspektive und dem Erleben seines kindlichen Hauptdarstellers, dessen Fantasie von der red scare der Erwachsenen, von Comics und von Pulps bevölkert ist.    (30. Oktober 2016)


Covermotiv vom Buch von Larry Niven, "Die Flotte der Puppenspieler" (Fleet of Worlds, 2007) in der Ausgabe von Bastei-Lübbe von 2008

(74)   Larry Niven/Edward M. Lerner: Die Flotte der Puppenspieler (2007)

 

Für seine jüngeren Romane, die im „Ringwelt-Universum“ oder auch dem soge­nannten „Known Space“ angesiedelt sind, hat der kalifornische Autor Larry Niven (geb. 1938) sich Schützenhilfe von Edward M. Lerner (geb. 1949) geholt. Bei der Lektüre, die in ihrem Stil deutlich ruhiger und abgeklärter ausfällt als bei Nivens älteren Ringwelt-Romanen, beschleicht einen das Gefühl, dass Lerner hier vermut­lich die Hauptarbeit geleistet hat. Das tut dem Vergnügen jedoch keinen Abbruch: Die Flotte der Puppenspieler ist ein überzeugendes Weltraumabenteuer, das end­lich mehr Licht in die Zivilisation der Puppenspieler bringt.    (29. Oktober 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Der schweigende Stern" (DDR/Polen 1960) von Kurt Maetzig mit dem Roboter Omega

(73)   Der schweigende Stern (DDR/Polen 1960)

 

Kurt Maetzigs in den DEFA-Studios in Babelsberg gedrehtes Raumfahrtabenteuer nach einem Roman von Stanisław Lem ist ein schick anzuschauendes Stück Hard-Science-Fiction-Kino. Tricktechnisch ganz auf der Höhe der Zeit, im Design vielfach höchst einfallsreich und visuell opulent, geriet der Film dramaturgisch leider auch überaus steif. Zudem wird es dem Zuschauer auch nicht leicht gemacht, der kon-fusen Handlung logisch zu folgen. Dennoch brilliert Der schweigende Stern noch heute als einer der ambitioniertesten fantastischen Filme, die je im Deutschland der Nachkriegszeit entstanden sind.    (21. Oktober 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Eden" (1959) von Stanislaw Lem, in der Ausgabe vom Wiener Verlag (Himberge bei Wien)

(72)   Stanisław Lem: Eden (1959)

 

In Lems drittem Science-Fiction-Roman verabschiedet sich der polnische Autor vom sozrealistischen Kitsch der beiden Vorgänger und dämpft auch die klassische Raumfahrtromantik der Fünfzigerjahre. Stattdessen bemüht er sich in nüchterner Sprache darum, im Rahmen des Genres zu einer ernsthaften und wohldurchdach­ten Speku­lation zu gelangen: Ist es dem Menschen überhaupt möglich, eine außer­irdische, völlig fremdartige Zivilisation zu verstehen? Der Ansatz ist gut, nur schei­tert das Buch literarisch leider kläglich: Der Lesefluss ist zäh, und an­schau­lich wird hier trotz vieler wortreicher Schilderungen kaum etwas.    (6. Oktober 2016)


Motiv vom Kinoplakat von "Krieg der Welten" (USA 2005) von Steven Spielberg

(71)   Krieg der Welten (USA 2005)

 

Steven Spielbergs Neuverfilmung des Science-Fiction-Klassikers von 1953, basie­rend auf H. G. Wells’ Roman von 1897, ist mehr als nur ein auf Tom Cruise zuge­schnittenes Starvehikel. Trotz einer ganzen Reihe von logischen Schwächen und unglaubwürdigen Erzählelementen begeistert der Film als packender, markerschüt­ternder Horrortrip allererster Güte. Hier wird unerbittlich ausgemalt, was der Über­fall technologisch überlegener Aliens auf die Erde bedeuten würde: Die totale Nie­derlage wäre unausweichlich. Wells’ Bazillen sind da nicht mehr als ein nicht ernst zu nehmender deus ex machina, der das Happy End ermöglicht.    (30. Sept. 2016)


Ann Robinson in einem Szenenfoto von "Kampf der Welten" (The War of the Worlds, USA 1953) von Byron Haskin und George Pal

(70)   Kampf der Welten (USA 1953)

 

Trotz gelegentlichem Interesse an dem Stoff hatte es über 50 Jahre gedauert, bis H. G. Wells’ klassischer Roman Krieg der Welten (1897) zum ersten Mal verfilmt wurde. Produzent George Pal aktualisierte die Geschichte, indem er sie ins zeitgenössische Kalifornien verlegte und auf die schwelenden Ängste des Atomzeitalters bezog. Es entstand ein prächtiges, vor Spezialeffekten nur so strotzendes Actionfeuerwerk. Kampf der Welten ist nicht nur der Urknall aller Alien-Invasionsfilme, sondern auch aller extravaganten, effektebetonten Science-Fiction-Blockbuster. Zweifellos einer der wichtigsten Meilensteine des Science-Fiction-Kinos.    (27. September 2016)


Eine Illustration von Henrique Alvim Corrêa (1876–1910) von 1903 zum Roman "The War of the Worlds" (1897) von H. G. Wells

(69)   H. G. Wells: Krieg der Welten (1897)

 

Vielleicht der berühmteste Roman der Science-Fiction-Literatur überhaupt, ist Krieg der Welten von Herbert George Wells (1866–1946) zugleich die Mutter aller Alien-Invasionsgeschichten. Hier werden die außerirdischen Besucher zum aller­ersten Mal als erbarmungslose Eroberer dargestellt, die sengend und mordend über die Menschheit herfallen. Der Roman ist eine brillante Parabel auf den Hoch­mut der imperialistischen Großmächte des fin de siècle. Darüber hinaus wirkt er aber auch noch immer sehr frisch und modern und ist ein überaus spannendes Lesevergnügen.    (24. September 2016)


Die Vernichtung der Erde in einem Szenenfoto aus dem Film "Der jüngste Tag" (When Worls Collide, USA 1951) von Rudolph Maté und George Pal

(68)   Der jüngste Tag (USA 1951)

 

In diesem naiven Weltuntergangsepos von George Pal (19081980) wird es ernst: Es ist der erste Spielfilm, in dem die Erde in eine fremde, herannahende Sonne stürzt und somit nicht nur beinahe, sondern tatsächlich ausgelöscht wird. Trotz dieser be-merkenswert düsteren Prämisse ist der Film die vielleicht optimistischste Welt-untergangserzählung aller Zeiten: Einer Handvoll Menschen gelingt es, rechtzeitig ein Raketenschiff zu bauen und sich damit auf den paradiesischen Begleitplaneten der fremden Sonne zu retten. Eine altbackene, aber sehr gut ge­machte Science-Fiction-Version der biblischen Arche-Noah-Geschichte.    (18. September 2016)


Die Rakete Luna auf dem Mond in dem Film "Endstation Mond" (Destination Moon, USA 1950) von Irving Pichel und George Pal

(67)   Endstation Mond (USA 1950)

 

Dieser Raumfahrtfilm gilt als der Urvater des modernen Science-Fiction-Kinos, das sich deutlich von den schwarzweißen mad scientist-Streifen der Vierzigerjahre ab­hob und entschlossen in den Weltraum ausgriff. Zugleich markiert er den Einstand des berühmten Science-Fiction-Filmproduzenten George Pal (1908–1980), dem „George Lucas der Fünfzigerjahre“, in der Produktion von Live-Action-Filmen. Der Film ist dramaturgisch überaus dröge, doch bietet er exzellente Spezial­effekte, die noch heute begeistern können, und nimmt es mit der technischen Glaubwürdigkeit ernst wie kein zweiter Science-Fiction-Film jener Dekade.    (10. September 2016)


Der Kosmokrator in dem Film "Der schweigende Stern" (DDR/Polen 1960) von Erwin Maetzig

(66)   Stanisław Lem: Die Astronauten (1951)

 

Stanisław Lems Debutroman, der später als literarische Vorlage für Kurt Maetzigs Science-Fiction-Film Der schweigende Stern (DDR/Polen 1960) diente, erzählt ein dramatisches Raumfahrtabenteuer auf der Venus, auf der sich eine hochstehen­de Zivilisation in einem totalen Atomkrieg selbst ausgelöscht hat. Der Roman ist rettungslos naiv und gehaltlich ganz auf den Sozialistischen Realismus einge­schworen, der eine leuchtende, konfliktfreie kommunistische Zu­kunft erwartet. Nichtsdestotrotz ist das Buch spannend und unterhaltsam.    (31. August 2016)


Der Roboter Sonny in dem Film "I, Robot" (USA 2004) von Alex Proyas

(65)   I, Robot (USA 2004)

 

Will Smith (geb. 1968) hat eine Menge sehr erfolgreicher Science-Fiction-Filme gedreht – von denen die meisten leider auch sehr albern und flach daherka­men. Ganz frei von diesen Schwächen ist auch I, Robot nicht, und überdies nervt das aufdringliche Product-Placement, doch alles in allem ist der Film überdurch­schnitt­lich intelligentes Science-Fiction-Kino. Der als Konsumprodukt konzipierte Roboter Sonny wird von seinem Roboterentwickler mit Künstlichem Bewusstsein geboos­tet – und durchleidet prompt eine Identitätskrise. Die Frage, was das Be­wusstsein wirklich ausmacht, ist nach wie vor überaus spannend.     (27. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover vom Roman "Solaris" (1961) von Stanislaw Lem in der Ausgabe vom Kaiser Verlag Klagenfurt 1981

(64)   Stanisław Lem: Solaris (1961)

 

In den Siebzigerjahren wurde Stanisław Lem wie kein Zweiter als der langersehnte Erlöser der Science-Fiction-Literatur gefeiert, der sich anschickte, dem Genre end­lich zu intellektueller Seriosität zu verhelfen. Damit war Lem zweifellos erfolgreich, wie Solaris, sein mit Abstand berühmtestes Werk, beweist. Der Roman ist eine ge­schickt erzählte Meditation über die anthropologischen Grenzen der menschlichen Erkenntnis  gerade auch über das eigene Ich oder einen geliebten Mitmenschen. Scharfsinnig, doch nicht frei von Unschärfen, geschliffen formuliert, doch oft nur andeutend: Solaris bietet eine Fülle von vergnüglichem Denkfutter.    (24. Aug. 2016)


Ausschnitt vom Buchcover vom Roman "Projekt: Morgenröte" (The Sands of Mars, 1951) von Arthur C. Clarke, in der Ausgabe vom Goldmann Verlag 1983

(63)   Arthur C. Clarke: Projekt: Morgenröte (1951)

 

In seinem dritten Roman, den Arthur C. Clarke (1917–2008) in seiner langen Karriere veröffentlichte, schildert der englische, technikorientierte SF-Romancier alter Schule eine optimistische Vision von der künftigen Marskolonisation. Dabei hat er freilich die Dinge gehörig vereinfacht, indem er seinem Mars ein überaus mildes Klima, eine viel dichtere Atmosphäre und sogar eine bescheidene Biosphäre mit putzigen, känguruhartigen Marstieren spendierte. All das widersprach schon 1951 dem Stand der Forschung. Dem Unterhaltungswert des nostalgischen, etwas biederen Marsabenteuer tut das allerdings keinen Abbruch.    (23. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Gast im Weltraum" (1955) in der Ausgabe vom Verlag Volk und Welt 1956

(62)   Stanisław Lem: Gast im Weltraum (1955)

 

In diesem frühen Roman des gefeierten polnischen Stars der Science-Fiction-Lite­ratur, der im 32. Jahrhundert angesiedelt ist, wird der erste interstellare Flug der Menschheit zum Alpha-Centauri-Doppelsternsystem erzählt. Der Ich-Erzähler an Bord des Riesenschiffs Gea unterhält sich sehr viel über wissenschaftliche und phi­losophische Themen – oder sinniert über seine Vergangenheit. Das Buch, das mit Ikarie XB 1 (CSSR 1963) auch verfilmt wurde, ist stark vom sozialistischen Realismus der Stalin-Ära geprägt und geriet stellenweise ziemlich schwülstig. Aber es bietet auch ein zauberhaftes Weltraumabenteuer mit viel Patina.    (20. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von John Scalzi, "The Rough Guide to Sci-Fi Movies" (2005)

(61)   John Scalzi: The Rough Guide to Sci-Fi Movies (2005)

 

John Scalzi (geb. 1969) kann unterhaltsame, spannende Space Operas schreiben – seine Krieg der Klone-Trilogie wusste zu gefallen. Im selben Jahr, als er sei­nen Durchbruch zum Bestsellerautor erlebte, versuchte sich Scalzi an einer Einführung in das Science-Fiction-Kino. Mehr als dafür Video­nächte zu bestreiten und an­schließend unreflektierte Urteile über die Filme hinzu­rotzen, die kaum über “cool” oder “boring” hinausgehen, kam dabei leider nicht heraus. Keine Einführung, nur die persönliche Favoritenliste eines Autors, der Star Wars für den großartigsten Film aller Zeiten hält. Ein ziemlich überflüssiges Buch. Leider.    (6. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von "Fritz Langs Metropolis" (München 2010) von der Deutschen Kinemathek (Hrsg.)

(60)   Deutsche Kinemathek (Hrsg.): Fritz Langs Metropolis (2010)

 

Dieses prachtvolle Filmbuch erschien anlässlich der jüngsten, fast vollständigen Wiederherstellung der legendären, ungekürzten Premierenfassung von Metropolis, die nur von Januar bis Mai 1927 in Berlin und danach nie wieder zu sehen gewesen war. Das Buch erörtert die Filmrestauration, die ein 2008 in Buenos Aires neu ent­deck­tes Filmnegativ ermöglicht hat, vor allem aber ist es prall gefüllt mit vielen zeitgenössischen Fotos von den aufwendigen Dreharbeiten zu Metropolis. Für je­den Liebhaber von Langs Filmklassiker ist der Band ein Hochgenuss.    (4. Aug. 2016)


Szenenfoto mit Atompilz aus dem Film "Planet des Grauens" (World Without End, USA 1956) von Edward Bernds

(59)   Planet des Grauens (USA 1956)

 

Eine Mission zum Mars gerät in eine Art „Raumzeit-Sturm“, wird in die ferne Zu­kunft ge­schleudert und kehrt auf eine Erde zurück, die Jahrhunderte zuvor von einem Atomkrieg verwüstet worden ist. Wie in H. G. WellsZeitmaschine (1895) hat sich die Menschheit in Morlocks und Eloi aufgespalten, nur dass sie hier nicht so heißen und ihre unter- und oberirdischen Wohnorte miteinander vertauscht haben. Für einen Low-Budget-Streifen der Fünfzigerjahre macht der Film optisch eine außer­ordentlich gute Figur und ist sehr kurzweilig – auch wenn er zynisch die Aus­rot­tung Eingeborener zum Zwecke der Landnahme rechtfertigt.    (1. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "The Alien" (1951) von Raymond F. Jones

(58)   Raymond F. Jones: The Alien (1951)

 

Ein knalliges, actionreiches und sehr pulpiges Weltraumabenteuer serviert Ray­mond F. Jones (1915–1994) in diesem Roman – und das macht höllisch Spaß! Welt­raum­archäo­logen entdecken im Asteroidengürtel Artefakte einer vor Jahrtausen­den un­terge­gangenen Zivilisation – und einen schwarzen, kristallartigen, riesigen Behäl­ter, in dem das Protoplasma eines Aliens aufbewahrt ist. Nach langen Diskus­sionen entschließt man sich, den Alien wiederzuerwecken. Doch das erweist sich als gewaltiger Feh­ler, der die ganze Menschheit bedroht . . .    (30. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Amalthea" (Seveneves, 2015) von Neal Stephenson

(57)   Neal Stephenson: Amalthea (2015)

 

In diesem über tausend Seiten langen Epos malt der amerikanische Autor Neal Ste­phenson (geb. 1959) ein kühnes Zukunftsbild der Menschheit aus. Der Mond zer­bricht, und seine Trümmer regnen auf die Erde nieder und vernichten alles Leben. In großer Eile schafft die Menschheit eine Handvoll Menschen auf Raum­schiffe in den Erdorbit, damit der Homo Sapiens dort eine Überlebenschance er­hält. Der Ro­man ist mit großer technologischer Detailversessenheit geschriebene, nerdige Hard-SF. Grandios, aber auch von irritierender technokratischer Kälte.    (16. Juli 2016)


Szenenfoto (schreiender Astronaut) aus dem Film "Endstation Mars" (Mission Mars, USA 1968) von Nicholas Webster

(56)   Endstation Mars (USA 1968)

 

Auf dem Mars lauerten in amerikanischen B-Movies seit jeher grausige Gefahren für die Astronauten. In diesem recht launigen cheapie von Nicholas Webster (1912– 2006), der vier Jahre zuvor den berüchtigten Kinderweihnachtsfilm Santa Claus Conquers the Martians (1964) verbrochen hatte, werden einem Astronauten von einem außerirdischen Roboter die Augen ausgebrannt. Warum? Das bleibt, wie so oft bei unlogischen B-Movie-Plots, offen. Da stört es auch kaum, dass die Astronau­ten am Kinn offene Motorradhelme und Schwimmanzüge tragen. Dennoch: Der Film hat trotz Minibudget recht ordentliche Schauwerte zu bieten.    (13. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Unendlichkeit" (Revelation Space, 2000) von Alastair Reynolds

(55)   Alastair Reynolds: Unendlichkeit (2000)

 

Das Erstlingswerk des walisischen Science-Fiction-Autors Alastair Reynolds (geb. 1966) war gleich ein Volltreffer: eine spannende, originelle Kombination von Space Opera und Hard-SF, die auf clevere Weise die Versatzstücke des Genres ein­setzt, gleichzeitig aber auch mit vielen neuen Ideen begeistert. Im  ersten Band des Revelation Space-Zyklus, der im 26. Jahrhundert spielt, geht es um die außer­irdi­sche Spezies der Amarantin, die vor 900.000 Jahren ausgelöscht wurden. Der Ar­chäologe Dan Sylveste entdeckt, dass eine noch ältere Spezies dafür verant­wort­lich war – und diese auch der Menschheit gefährlich werden könnte.    (12. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "The Year When Stardust Fell" (1958) von Raymond F. Jones -- fallender Komet

(54)   Raymond F. Jones: The Year When Stardust Fell (1958)

 

Dieser Roman richtete sich wie alle bei Winston erschienenen Science-Fiction-Ro­mane an Kinder und Jugendliche. Doch während die meisten anderen juveniles von Winston bunte Abenteuerhandlungen erzählten, ergriff Raymond F. Jones hier die Gelegenheit, einen Erziehungsroman zu schreiben. Es geht ihm darum, seinen jun­gen Lesern die Liebe zur Wissenschaft näherzubringen und sie zu ver­antwortungs­bewussten Bürgern zu erziehen. Der Rahmen dafür ist ein dramatischer Welt­unter­gang, verursacht durch den giftigen Schweif eines Kome­ten. Durchaus kurz­weilig zu lesen, geriet der Roman leider auch arg moralinsauer.    (8. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Sachbuchs "Kino des Utopischen" (1980) von Georg Seeßlen mit einem Szenenfoto aus "Metaluna 4 antwortet nicht" (This Island Earth, USA 1955)

(53)   Georg Seeßlen: Kino des Utopischen (1980)

 

Dieses Buch ist ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur über Science-Fiction-Filme – was freilich vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass es anno 1980 herz­lich wenig deutschsprachige Bücher zum Thema gab. 2003 erfuhr es im zweibändi­gen Werk Science Fiction von Georg Seeßlen und Fernand Jung eine fast unverän­derte Neuauflage, womit die Gültigkeit des alten Buchs vom Autor quasi noch ein­mal bestätigt wurde. Kino des Utopischen ist ein sperriger, inzwischen auch recht angestaubter Diskurs über die „Mythologie“ des Genres. Diese konstruiert Seeßlen vor allem – leider – mithilfe von Sigmund Freunds Traumdeutung.    (30. Juni 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Renaissance" (1944) von Raymond F. Jones von der Buch-Erstausgabe von 1951

(52)   Raymond F. Jones: Renaissance (1944)

 

Der Debutroman des Autors von This Island Earth (1952) ist klassische, überdrehte Pulp-Science-Fiction in bester Golden-Age-Tradition: voller Geheimnisse, wissen­schaftlicher Wunder und einer atemberaubenden, wendungsreichen Abenteuer­handlung, die von der ersten bis zur letzten Seite außerordentlich gut unterhält. Die Fülle verschiedener Ideen, die Jones hier einbringt, bis hin zu Parallelwelten, und ihre geschmeidige Verknüpfung zu einem einheitlichen Erzählganzen ist ver­blüffend. Vielleicht das beste Werk von Jones.    (23. Juni 2016)


Ausschnitt des Buchcovers von der Anthologie "Die Vergangenheit der Zukunft" (1998) von Forrest J. Ackerman et al. (Hrsg.)

(51)  Forrest J. Ackerman et al. (Hrsg.): Die Vergangenheit der Zukunft (1998)

 

Bei ARD und ZDF ist es uralte Tradition, sich nur sehr stiefmütterlich um Science-Fiction zu kümmern. Gleichwohl hat das ZDF 1998 eine mehrteilige Dokumentation zum Thema gesendet. Das Begleitbuch zur Doku stellt eine Anthologie von sieben Kurzgeschichten renommierter Science-Fiction-Autoren dar, die die literarischen Vorlagen gefeierter Kinoklassiker wie Alien, Das Ding aus einer anderen Welt oder Der Tag, an dem die Erde stillstand gewesen waren. Es ist spannend, die Storys mit den Filmen zu vergleichen. Sie sind aber auch allemal für sich selbst genommen sehr lesenswert.    (22. Juni 2016)