Artikel nach Datum

Auf dieser Seite habe ich alle älteren Teasertexte, die ursprünglich auf der Startseite unter dem Stichwort „Neueste Artikel“ gepostet worden waren, in der Reihenfolge ihres Erscheinens abgelegt. Die jüngsten Einträge stehen dabei ganz oben, die ältesten ganz am Ende der Liste. Auf diese Weise ergibt sich praktisch eine Art Archiv, das die Chrono­logie der Veröffentlichung aller Artikel auf Astron Alpha abbildet. Zur Zeit sind auf Astron Alpha insgesamt 139 Artikel online.

Eric Braeden in einer Szene aus dem Film "Colossus -- The Forbin Project" (USA 1970)

(90)   Colossus (USA 1970)

 

Der smarte Science-Fiction-Thriller von Joseph Sargent ist einer der ersten Filme, der die damals aufkommende Computertechnik in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Ein kolossaler Supercomputer, dem unvorsichtigerweise die Kontrolle aller Atomwaffen der USA übergeben wurde, strebt nach der Weltherrschaft – und es gibt keinen Ausschalter! Der elegant inszenierte Film schwelgt in elektronischer Technik, die damals Up-to-date war, und Informatiker wie Dr. Forbin (Eric Braeden) sind hier noch keine verpeilten Nerds, sondern angesehene Wissenschaftler in Anzügen – und obendrein selbstbewusste Womanizer.    (3. Februar 2017)


Das Monster aus dem Film "It! The Terror from Beyond Space" (USA 1958)

(89)   It! The Terror from Beyond Space (USA 1958)

 

Dieser billig produzierte Monsterschocker von Edward L. Cahn (1899–1963) ist in vielerlei Hinsicht ein interessanter Eintrag ins Creature-Feature-Genre. So ist der Exploitationstreifen effektvoll inszeniert und bietet ein ziemlich spektakuläres Monster auf. Das Drehbuch schrieb kein Geringerer als Jerome Bixby (1923–1998), der später die Drehbücher zu Die phantastische Reise (1966) und einigen Star Trek-Folgen verfassen sollte. Vor allem aber gilt It! als der Film, bei dem Drehbuchautor Dan O’Bannon für Ridley Scotts Alien (1979) geklaut haben soll. Indes: Alien und seinen Opa im Geiste trennen cineastisch dann doch Welten.    (28. Januar 2017)


Ausschnitt aus dem Buchcover von Rolf Giesen, "Sagenhafte Welten" (1990)

(88)   Rolf Giesen: Sagenhafte Welten (1990)

 

Der renommierte Filmjournalist und Autor Rolf Giesen hat 1990 mit seinem Buch Sagenhafte Welten einen unterhaltsamen Schmöker über das Science-Fiction-, Horror- und Fantasykino vorgelegt, der auch heute noch lesenswert ist. Giesen un­ternimmt einen lockeren Streifzug durch das fantastische Kino und hat dabei eine ganze Menge interessanter Anekdoten und Hintergrundinfos zu den Produktions­geschichten der Filme im Koffer. Er spart allerdings auch nicht mit Polemik, insbe­sondere gegen die damals gerade aufkommende CGI und die Brutalisierung des Horrorkinos, die rückblickend etwas rührend Naives an sich hat.    (25. Januar 2017)


Patricia Laffan in einem Szenenfoto aus dem Film "Devil Girl from Mars" (UK 1954)

(87)   Devil Girl from Mars (GB 1954)

 

Dieser in den Shepperton Studios in Surrey entstandene Science-Fiction-cheapie, eine britische Imitation ähnlicher Filme aus den USA, gilt im Fandom seit Langem als „Kultfilm“, um diesen vielgenutzten Begriff ein weiteres Mal zu bemühen. Es ist unschwer zu sehen, wie der Film diesen Status erlangen konnte: Patricia Laffan bril-liert hier als in Lack und Leder gekleidete, überaus herrisch auftretende Marsiane-rin, die gekommen ist, um irdische Männer als Deckhengste für die heimischen Frauen zu entführen – eine Domina aus dem All! Der Film macht Spaß und ist hand­werklich überraschend sorgfältig gemacht.    (19. Januar 2017)


Szenenfoto aus dem Film "Naufrágos -- Gestrandet" (Spanien 2001)

(86)   Náufragos – Gestrandet (Spanien 2001)

 

Spanien hat sich im Genrekino in erster Linie mit Horrorfilmen wie [Rec] (2007) her-vorgetan. Die valencianische Schauspielerin María Lidón ging einen anderen Weg und versuchte sich in ihrem Regiedebut an einem Science-Fiction-Drama auf dem Mars. Die Low-Budget-Produktion, deren Marsaufnahmen in der felsigen Vulkan-landschaft auf Lanzarote entstanden, hat eine spannende Grundidee, einen ent-schiedenen Indie-Anstrich und akzeptable Spezialeffekte. Ein bemerkenswerter, irgendwie fesselnder Film – und das, obwohl er auch recht behäbig ist und sein dramatisches Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.    (7. Januar 2017)


Paul Mantee in einem Szenenfoto aus dem Film "Robinson Crusoe auf dem Mars" (Robinson Crusoe On Mars, USA 1964)

(85)   Robinson Crusoe auf dem Mars (USA 1964)

 

Ridley Scotts Film Der Marsianer (2015) ist in gewisser Hin­sicht ein Remake dieses farbenprächtigen, seinerzeit im Kino floppenden Mars­abenteuers von Byron Haskin (1899–1984). Der Astronaut Chris Draper stürzt mit seiner Lande­kapsel auf dem roten Planeten ab und muss nun einen Weg finden, sein Überleben zu bewerkstelli­gen. Das Drehbuch greift ihm dabei mit günstig eingerichteten, wis­senschaftlich unhaltbaren Umständen gehörig unter die Arme. Nichtsdestotrotz hätte die Robin­sonade auf dem Mars ein spannendes Drama werden können. Statt­dessen ist der Film leider sehr behäbig und steif geraten.    (4. Januar 2017)


Ausschnitt vom Buchcover von Glenn Erickson, "Sci-Fi Savant" (2011)

(84)   Glenn Erickson: Sci-Fi Savant (2011)

 

Der in Los Angeles lebende Filmcutter Glenn Erickson kennt als Insider das Filmge­schäft aus dem Effeff und zählt seit fast 20 Jahren zu den profiliertesten Filmkriti­kern im Internet. Seine Web-Kolumne DVD Savant ist längst zur klassischen Refe­renz profunder Filmkritiken geworden, und das nicht allein für Science-Fiction-Filme. In seinem Buch Sci-Fi Savant hat der Autor 116 Kritiken von Science-Fiction-Filmen von Metropolis (1927) bis Avatar (2009) versammelt, die zuvor in seiner Web-Kolumne erschienen sind. Dass er die Texte allesamt leicht überarbeitete, war allerdings nicht unbedingt eine glückliche Entscheidung.    (31. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Planet der Stürme" (Planeta Bur, UdSSR 1962)

(83)   Planet der Stürme (UdSSR 1962)

 

Dieses Raumfahrtabenteuer von Pawel Kluschanzew (1910–1999) gilt gemeinhin als die beste aller Space Operas, die in den Filmstudios der Sowjetunion entstanden sind. In der Tat präsentiert der Film, der von der ersten bemannten Expedition zur Venus erzählt, eine Fülle üppiger visueller Einfälle: schicke Raumschiffmodelle, aus­gefeilte Raumanzüge, von bizarren Pflanzen bewachsene venusische Steinwüsten, ein überaus vielseitiger Roboter und ein Unterwasserreich à la Jules Verne. Mit alledem unterhält der Film recht gut; zudem ist er vergleichsweise schwungvoll inszeniert. Nostalgiker werden es lieben!    (30. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Panik in New York" (The Beast from 20.000 Fathoms, USA 1953); der Rhedosaurus

(82)   Panik in New York (USA 1953)

 

Mit dem ersten Kinofilm, bei dem er die Stop-Motion-Animation vollständig selbst plante und ausführte, schuf die Tricklegende Ray Harryhausen (1920–2013) nicht nur den ersten Giant-Monster-On-The-Loose-Streifen der Fünfzigerjahre, der eine ganze Reihe ähnlicher Monsterfilme nach sich zog, sondern auch einen der spekta­kulärsten und großartigsten Dinosaurierfilme überhaupt. Sein mit mattes und Rück­projektionen operierendes „Dynamation“-Verfahren verschmolz die Animation na­hezu perfekt mit den realen Aufnahmen, und die Grazie und die natürlichen Bewe­gungen seines Rhedosaurus begeistern noch heute.    (27. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Santa Claus Conquers the Martians" (USA 1964)

(81)   Santa Claus Conquers the Martians (USA 1964)

 

Als bizarr-abseitiger Spaß in der Vorweihnachtszeit kann dieser furchtbar schlecht gemachte, beinahe grenzdebile Weihnachtsfilm durchaus auch heute noch amü­sieren – zugegebenermaßen in engen Grenzen. Traditionell gilt der Film, in dem der Weihnachtsmann von Außerirdischen zum Mars ent­führt wird, um dort die marsia­nischen Kinder glücklich zu machen, als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Allerdings wird dabei oft vergessen, dass Santa Claus ein Kinderfilm ist, der sich keinen Augenblick ernst nimmt. Und er ist einer der seltenen Fälle, in denen das Thema Weihnachten mit Sci-Fi-Motiven verquickt worden ist.    (19. Dezember 2016)


Szenenbild aus dem Film "The Monster that Challenged the World" (USA 1957)

(80)   Alarm für Sperrzone 7 (USA 1957)

 

Dieser schicke Fünfzigerjahre-Monsterstreifen, besser bekannt unter seinem Origi­naltitel The Monster that Challenged the World, fuhr zur schaurigen Unterhaltung des Autokino-Publikums eine radioaktive, prähistorische Riesenmolluske auf, die im kalifornischen Saltonsee arglosen jungen Badenden alle Flüssigkeit aus dem Leib saugt. Bemerkenswert gut getrickst, mit einem überdurchschnittlich guten Dreh­buch und soliden Schauspielern, überzeugt der Film als ein properer Genrebeitrag, der beinahe an die Qualität der Genrefilme von Jack Arnold heranreicht – die er unverkennbar zu kopieren versucht.    (11. Dezember 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Lifeforce -- Die tödliche Bedrohung" (UK 1985)

(79)   Lifeforce – Die tödliche Bedrohung (GB 1985)

 

Ein wüster Genremix aus Science-Fiction, Zombiefilm, Vampirfilm und Okkultismus, heillos unlogisch verrührt, voller Schockmomente und als Sahnehäubchen die voy­euristische Lust an der splitternackt durch den Film schreitenden, wunderschönen Hauptdarstellerin Mathilda May – das ist Tobe Hoopers Lifeforce – Die tödliche Bedrohung. Man mag den Film aggressiv auf Effekte kalkuliert nennen, und es ist klar, dass damals die naserümpfende, versnobte Science-Fiction-Kritik kein gutes Haar an dem Film ließ. Für viele ist der Film heute jedoch „Kult“, wie man so zu sagen pflegt. Auf jeden Fall macht er einen Heidenspaß.    (9. Dezember 2016)


Coverbild des Buchs von Larry Niven, "Brennans Legende" (1973) in der Bastei-Lübbe-Ausgabe von 1999

(78)   Larry Niven: Brennans Legende (1973)

 

Im „Ringwelt-Universum“ von Larry Niven (geb. 1938) zählen die sogenannten Pak-Protektoren zu den interessantesten Spezies, und das nicht nur, weil sie in Nivens fabulierter Welt vor 2,5 Millionen Jahren die Vorfahren der Menschheit auf der Erde angesiedelt und später die berühmte Ringwelt gebaut haben. In diesem Roman er­fährt man mehr über die Hintergründe und die Herkunft der Pak-Protektoren, so­dass er für jeden Fan des Ringwelt-Universums eine willkommene Lektüre darstellt. Ansonsten leidet der Roman leider unter denselben Schwächen wie Die Welt der Ptavv (1966): Er ist viel zu hektisch und dürr erzählt.    (2. Dezember 2016)


Covermotiv vom Buch von Larry Niven, "Die Welt der Ptavv" (1966) in der Ausgabe von Bastei-Lübbe aus dem Jahr 2000

(77)   Larry Niven: Die Welt der Ptavv (1966)

 

Der Debutroman von Larry Niven (geb. 1938), dem Altmeister gediegener Space Operas, ist ein reichlich pulpig anmutendes Weltraumabenteuer: rasant erzählt, mit einer Vielzahl von Wendungen und Schauplätzen und einem Plot, der sich über Milliar­den von Jahren und die halbe Galaxis erstreckt. Vieles wirkt hier maßlos übertrie­ben, insbesondere die schier grenzenlosen telepathischen Fähigkeiten der sogenann­ten Thrint, einer uralten, machtversessenen Rasse, die einst das Leben auf der Erde ausgesät hat. Leider wird das Geschehen schmucklos und viel zu knapp erzählt, was leider zulasten des Unterhaltungswertes geht.    (1. Dezember 2016)


Szenenfoto mit der marsianischen Intelligenz aus dem Film "Invasion vom Mars" (Invaders from Mars, USA 1986) von Tobe Hooper

(76)   Invasion vom Mars (USA 1986)

 

Nach dem wüsten Science-Fiction-Schocker Lifeforce (1985) drehte Tobe Hooper für Cannon Pictures überraschenderweise ein Remake des Science-Fiction-Klassi­kers Invasion vom Mars (1953) von William Cameron Menzies. Viele Kritiker hielten ein Remake von ausgerechnet diesem Film für überflüssig und nicht zeitgemäß. Auf Kinder wirkte der Film trotzdem ähnlich beängstigend wie schon das Original drei Jahrzehnte zuvor. Nüchtern betrachtet wiederholt der Film allerdings leider die logischen Schwächen des Vorgängers, den er extensiv zitiert. Das grob­schlächtige Schauspiel tut ein Übriges, sodass der Film insgesamt enttäuscht.    (23. Nov. 2016)


Luce Potter in einem Szenenfoto aus dem Film "Invasion vom Mars" (Invaders from Mars, USA 1953)

(75)   Invasion vom Mars (USA 1953)

 

Dieser surreale, albtraumhaft konstruierte kleine Schocker von William Cameron Menzies (1896–1957), einem der größten Produktionsdesigner Hollywoods, lehrte Anfang der Fünfzigerjahre Scharen von Kindern im Kino das Fürchten – unter ande­rem Steven Spielberg. Der Film zählt längst zu den großen Klassikern des Science-Fiction-Kinos. Seine Infantilität ist dabei kein Manko, sondern Prinzip: Der Film erzählt die Geschichte konsequent aus der Perspektive und dem Erleben seines kindlichen Hauptdarstellers, dessen Fantasie von der red scare der Erwachsenen, von Comics und von Pulps bevölkert ist.    (30. Oktober 2016)


Covermotiv vom Buch von Larry Niven, "Die Flotte der Puppenspieler" (Fleet of Worlds, 2007) in der Ausgabe von Bastei-Lübbe von 2008

(74)   Larry Niven/Edward M. Lerner: Die Flotte der Puppenspieler (2007)

 

Für seine jüngeren Romane, die im „Ringwelt-Universum“ oder auch dem soge­nannten „Known Space“ angesiedelt sind, hat der kalifornische Autor Larry Niven (geb. 1938) sich Schützenhilfe von Edward M. Lerner (geb. 1949) geholt. Bei der Lektüre, die in ihrem Stil deutlich ruhiger und abgeklärter ausfällt als bei Nivens älteren Ringwelt-Romanen, beschleicht einen das Gefühl, dass Lerner hier vermut­lich die Hauptarbeit geleistet hat. Das tut dem Vergnügen jedoch keinen Abbruch: Die Flotte der Puppenspieler ist ein überzeugendes Weltraumabenteuer, das end­lich mehr Licht in die Zivilisation der Puppenspieler bringt.    (29. Oktober 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Der schweigende Stern" (DDR/Polen 1960) von Kurt Maetzig mit dem Roboter Omega

(73)   Der schweigende Stern (DDR/Polen 1960)

 

Kurt Maetzigs in den DEFA-Studios in Babelsberg gedrehtes Raumfahrtabenteuer nach einem Roman von Stanisław Lem ist ein schick anzuschauendes Stück Hard-Science-Fiction-Kino. Tricktechnisch ganz auf der Höhe der Zeit, im Design vielfach höchst einfallsreich und visuell opulent, geriet der Film dramaturgisch leider auch überaus steif. Zudem wird es dem Zuschauer auch nicht leicht gemacht, der kon-fusen Handlung logisch zu folgen. Dennoch brilliert Der schweigende Stern noch heute als einer der ambitioniertesten fantastischen Filme, die je im Deutschland der Nachkriegszeit entstanden sind.    (21. Oktober 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Eden" (1959) von Stanislaw Lem, in der Ausgabe vom Wiener Verlag (Himberge bei Wien)

(72)   Stanisław Lem: Eden (1959)

 

In Lems drittem Science-Fiction-Roman verabschiedet sich der polnische Autor vom sozrealistischen Kitsch der beiden Vorgänger und dämpft auch die klassische Raumfahrtromantik der Fünfzigerjahre. Stattdessen bemüht er sich in nüchterner Sprache darum, im Rahmen des Genres zu einer ernsthaften und wohldurchdach­ten Speku­lation zu gelangen: Ist es dem Menschen überhaupt möglich, eine außer­irdische, völlig fremdartige Zivilisation zu verstehen? Der Ansatz ist gut, nur schei­tert das Buch literarisch leider kläglich: Der Lesefluss ist zäh, und an­schau­lich wird hier trotz vieler wortreicher Schilderungen kaum etwas.    (6. Oktober 2016)


Motiv vom Kinoplakat von "Krieg der Welten" (USA 2005) von Steven Spielberg

(71)   Krieg der Welten (USA 2005)

 

Steven Spielbergs Neuverfilmung des Science-Fiction-Klassikers von 1953, basie­rend auf H. G. Wells’ Roman von 1897, ist mehr als nur ein auf Tom Cruise zuge­schnittenes Starvehikel. Trotz einer ganzen Reihe von logischen Schwächen und unglaubwürdigen Erzählelementen begeistert der Film als packender, markerschüt­ternder Horrortrip allererster Güte. Hier wird unerbittlich ausgemalt, was der Über­fall technologisch überlegener Aliens auf die Erde bedeuten würde: Die totale Nie­derlage wäre unausweichlich. Wells’ Bazillen sind da nicht mehr als ein nicht ernst zu nehmender deus ex machina, der das Happy End ermöglicht.    (30. Sept. 2016)


Ann Robinson in einem Szenenfoto von "Kampf der Welten" (The War of the Worlds, USA 1953) von Byron Haskin und George Pal

(70)   Kampf der Welten (USA 1953)

 

Trotz gelegentlichem Interesse an dem Stoff hatte es über 50 Jahre gedauert, bis H. G. Wells’ klassischer Roman Krieg der Welten (1897) zum ersten Mal verfilmt wurde. Produzent George Pal aktualisierte die Geschichte, indem er sie ins zeitgenössische Kalifornien verlegte und auf die schwelenden Ängste des Atomzeitalters bezog. Es entstand ein prächtiges, vor Spezialeffekten nur so strotzendes Actionfeuerwerk. Kampf der Welten ist nicht nur der Urknall aller Alien-Invasionsfilme, sondern auch aller extravaganten, effektebetonten Science-Fiction-Blockbuster. Zweifellos einer der wichtigsten Meilensteine des Science-Fiction-Kinos.    (27. September 2016)


Eine Illustration von Henrique Alvim Corrêa (1876–1910) von 1903 zum Roman "The War of the Worlds" (1897) von H. G. Wells

(69)   H. G. Wells: Krieg der Welten (1897)

 

Vielleicht der berühmteste Roman der Science-Fiction-Literatur überhaupt, ist Krieg der Welten von Herbert George Wells (1866–1946) zugleich die Mutter aller Alien-Invasionsgeschichten. Hier werden die außerirdischen Besucher zum aller­ersten Mal als erbarmungslose Eroberer dargestellt, die sengend und mordend über die Menschheit herfallen. Der Roman ist eine brillante Parabel auf den Hoch­mut der imperialistischen Großmächte des fin de siècle. Darüber hinaus wirkt er aber auch noch immer sehr frisch und modern und ist ein überaus spannendes Lesevergnügen.    (24. September 2016)


Die Vernichtung der Erde in einem Szenenfoto aus dem Film "Der jüngste Tag" (When Worls Collide, USA 1951) von Rudolph Maté und George Pal

(68)   Der jüngste Tag (USA 1951)

 

In diesem naiven Weltuntergangsepos von George Pal (19081980) wird es ernst: Es ist der erste Spielfilm, in dem die Erde in eine fremde, herannahende Sonne stürzt und somit nicht nur beinahe, sondern tatsächlich ausgelöscht wird. Trotz dieser be-merkenswert düsteren Prämisse ist der Film die vielleicht optimistischste Welt-untergangserzählung aller Zeiten: Einer Handvoll Menschen gelingt es, rechtzeitig ein Raketenschiff zu bauen und sich damit auf den paradiesischen Begleitplaneten der fremden Sonne zu retten. Eine altbackene, aber sehr gut ge­machte Science-Fiction-Version der biblischen Arche-Noah-Geschichte.    (18. September 2016)


Die Rakete Luna auf dem Mond in dem Film "Endstation Mond" (Destination Moon, USA 1950) von Irving Pichel und George Pal

(67)   Endstation Mond (USA 1950)

 

Dieser Raumfahrtfilm gilt als der Urvater des modernen Science-Fiction-Kinos, das sich deutlich von den schwarzweißen mad scientist-Streifen der Vierzigerjahre ab­hob und entschlossen in den Weltraum ausgriff. Zugleich markiert er den Einstand des berühmten Science-Fiction-Filmproduzenten George Pal (1908–1980), dem „George Lucas der Fünfzigerjahre“, in der Produktion von Live-Action-Filmen. Der Film ist dramaturgisch überaus dröge, doch bietet er exzellente Spezial­effekte, die noch heute begeistern können, und nimmt es mit der technischen Glaubwürdigkeit ernst wie kein zweiter Science-Fiction-Film jener Dekade.    (10. September 2016)


Der Kosmokrator in dem Film "Der schweigende Stern" (DDR/Polen 1960) von Erwin Maetzig

(66)   Stanisław Lem: Die Astronauten (1951)

 

Stanisław Lems Debutroman, der später als literarische Vorlage für Kurt Maetzigs Science-Fiction-Film Der schweigende Stern (DDR/Polen 1960) diente, erzählt ein dramatisches Raumfahrtabenteuer auf der Venus, auf der sich eine hochstehen­de Zivilisation in einem totalen Atomkrieg selbst ausgelöscht hat. Der Roman ist rettungslos naiv und gehaltlich ganz auf den Sozialistischen Realismus einge­schworen, der eine leuchtende, konfliktfreie kommunistische Zu­kunft erwartet. Nichtsdestotrotz ist das Buch spannend und unterhaltsam.    (31. August 2016)


Der Roboter Sonny in dem Film "I, Robot" (USA 2004) von Alex Proyas

(65)   I, Robot (USA 2004)

 

Will Smith (geb. 1968) hat eine Menge sehr erfolgreicher Science-Fiction-Filme gedreht – von denen die meisten leider auch sehr albern und flach daherka­men. Ganz frei von diesen Schwächen ist auch I, Robot nicht, und überdies nervt das aufdringliche Product-Placement, doch alles in allem ist der Film überdurch­schnitt­lich intelligentes Science-Fiction-Kino. Der als Konsumprodukt konzipierte Roboter Sonny wird von seinem Roboterentwickler mit Künstlichem Bewusstsein geboos­tet – und durchleidet prompt eine Identitätskrise. Die Frage, was das Be­wusstsein wirklich ausmacht, ist nach wie vor überaus spannend.     (27. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover vom Roman "Solaris" (1961) von Stanislaw Lem in der Ausgabe vom Kaiser Verlag Klagenfurt 1981

(64)   Stanisław Lem: Solaris (1961)

 

In den Siebzigerjahren wurde Stanisław Lem wie kein Zweiter als der langersehnte Erlöser der Science-Fiction-Literatur gefeiert, der sich anschickte, dem Genre end­lich zu intellektueller Seriosität zu verhelfen. Damit war Lem zweifellos erfolgreich, wie Solaris, sein mit Abstand berühmtestes Werk, beweist. Der Roman ist eine ge­schickt erzählte Meditation über die anthropologischen Grenzen der menschlichen Erkenntnis  gerade auch über das eigene Ich oder einen geliebten Mitmenschen. Scharfsinnig, doch nicht frei von Unschärfen, geschliffen formuliert, doch oft nur andeutend: Solaris bietet eine Fülle von vergnüglichem Denkfutter.    (24. Aug. 2016)


Ausschnitt vom Buchcover vom Roman "Projekt: Morgenröte" (The Sands of Mars, 1951) von Arthur C. Clarke, in der Ausgabe vom Goldmann Verlag 1983

(63)   Arthur C. Clarke: Projekt: Morgenröte (1951)

 

In seinem dritten Roman, den Arthur C. Clarke (1917–2008) in seiner langen Karriere veröffentlichte, schildert der englische, technikorientierte SF-Romancier alter Schule eine optimistische Vision von der künftigen Marskolonisation. Dabei hat er freilich die Dinge gehörig vereinfacht, indem er seinem Mars ein überaus mildes Klima, eine viel dichtere Atmosphäre und sogar eine bescheidene Biosphäre mit putzigen, känguruhartigen Marstieren spendierte. All das widersprach schon 1951 dem Stand der Forschung. Dem Unterhaltungswert des nostalgischen, etwas biederen Marsabenteuer tut das allerdings keinen Abbruch.    (23. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Gast im Weltraum" (1955) in der Ausgabe vom Verlag Volk und Welt 1956

(62)   Stanisław Lem: Gast im Weltraum (1955)

 

In diesem frühen Roman des gefeierten polnischen Stars der Science-Fiction-Lite­ratur, der im 32. Jahrhundert angesiedelt ist, wird der erste interstellare Flug der Menschheit zum Alpha-Centauri-Doppelsternsystem erzählt. Der Ich-Erzähler an Bord des Riesenschiffs Gea unterhält sich sehr viel über wissenschaftliche und phi­losophische Themen – oder sinniert über seine Vergangenheit. Das Buch, das mit Ikarie XB 1 (CSSR 1963) auch verfilmt wurde, ist stark vom sozialistischen Realismus der Stalin-Ära geprägt und geriet stellenweise ziemlich schwülstig. Aber es bietet auch ein zauberhaftes Weltraumabenteuer mit viel Patina.    (20. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von John Scalzi, "The Rough Guide to Sci-Fi Movies" (2005)

(61)   John Scalzi: The Rough Guide to Sci-Fi Movies (2005)

 

John Scalzi (geb. 1969) kann unterhaltsame, spannende Space Operas schreiben – seine Krieg der Klone-Trilogie wusste zu gefallen. Im selben Jahr, als er sei­nen Durchbruch zum Bestsellerautor erlebte, versuchte sich Scalzi an einer Einführung in das Science-Fiction-Kino. Mehr als dafür Video­nächte zu bestreiten und an­schließend unreflektierte Urteile über die Filme hinzu­rotzen, die kaum über “cool” oder “boring” hinausgehen, kam dabei leider nicht heraus. Keine Einführung, nur die persönliche Favoritenliste eines Autors, der Star Wars für den großartigsten Film aller Zeiten hält. Ein ziemlich überflüssiges Buch. Leider.    (6. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von "Fritz Langs Metropolis" (München 2010) von der Deutschen Kinemathek (Hrsg.)

(60)   Deutsche Kinemathek (Hrsg.): Fritz Langs Metropolis (2010)

 

Dieses prachtvolle Filmbuch erschien anlässlich der jüngsten, fast vollständigen Wiederherstellung der legendären, ungekürzten Premierenfassung von Metropolis, die nur von Januar bis Mai 1927 in Berlin und danach nie wieder zu sehen gewesen war. Das Buch erörtert die Filmrestauration, die ein 2008 in Buenos Aires neu ent­deck­tes Filmnegativ ermöglicht hat, vor allem aber ist es prall gefüllt mit vielen zeitgenössischen Fotos von den aufwendigen Dreharbeiten zu Metropolis. Für je­den Liebhaber von Langs Filmklassiker ist der Band ein Hochgenuss.    (4. Aug. 2016)


Szenenfoto mit Atompilz aus dem Film "Planet des Grauens" (World Without End, USA 1956) von Edward Bernds

(59)   Planet des Grauens (USA 1956)

 

Eine Mission zum Mars gerät in eine Art „Raumzeit-Sturm“, wird in die ferne Zu­kunft ge­schleudert und kehrt auf eine Erde zurück, die Jahrhunderte zuvor von einem Atomkrieg verwüstet worden ist. Wie in H. G. WellsZeitmaschine (1895) hat sich die Menschheit in Morlocks und Eloi aufgespalten, nur dass sie hier nicht so heißen und ihre unter- und oberirdischen Wohnorte miteinander vertauscht haben. Für einen Low-Budget-Streifen der Fünfzigerjahre macht der Film optisch eine außer­ordentlich gute Figur und ist sehr kurzweilig – auch wenn er zynisch die Aus­rot­tung Eingeborener zum Zwecke der Landnahme rechtfertigt.    (1. August 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "The Alien" (1951) von Raymond F. Jones

(58)   Raymond F. Jones: The Alien (1951)

 

Ein knalliges, actionreiches und sehr pulpiges Weltraumabenteuer serviert Ray­mond F. Jones (1915–1994) in diesem Roman – und das macht höllisch Spaß! Welt­raum­archäo­logen entdecken im Asteroidengürtel Artefakte einer vor Jahrtausen­den un­terge­gangenen Zivilisation – und einen schwarzen, kristallartigen, riesigen Behäl­ter, in dem das Protoplasma eines Aliens aufbewahrt ist. Nach langen Diskus­sionen entschließt man sich, den Alien wiederzuerwecken. Doch das erweist sich als gewaltiger Feh­ler, der die ganze Menschheit bedroht . . .    (30. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Amalthea" (Seveneves, 2015) von Neal Stephenson

(57)   Neal Stephenson: Amalthea (2015)

 

In diesem über tausend Seiten langen Epos malt der amerikanische Autor Neal Ste­phenson (geb. 1959) ein kühnes Zukunftsbild der Menschheit aus. Der Mond zer­bricht, und seine Trümmer regnen auf die Erde nieder und vernichten alles Leben. In großer Eile schafft die Menschheit eine Handvoll Menschen auf Raum­schiffe in den Erdorbit, damit der Homo Sapiens dort eine Überlebenschance er­hält. Der Ro­man ist mit großer technologischer Detailversessenheit geschriebene, nerdige Hard-SF. Grandios, aber auch von irritierender technokratischer Kälte.    (16. Juli 2016)


Szenenfoto (schreiender Astronaut) aus dem Film "Endstation Mars" (Mission Mars, USA 1968) von Nicholas Webster

(56)   Endstation Mars (USA 1968)

 

Auf dem Mars lauerten in amerikanischen B-Movies seit jeher grausige Gefahren für die Astronauten. In diesem recht launigen cheapie von Nicholas Webster (1912– 2006), der vier Jahre zuvor den berüchtigten Kinderweihnachtsfilm Santa Claus Conquers the Martians (1964) verbrochen hatte, werden einem Astronauten von einem außerirdischen Roboter die Augen ausgebrannt. Warum? Das bleibt, wie so oft bei unlogischen B-Movie-Plots, offen. Da stört es auch kaum, dass die Astronau­ten am Kinn offene Motorradhelme und Schwimmanzüge tragen. Dennoch: Der Film hat trotz Minibudget recht ordentliche Schauwerte zu bieten.    (13. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Unendlichkeit" (Revelation Space, 2000) von Alastair Reynolds

(55)   Alastair Reynolds: Unendlichkeit (2000)

 

Das Erstlingswerk des walisischen Science-Fiction-Autors Alastair Reynolds (geb. 1966) war gleich ein Volltreffer: eine spannende, originelle Kombination von Space Opera und Hard-SF, die auf clevere Weise die Versatzstücke des Genres ein­setzt, gleichzeitig aber auch mit vielen neuen Ideen begeistert. Im  ersten Band des Revelation Space-Zyklus, der im 26. Jahrhundert spielt, geht es um die außer­irdi­sche Spezies der Amarantin, die vor 900.000 Jahren ausgelöscht wurden. Der Ar­chäologe Dan Sylveste entdeckt, dass eine noch ältere Spezies dafür verant­wort­lich war – und diese auch der Menschheit gefährlich werden könnte.    (12. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "The Year When Stardust Fell" (1958) von Raymond F. Jones -- fallender Komet

(54)   Raymond F. Jones: The Year When Stardust Fell (1958)

 

Dieser Roman richtete sich wie alle bei Winston erschienenen Science-Fiction-Ro­mane an Kinder und Jugendliche. Doch während die meisten anderen juveniles von Winston bunte Abenteuerhandlungen erzählten, ergriff Raymond F. Jones hier die Gelegenheit, einen Erziehungsroman zu schreiben. Es geht ihm darum, seinen jun­gen Lesern die Liebe zur Wissenschaft näherzubringen und sie zu ver­antwortungs­bewussten Bürgern zu erziehen. Der Rahmen dafür ist ein dramatischer Welt­unter­gang, verursacht durch den giftigen Schweif eines Kome­ten. Durchaus kurz­weilig zu lesen, geriet der Roman leider auch arg moralinsauer.    (8. Juli 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Sachbuchs "Kino des Utopischen" (1980) von Georg Seeßlen mit einem Szenenfoto aus "Metaluna 4 antwortet nicht" (This Island Earth, USA 1955)

(53)   Georg Seeßlen: Kino des Utopischen (1980)

 

Dieses Buch ist ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur über Science-Fiction-Filme – was freilich vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass es anno 1980 herz­lich wenig deutschsprachige Bücher zum Thema gab. 2003 erfuhr es im zweibändi­gen Werk Science Fiction von Georg Seeßlen und Fernand Jung eine fast unverän­derte Neuauflage, womit die Gültigkeit des alten Buchs vom Autor quasi noch ein­mal bestätigt wurde. Kino des Utopischen ist ein sperriger, inzwischen auch recht angestaubter Diskurs über die „Mythologie“ des Genres. Diese konstruiert Seeßlen vor allem – leider – mithilfe von Sigmund Freunds Traumdeutung.    (30. Juni 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Renaissance" (1944) von Raymond F. Jones von der Buch-Erstausgabe von 1951

(52)   Raymond F. Jones: Renaissance (1944)

 

Der Debutroman des Autors von This Island Earth (1952) ist klassische, überdrehte Pulp-Science-Fiction in bester Golden-Age-Tradition: voller Geheimnisse, wissen­schaftlicher Wunder und einer atemberaubenden, wendungsreichen Abenteuer­handlung, die von der ersten bis zur letzten Seite außerordentlich gut unterhält. Die Fülle verschiedener Ideen, die Jones hier einbringt, bis hin zu Parallelwelten, und ihre geschmeidige Verknüpfung zu einem einheitlichen Erzählganzen ist ver­blüffend. Vielleicht das beste Werk von Jones.    (23. Juni 2016)


Ausschnitt des Buchcovers von der Anthologie "Die Vergangenheit der Zukunft" (1998) von Forrest J. Ackerman et al. (Hrsg.)

(51)  Forrest J. Ackerman et al. (Hrsg.): Die Vergangenheit der Zukunft (1998)

 

Bei ARD und ZDF ist es uralte Tradition, sich nur sehr stiefmütterlich um Science-Fiction zu kümmern. Gleichwohl hat das ZDF 1998 eine mehrteilige Dokumentation zum Thema gesendet. Das Begleitbuch zur Doku stellt eine Anthologie von sieben Kurzgeschichten renommierter Science-Fiction-Autoren dar, die die literarischen Vorlagen gefeierter Kinoklassiker wie Alien, Das Ding aus einer anderen Welt oder Der Tag, an dem die Erde stillstand gewesen waren. Es ist spannend, die Storys mit den Filmen zu vergleichen. Sie sind aber auch allemal für sich selbst genommen sehr lesenswert.    (22. Juni 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von "Steven M. Sanders (Hrsg.): The Philosophy of Science Fiction Film" (Kentucky 2008) mit einem Szenenfoto aus "The Day the Earth Stood Still" (USA 1951)

(50)   S. M. Sanders (Hrsg.): The Philosophy of Science Fiction Film (2008)

 

Das von der Universität Kentucky herausgegebene Buch ver­sammelt 12 Essays, die von Philosophen und Kulturwissenschaftlern mit einem Faible für Science-Fiction-Filme verfasst wurden. Ziel des Buchs ist die Be­leuchtung mehrerer ausgewählter Klassiker des Filmgenres unter philosophi­schen Fragestellungen. Das hätte ein hochspannendes Unterfangen wer­den kön­nen – wenn denn das methodische und intellektuelle Niveau der Texte nicht so enttäu­schend niedrig ausgefallen wäre. Gleichwohl lohnt die Lektüre, indem sie zum Nachdenken anregt und zum Wider­spruch herausfordert.    (18. Juni 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films (7. Auflage 1997) mit einem Sezenfoto aus "Independence Day" (USA 1996)

(49)   Ronald Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films (1997)

 

Für Jahrzehnte war es eine der wichtigsten „Filmbibeln“ für Science-Fiction-Fans hierzulande: Hahns und Jansens Lexikon des Science Fiction Films. Vor den Zeiten des Internets war das umfangreiche Werk eine reichhaltige, überaus wertvolle Informationsquelle. Der herablassende, ätzende Spott hingegen, den die Autoren gegen fast alle enthaltenen Filme meinten zum Besten geben zu müssen, ging einem schon damals gehörig gegen den Strich. Auch heute noch nerven die dümmlichen Verrisse nur – und verleiden die Lektüre, die sonst noch immer recht interessant und unterhaltsam sein könnte.    (6. Juni 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von Frank Schnelle (Hrsg.): Hollywood Professional (München 1993) mit einem Szenenfoto aus "Der Schrecken vom Amazonas" (The Creature from the Black Lagoon, USA 1954) von Jack Arnold

(48)   Frank Schnelle (Hrsg.): Hollywood Professional (1993)

 

Es gibt nicht viele Bücher, die sich ausführlich mit dem legendären B-Movie- und Science-Fiction-Filmer Jack Arnold (19161992) und seinem Werk beschäftigen. Dies hier ist eines davon. Es enthält neben dem vollständigen Abdruck des berühmten „Jack Arnold erzählt“-Fernseh-Interviews von 1983 mehrere Essays verschiedener Autoren, die Arnolds Schaffen verschiedentlich beleuchten. Eine hochinteressante Lektüre! Das Versprechen jedoch, Jack Arnolds ominösem „Genie“, dem „gewissen Etwas“ seiner Regie und seiner Filme auf die Spur zu kommen, löst das Buch al­ler­dings nicht ein. Ist die Frage vielleicht falsch gestellt?    (1. Juni 2016)


Szenenfoto aus "Tarantula" (USA 1955) von Jack Arnold mit der riesigen Spinne vor Desert Rock

(47)   Tarantula (USA 1955)

 

Eine gigantisch gewachsene Tarantel, größer als ein Haus, marschiert aus der Wüs­te direkt auf ein kleines amerikanisches Städtchen zu – und alle Mittel, sie aufzu­hal­tenschei­nen zu versagen. Mit Tarantula schuf Universals B-Filmer Jack Arnold (19161992) nicht den ersten, aber womöglich den besten big bug movie der Fünf­zigerjahre. Die Tricktechnik, mit der Aufnahmen echter Taranteln nahezu perfekt in die realistischen Szenen eingefügt wurden, können auch heute noch überzeu­gen, die Handlung ist straff und dennoch vielschichtig, und die Spannung ist durch­gän­gig hoch. Ein schwungvoller Monsterthrill-Genuss!    (26. Mai 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" (The Incredible Shrinking Man, USA 1957) mit Grant Williams und der riesigen Katze

(46)   Die unglaubliche Geschichte des Mr. C (USA 1957)

 

Der packende Roman The Shrinking Man (1956) von Richard Matheson (19262013) bildete die Drehbuchvorlage für diesen erstklassigen, von Jack Arnold inszenierten B-Movie. Es entstand einer der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten, der sich nicht mit der Sensation der großartig getricksten Miniaturisierung der Hauptfigur Scott Carey begnügte, sondern sich vor allem auf die bittere Tragik und psychische Belastung dieser Hauptfigur kon­zen­trierte. Stehen aber die Katze und die Spinne, gegen die Carey kämpfen muss, wirklich für eine den Mann verschlingende Weib­lichkeit, wie oft behauptet wurde? Das ist dann doch zweifelhaft . . .    (23. Mai 2016)


Szenenfoto mit Sam Rockwell (geb. 1968) aus dem Film "Moon" (GB 2009) von Duncan Jones

(45)   Moon – Die dunkle Seite des Mondes (GB 2009)

 

Der britische Nachwuchsregisseur Duncan Jones (geb. 1971) liefert in seinem Debut­film ein brillantes Science-Fiction-Drama ab, das zweifellos zu den besten Filmen des Genres der letzten Jahre zählt. Der Film ist eine beeindruckende One-Man-Show des außerordentlich begabten Schauspielers Sam Rockwell (geb. 1968), der den einsiedlerischen Mondarbeiter Sam Bell mit zeitgemäßer, lässiger Coolness, aber auch überaus anrührend spielt. Der lange Arm des internationalen Kapitalis­mus reicht in der Zukunft bis zum Mond – und verheizt auch dort mitleidlos seine allzu lästigen, weil Kosten verursachenden Arbeitssklaven.    (6. Mai 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Der Mond ist eine herbe Geliebte" (1966) von Robert A. Heinlein in der Ausgabe vom Bastei-Lübbe-Verlag 1994

(44)   Robert A. Heinlein: Der Mond ist eine herbe Geliebte (1966)

 

Ein weiteres ideologisches Manifest von Robert A. Heinlein (1907–1988), dem viel­ge­priesenen Hardliner und bekennenden Libertarier der Science-Fiction-Literatur. Heinlein malt in diesem Roman eine libertäre, fast anarchische Ideal­ge­sell­schaft“ aus, die sich auf dem Mond aus einer Strafkolonie heraus entwi­ckelt hat und sich nun vom gängelnden Joch der irdischen Bürokratie befreien will. Wer hier irgend­wem auf den Keks geht, kann schon mal ratzfatz durch die Luftschleuse geworfen werden – ohne Druckanzug. Knallharter Sozialdarwi­nismus wird hier als lebensnahe, praktische Moral verkauft. Typisch Heinlein eben.    (24. April 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Buchs "Marsfieber" (2003) von Rainer Eisfeld und Wolfgang Jeschke

(43)   Rainer Eisfeld/Wolfgang Jeschke: Marsfieber (2003)

 

Der Mars ist und bleibt der Ort im Sonnensystem, der auf die Menschheit die größ­te Faszination ausübt: Ein Ort, der auf den Bildern der gelandeten Marssonden selt­sam vertraut anmutet und auf dem es einst sogar fließendes Wasser gegeben ha­ben muss. Rainer Eisfeld und Wolfgang Jeschke spüren in ihrem Buch dem My­thos Mars, der sich über die letzten 140 Jahre hinweg entwickelt hat, nach. Dabei neh­men sie die Science-Fiction in Literatur und Film ebenso in den Blick wie die Ge­schich­te der wissen­schaft­li­chen Erforschung des Mars. Ein höchst unterhaltsa­mes und dazu auch sehr reichhaltig und attraktiv illustriertes Buch.    (21. April 2016)


Szenenfoto mit Casper van Dien als Soldat vor einem Bug in dem Film "Starship Troopers" (USA 1997) von Paul Verhoeven

(42)  Starship Troopers (USA 1997)

 

Paul Verhoevens ruppig-brutale Verfilmung von Robert A. Heinleins klassischem Roman Starship Troopers (1959) ist eine bissige Satire auf hurrapatriotische Kriegs- und Actionfilme aus Hollywood und die mediale, auf Hochglanz polierte Ein­schwö­rung auf das hegemoniale Selbstverständnis der USA in einer Welt, die nach dem Ende des Kalten Krieges vermeintlich ihr allein zu gehören schien. Heinlein-Fans rümpften angewidert die Nase, während den Kritikern und auch dem Publikum der satirische Gehalt leider entging. Erst in den letzten Jahren wurden die subversiven Qualitäten gewürdigt. Ein großartiger Science-Fiction-Film.    (15. April 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Sternenkrieger" (Starship Troopers, 1959) von Robert A. Heinlein, in der Ausgabe vom Bastei-Lübbe-Verlag 1984

(41)  Robert A. Heinlein: Sternenkrieger (1959)

 

Das SF-Fandom treibt manchmal seltsame Blüten. Ein besonders bizarrer Auswuchs ist die glühende Heiligenverehrung, die dem Autor Robert A. Heinlein (19071988) entgegengebracht wird. Obgleich in seinen Werken vielfach chauvinistisch, feiern ihn Fans als eine Speerspitze des Feminismus. Und obgleich Libertarier, schrieb Heinlein Sternenkrieger, den Urvater der modernen Military-SF. Das Buch ist ein übler literarischer Amoklauf, mit dem ein eisenfressender Militarismus vergötzt und die demokratische Zivilgesellschaft unverhohlen als ein müder Haufen von Weich­eiern verspottet wird. Kritiker nennen das Buch faschistoid. Zu Recht.   (14. April 2016)


Szenenfoto mit Jodie Foster als Astronautin in dem Film "Contact" (USA 1997) von Robert Zemeckis

(40)   Contact (USA 1997)

 

Robert Zemeckis starbesetzte, 90 Millionen Dollar teure Verfilmung von Carl Sa­gans Roman Contact (1985), der ein möglichst realistisches Szenario eines Erst­kon­takts mit Außerirdischen ausmalen will, hält sich sehr eng an die literarische Vor­lage und ist angenehm ruhig und fokussiert inszeniert. Man staune: Trotz deutlich gedämpftem Hollywood-Bombast wurde der intellektuell interessante Film ein großer Box-Office-Erfolg. Und er bügelte sogar einige argumentative Schwächen des Romans aus, die hier ausgewogener gefasst wurden.    (13. April 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Contact" (1985) von Carl Sagan, in der deutschen Erstauflage vom Droemer-Knaur Verlag 1986

(39)   Carl Sagan: Contact (1985)

 

Carl Sagans einziger Roman Contact entstand ursprünglich aus der Idee, das Sze­na­rio eines möglichen Radiokontaktes mit Außerirdischen in einem Film auszumalen. Ein Erstkontakt Sagans mit Francis Ford Coppola in den Siebzigerjahren trug noch keine Früchte, und es sollte noch bis 1997 dauern, bis der Film verwirklicht wurde. In der Zwischenzeit machte Sagan aus der Idee einen Roman, der prompt ein Bestseller wurde. Das Buch trägt hoch­in­te­ressante apologetische Züge: Sagan ringt hier im Angesicht der Schöpfung mit seinen numinosen Schauern. Am Ende erweist sich der Atheist Sagan doch in gewisser Weise als zutiefst religiös.    (12. April 2016)


Ausschnitt eines Covers des Pulp-Magazins "Amazing Stories" von 1927, das die Kampfmaschinen aus "The War of the Worlds" von H. G. Wells zeigt

(38)   Helga Abret/Lucian Boia: Das Jahrhundert der Marsianer (1984)

 

Seit den Anfängen der modernen Science-Fiction-Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der Mars eine besondere Faszination auf die Imagination der Autoren ausgeübt. Die mehr oder minder seriös argumentierenden Wissen­schaft­ler selbst – allen voran der Astronom Percival Lowell (1855–1916) – haben ganz erheblich die wilden Spekulationen über hochentwickelte Zivilisationen auf dem Mars angeheizt. Die Literaturwissenschaftler Helga Abret und Lucian Boia unternehmen in ihrem Buch einen Streifzug durch 100 Jahre Marsromane und Er­zählungen. Und sie fördern eine überraschende Vielfalt zutage.    (9. April 2016)


Szenenfoto mit Brigitte Helm aus "Metropolis" (Deutschland 1927) von Fritz Lang

(37)   Metropolis (Deutschland 1927)

 

„Arbeit am Mythos“ – auf kaum einen Film der Kinogeschichte ist der Begriff des Philosophen Hans Blumenberg (1920–1996) passender anzuwenden als auf Fritz Langs gigantomanisches, im wahrsten Wortsinne überwältigendes Meisterwerk Metropolis. Generationen von Kritikern – Fans und Exegeten wie Scharfrichter und Kulturwächter – haben sich an diesem Werk und seinem überbordenden Mythos schon abgearbeitet. Kaputt gekriegt haben sie den Film nie, und er ist heute popu­lärer denn je. Metropolis ist fraglos einer der größten Science-Fiction-Filme aller Zeiten, der das Genre im Kino eigentlich erst definiert hat.    (6. April 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Menschen zwischen den Planeten" (1953) von Franz Ludwig Neher, in der Ausgabe des Heyne-Verlags von 1983

(36)   Franz Ludwig Neher: Menschen zwischen den Planeten (1953)

 

Wernher von Braun frönte Anfang der Fünfzigerjahre einer kühnen Vision: Er wollte die westliche Welt für einen bemannten Flug zum Mars begeistern. Seine Ideen dazu wurden unter anderem in George Pals Spielfilm Die Eroberung des Weltalls (1955) verwendet – und hier, in Franz L. Nehers deutschem Science-Fiction-Roman, der auf Anregung von von Braun entstanden ist. Das Buch ist ein überbordender, grenzenlos positiver Entwurf der näheren Zukunft, in der der Westen den Sieg im Kalten Krieg davongetragen hat. Nur den Flug zum Mars selbst sieht Neher am Ende seines Romans – kurioserweise – skeptisch.    (30. März 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Fliegende Untertassen greifen an" (Earth vs. Flying Saucers, USA 1956) von Fred F. Sears

(35)   Fliegende Untertassen greifen an (USA 1956)

 

In diesem Low-Budget-Streifen zauberte der Stop-Motion-Künstler Ray Harry­hau­sen die schönsten UFOs der Fünfzigerjahre auf die Kinoleinwand – sieht man ein­mal von dem UFO in Fred M. Wilcoxʼ Alarm im Weltall ab. Trotz der geringen fi­nan­zi­ellen Mittel sind die Effekte und die Ausstattung außerordentlich gut gelungen. Die UFO-Hysterie der Fünfziger ist hier außer Rand und Band, die UFOs zerschießen US-Truppen und symbolträchtige Bauten in Washington, dass der Genrefreund mit der Zunge schnalzt. Ein tolles, nostalgisches Spektakel.    (27. März 2016)


Willis O'Brien bei der Oscar-Verleihung 1951

(34)   Ingo Strecker: Haben Sie jemals von KONG gehört?

 

Der Oscar für die besten Spezialeffekte ging 1950 an Willis O'Brien, Hollywoods Altmeister der Stop-Motion-Animation, für den Film Panik um King Kong (Mighty Joe Young, 1949). Verdient hätte er ihn bereits 1933 für das Original, King Kong – nur dass es damals die Kategorie „beste Spezialeffekte“ noch nicht gab. King Kong zählt gewiss zu den einflussreichsten Filmspektakeln der Kinogeschichte, und es war Willis O'Brien mit seinen Tricks und romantischen Urzeitvisionen, der es wahr­haftig zum Leben erweckte. Ingo Strecker ist zu danken, das erste deutsch­e Buch über O'Brien geschrieben zu haben. Und ein lesenswertes dazu.    (23. März 2016)


Szenenfoto mit David Love aus Außerirdischer in dem Film "Teenagers from Outer Space" (USA 1959) von Tom Graeff

(33)   Teenagers from Outer Space (USA 1959)

 

Viel Hohn und Spott hat dieser rund um L. A. gedrehte No-Budget-Streifen schon über sich ergehen lassen müssen. Dabei ist der Film längst nicht so schlecht, wie er hingestellt wird und recht unterhaltsam. Man merkt ihm an, dass er praktisch aus Nichts mit viel Herzblut gemacht wurde. Autor, Produzent und Regisseur war Tom Graeff, seinerzeit liiert mit seinem Hauptdarsteller David Love, den er vergeb­lich zum Star aufzubauen hoffte. Der Misserfolg von Teenagers veränderte Graeffs Leben nachhaltig, zerstörte er doch seinen Glauben an eine Hollywoodkarriere. Elf Jahre später nahm sich Graeff in der Nähe von San Diego das Leben.  (17. März 2016)


Szenenfoto aus "2001: Odyssee im Weltraum" (USA 1968) von Stanley Kubrick

(32)   Alan Frank: The Science Fiction and Fantasy Film Handbook (1982)

 

Ein ellenlanger Titel für ein Nachschlagewerk, dessen einzelne Einträge dafür umso knapper gehalten sind. Das Buch erschien eben noch zu einer Zeit, als Drucken deutlich teurer war als heute und sparsam mit dem Platz auf den Druckseiten umgegangen wurde. Der renommierte englische Filmkritiker Alan Frank versam­melt hier massenhaft Daten über die Produktionsstäbe der Filme, gibt aber auch zu jedem Film sein Statement ab – natürlich knapp. Seine Urteile waren oft umstrit­ten, oft auch zu Recht. Ein tolles Buch ist das Handbook trotzdem.    (14. März 2016)


Szenenfoto mit der Rakete auf dem Mars aus dem Film "Flight to Mars" (USA 1951) von Lesley Selander

(31)   Flight to Mars (USA 1951)

 

George Pals Endstation Mond und Kurt Neumanns Rakete Mond startet begrün­de­ten 1950 den modernen Raumfahrtfilm der Nachkriegszeit. Ein Jahr später zog das Billig-Filmstudio Monogram mit diesem Rakete Mond startet-Rip-Off nach. Der Film entstand unter der Ägide von Walter Mirisch, dem seine glänzende Produzenten­kar­rie­re in Hollywood noch bevorstand. Leider löst Flight to Mars nicht das große marsianische Abenteuer ein, das er verspricht. Aber eine pfeilspitze Fifties-Rakete, knapp bekleidete Marsianerinnen und Genrestars wie Arthur Franz und Morris An­krum hat er dennoch zu bieten. Ein herrlich nostalgisches Bonbon.    (11. März 2016)


Ausschnitt aus dem Kinoplakat zu dem Film "Cargo" (Schweiz 2009) von Ivan Engler und Ralph Etter

(30)   Cargo (Schweiz 2009)

 

Auch die Eidgenossen können sehr cool aussehende Science-Fiction-Filme drehen. Ivan Engler und Ralf Etter beweisen es hier in ihrer mit viel Herzblut hergestellten Produktion, die sechs Jahre Vorbereitungszeit gebraucht, aber nur läppische drei Millionen Euro gekostet hat. Dramaturgisch gibt sich der Film betont europäisch, indem er sehr schleppend, kühl und wortkarg eine Handlung erzählt, die mit Nach-druck philosophische Tiefgründigkeit heischt. Intelligent und sehenswert ist der Film allemal – auch wenn er sich bei Andrej Tarkowskis Solaris, Ridley Scotts Alien oder Rainer Werner Fassbinders Welt am Draht bedient.    (2. März 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Die letzte Kolonie" (The Last Colony, 2007) von John Scalzi

(29)   John Scalzi: Die letzte Kolonie (2007)

 

Scalzis dritter Band seiner Old Man’s War-Saga will endlich alle offenen Fragen über die sinistre Politik der Kolonialen Union auflösen, die die Menschheit an den Rand der völligen Vernichtung durch die anderen interstellaren Spezies gebracht hat. Seine Helden John Perry und Jane Sagan erfahren von alledem erst nach und nach. Vorher schlagen sie sich als Siedler mit Landnahme, einfachem Ackerbau, Streitig­keiten um Ziegen und sonstige Western Frontier-Klischees herum. Die Zukunft bleibt eben auch hier sehr amerikanisch. Nur leider lange nicht mehr so flott und spannend wie in den beiden Vorgängerromanen.    (29. Februar 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Geisterbrigaden" (The Ghost Brigades, 2006) von John Scalzi

(28)   John Scalzi: Geisterbrigaden (2006)

 

John Scalzis „Krieg des alten Mannes“ geht weiter. Auch wenn der „alte Mann“ – John Perry aus Krieg der Klone – hier gar nicht erscheint. Dafür stehen seine Freun­din Jane Sagan, Offizierin, und ein gentechnisch gezüchteter Supersoldat namens Jared Dirac im Mittelpunkt der Ereignisse. Und diese sind erfreulich originell, sodass Geisterbrigaden keineswegs wie ein Aufguss von Krieg der Klone wirkt. Endlich er­fährt man hier auch vage Hintergründe des im All tobenden Krieges. Man ist ge­spannt, wie Heinlein-Verehrer Scalzi das Ganze noch auflösen wird.    (25. Feb. 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Die letzte Kolonie" (Old Men's War, 2005) von John Scalzi

(27)   John Scalzi: Krieg der Klone (2005)

 

Der Debutroman des Bestsellerautors John Scalzi (geb. 1969) ist sehr amerikanisch – aber auch sehr gut. Für pazifistische Naturen bietet das blutige Actionabenteuer eines erbarmungslosen interstellaren Krieges guilty pleasure. Der Krieg wird hier nirgendwo kritisch hinterfragt, und damit wirkt der Roman beinahe wie ein moder­nes Remake von Robert A. Heinleins Starship Troopers (1959). Dass er trotzdem zu gefallen weiß, will schon eine Menge heißen. Am besten, man denkt bei der Lektüre nicht allzu viel nach. Eskapismus eben.    (24. Februar 2016)


Szenenfoto mit dem Außerirdischen aus dem Film "The Man from Planet X" (USA 1951) von Edgar G. Ulmer

(26)   The Man from Planet X (USA 1951)

 

Der mit einem extrem geringen Budget in den übriggebliebenen Kulissen von Viktor Flemings Epos Johanna von Orleans (1948) gedrehte Science-Fiction-Klassi­ker ist wahrscheinlich der erste Featurefilm, der von einer Alieninvasion handelt. Edgar G. Ulmer inszenierte den cheapie mit viel Atmosphäre, auch wenn er oft auf Backdrops und viel, sehr viel wabernden Nebel zurückgreifen musste. Immerhin: Die Kamera führte John L. Russell, der später Hitchcocks Psycho (1960) filmen sollte. Und das Alien ist anders als seine Nachfolger eine tragische, unverstandene Figur. Das macht den Film auch heute noch außergewöhnlich interessant.    (22. Feb. 2016)


Szenenfoto mit Michael York als Logan 5 in dem Film "Flucht ins 23. Jahrhundert" (Logan's Run, USA 1976) von Michael Anderson

(25)   Flucht ins 23. Jahrhundert (USA 1976)

 

Michael Andersons schillernd ausgestattetes Szenario einer von einem Computer regierten, erbarmungslosen Spaßgesellschaft der Zukunft war seiner­zeit der zweitteuerste Science-Fiction-Film aller Zeiten. Schon damals musste er allerdings viel Kritik an den Tricks und dem Drehbuch einstecken. Auch heute noch gilt es als schick, den Film böse zu verreißen. Andererseits gibt es viele nostalgische Fans, die das bunte Sci-Fi-Abenteuer, das so herrlich die Sieb­zigerjahre atmet, in ihr Herz geschlossen haben. Es muss wohl etwas dran sein: Neuerdings nehmen die Pläne für ein Remake unter der Ägide von Simon Kinberg Gestalt an.    (21. Februar 2016)


Ann Francis und Robby the Robot in einem Pressefoto zu dem Film "Alarm im Weltall" (Forbidden Planet, USA 1956) von Fred M. Wilcox

(24)   John Brosnan: The Primal Screen (1991)

 

Der erfahrene Science-Fiction-Kritiker John Brosnan erzählt überaus unterhaltsam die Geschichte des Science-Fiction-Kinos, wobei er sich an den verschiedenen The­menkreisen orientiert. Mit oft schalkhaftem Humor und scharfer Kritik verschont er keine der ungezählten Absurditäten des Genres, das er gleichwohl immer geliebt hat. Science-Fiction-Fans sind nerds, stellt er unumwunden fest – lange bevor Nerds salonfähig geworden sind. Warum er aber wie schon in Future Tense keine geflügelten Raumschiffe mag, will sich nicht recht erschließen.    (18. Februar 2016)


Das außerirdische Monster in einem Pressefoto zu dem Film "I Married a Monster from Outer Space" (USA 1958) von Gene Fowler Jr.

(23)   I Married a Monster from Outer Space (USA 1958)

 

Nach Genuss dieses prachtvollen Exploitationstreifens lecken sich nach wie vor die GenderforscherInnen die Finger, so offen liegen hier die doppeldeutigen Bezüge zu den Zwängen des Fünfzigerjahre-Ideals von der bürgerlichen Middleclass-Ehe zu­tage. Gloria Talbott stellt schon in ihrer Hochzeitsnacht fest, dass sie wahrschein­lich ein kaltherziges Monster geheiratet hat. War damals wohl nicht selten und kommt auch heute noch vor. Nur dass dieses Monster eine eigenartige Kapriole der Evolution darstellt – und aus dem Andromedanebel gekommen ist.    (17. Feb. 2016)


Ausschnitt aus einem Kinoplakat zu dem Film "The Green Hornet" (USA 2011) von Michel Gondry

(22)   The Green Hornet (USA 2011)

 

Viele schmähen diesen Streifen als hohles, zielloses Spektakel, mit einem Arsch­loch als Helden und einer überflüssigen Cameron Diaz als verspätetes Superbabe. Gewiss bietet der Film nicht den ach so gewichtigen Tiefgang, der seit Nolans Batman-Filmen wohl vom Superhelden-Kino erwartet wird. Sieht man den Film hingegen als das, was er ist – ein überdrehter, mit Slapstick und entschärftem Anarcho-Humor gepimpter, greller Comicstrip –, dann macht dieser Film einfach saumäßig viel Spaß!    (14. Februar 2016)


Ausschnitt vom Buchcover des Romans "Himmelsturz" (Pushing Ice, 2005) von Alastair Reynolds in der Ausgabe vom Heyne Verlag

(21)   Alastair Reynolds: Himmelsturz (2005)

 

Gigantische Raumschiffe, die Kometen für die Gewinnung ihrer Rohstoffe durchs Sonnensystem schieben, ein Saturnmond, der sich plötzlich in ein außerirdisches Raumschiff verwandelt, eine unerwartete langjährige Reise zum Stern Spica, die Begegnung mit den Ganz Anderen . . . Der walisische Science-Fiction-Autor Alastair Reynolds beweist hier aufs Neue, dass er der König der epischen Space Opera und des sense of wonder ist. Die Story mit einem hysterischen Zickenkrieg zweier „Alphaweibchen“ aufzumotzen, wäre da gar nicht nötig gewesen.    (13. Feb. 2016)


Ausschnitt vom Buchcover von dem Film-Sachbuch "Future Tense" (1978) von John Brosnan

(20)   John Brosnan: Future Tense (1978)

 

Der Hype um Star Wars (1977) schwappte gerade über den Erdball und veränderte die Vorstellungen des Kinopublikums und das Kino selbst für immer, als dieses Buch über das Science-Fiction-Kino erschien. Es wurde selbst zum viel gelesenen Klassiker. Und obwohl – oder weil – von einem Science-Fiction-Enthusiasten ge­schrieben, hadert der Autor mit der Wissenschaftlichkeit von Star Wars. Der Streit hat inzwischen einen Bart bis in die „weit, weit entfernte Galaxis“. Hier wirkt er noch frisch.    (10. Februar 2016)


Ausschnitt vom Cover des Heftromans von Bert Koeppen: "Rakete Mond startet" (1958), Utopia Großband 84

(19)   Bert Koeppen: Rakete Mond startet (1958)

 

Das Buch zum Film – war in den Fünfzigern noch ein Groschenheft. Zumindest wenn es sich um einen SF-Film handelte. Der Heftroman erschien in der Reihe Utopia Großband und ist ein Kuriosum: Von einem deutschen Pulp-Autor geschrieben, über den heute niemand mehr etwas zu wissen scheint und der oft – fälschlich – für ein Pseudonym von Walter Spiegl gehalten wurde. Der Roman ist schlicht, aber immerhin: In Amerika selbst hat es nie eine Romanfassung von Kurt Neumanns hübschen SF-Film Rocketship X-M (1950) gegeben.    (8. Februar 2016)


Sherry Moreland als Scream Queen in einem Szenenfoto aus dem Film "Rakete Mond startet" (Rocketship X-M, USA 1950) von Kurt Neumann

(18)   Rakete Mond startet (USA 1950)

 

Kurt Neumanns Film Rocketship X-M galt lange Zeit als billiges Rip-Off von George Pals Raumfahrtstreifen Destination Moon, den er im Mai 1950 im Rennen um den früheren Kinostart um wenige Wochen schlug. Beide Filme schmückt der Ruhm, das „moderne“ Science-Fiction-Kino der Nachkriegszeit eingeläutet zu haben. Rocketship X-M ist von beiden Filmen der spannendere, abenteuerlichere – und grimmigere. Das Drehbuch schrieb kein Geringerer als Dalton Trumbo, einer der damals verfemten Hollywood Ten. Und eine marsianische, geschminkte scream queen hat der Streifen auch.    (8. Februar 2016)


Ausschnitt vom Kinoplakat zu dem Film "Phantom from Space" (USA 1953) von William Lee Wilder

(17)   Phantom from Space (USA 1953)

 

Eine unsäglich schlechter, billig heruntergekurbelter Sci-Fi-Trasher der Fünfziger­jahre, der vom im Filmgewerbe wenig erfolgreichen W. Lee Wilder, dem älteren Bruder des berühmten Billy Wilder, produziert und inszeniert wurde. Es geht um einen Außerirdischen, der fast den ganzen Film hindurch unsichtbar ist. Warum? Das bleibt offen. Immerhin sind die Tricks für die Unsichtbarkeit überraschend soli­de. Weshalb das Alien jedoch auf dem lustlos gestalteten Kinoplakat im Helmvisier trotzdem zu sehen ist, weiß wohl nur der Grafiker.    (8. Februar 2016)


Val Kilmer in einem Ausschnitt vom Kinoplakat zu dem Film "Red Planet" (USA 2000) von Anthony Hoffman

(16)   Red Planet (USA 2000)

 

Roger Ebert lag nicht falsch, als er urteilte: Red Planet wäre ein großartiger Fünfzi­gerjahre-Science-Fiction-Film gewesen“. Doch was ist so falsch daran, unlogische und wissenschaftlich schludrige Sci-Fi-Action alter Golden-Age-Schule auch heute noch zu genießen? Zugegeben: Dieser Film türmt eine Menge wissenschaftlicher Schludrigkeiten und Effektheischereien auf, die ärgerlich sind, weil sie gar nicht nötig gewesen wären. Aber die Spezialeffekte und das marsianische Wüstensetting gefallen. Sehr sogar.    (6. Februar 2016)


Ausschnitt vom Cover der Erstausgabe des Romans "The Avatar" (1978) von Poul Anderson

(15)   Poul Anderson: Das Avatar (1978)

 

Der Altmeister der gediegenen Space Opera Poul Anderson (1926–2001) hat mit Das Avatar ein intergalaktisches Abenteuer geschrieben, das mit einer Vielzahl von faszinierenden Welten begeistert, die hier zum Schauplatz werden: Ein Raumschiff mit menschlicher Besatzung ist aufgrund revolutionärer Umtriebe in seinem Hei­mat-Sonnensystem gezwungen, durch ein Sternentor zu springen, ohne Kontrolle über das Sprungziel zu haben – der Beginn einer fantastischen Odyssee durchs Universum. Andererseits ist das Buch in der Darstellung der zwischen­menschlichen Beziehungen leider auch arg chauvinistisch.    (5. Februar 2016)


Szenenfoto aus dem Film "Mission to Mars" (USA 2000) von Brian de Palma; Astronauten auf dem Mars

(14)   Mission to Mars (USA 2000)

 

Viel Kritik hat Brian de Palmas Marsfilm einstecken müssen: inhaltlich eine Melange aus NASA-Propaganda und Erich-von-Däniken-Quatsch, dramaturgisch und darstel-lerisch eher eine flaue Veranstaltung und an der Kinokasse ein schlimmer Flop. Die Kritik ist zum Teil nicht ganz falsch, aber alles in allem halte ich den Film für we-sentlich besser, als die Verrisse glauben machen wollen. Mission to Mars ist ein wunderschön getrickstes und gefilmtes Raumfahrtabenteuer, das noch ein letztes Mal den schönen Traum von gütigen, gottgleichen Aliens träumt. Damit war ein Jahr später, nach Nine-Eleven für lange Zeit Schluss.    (4. Februar 2016)


Ausschnitt des Covers des Buchs "Science Fiction Movies" (1976) von Philip Strick (1939-2006)

(13)   Philip Strick: Science Fiction Movies (1976)

 

Der britische Filmkritiker und Science-Fiction-Liebhaber Philip Strick (1939–2006) hat mit diesem wunderschönen, großformatigen Buch eine Perle der Filmkritik geschrieben. Eine Vielzahl von Filmen werden hier in einer brillanten Gesamtschau des Genres analysiert und in ihre Zusammenhänge mit anderen Filmen und mit dem Kino insgesamt gestellt. Das Buch glänzt aber auch mit einer Masse von her­vorragenden movie stills (zumeist in Schwarzweiß), die oft halbe oder ganze Seiten einnehmen, in ihrer Auswahl ungewöhnlich sind und die den Appetit auf all diese fantastischen Filme anregen.   (4. Februar 2016)


(12)   Larry Niven: Ringwelt-Thron (1996)

 

Larry Niven zählt definitiv zu meinen Lieblingsautoren, und sein Meisterwerk Ring-welt begeistert mich auch noch nach über 30 Jahren, seit ich das Buch das erste Mal gelesen habe. Umso schlimmer war die Enttäuschung über Ringwelt-Thron, Nivens dritten Roman, der sich um die Geschicke von Louis Wu, die Puppenspieler und die Ringwelt dreht. Das Buch ist inhaltlich ein heilloses Durchein­ander ohne roten Faden, das überdies in unappetitlicher Weise aus der heiteren, abenteuerli­chen Tonart der Ringwelt-Romane herausfällt: Es dreht sich hier viel um Vampire und Nekrophagie. Ein ärgerlicher literarischer Totalausfall.    (4. Februar 2016)


(11)   Ringwelt-Ingenieure (1980)

 

Zehn Jahre nach seinem begeisternden Meisterwerk Ringwelt (1970) legte Larry Niven (geb. 1938) endlich das lang ersehnte Sequel vor. Ringwelt-Ingenieure er­weist sich dem Vorgänger mehr als würdig: Mit Louis Wu, dem „Hintersten“ als Ver­treter der Puppenspieler und Chmeee als Vertreter der Kzin als Personal erzählt er ein neues, lebendiges und originelles Abenteuer auf der Ringwelt und erweist sich dabei als überaus spannend. Außerdem klärt der Roman viele Fragen zur Ringwelt, die im ersten Roman noch offen geblieben waren.    (4. Februar 2016)


(10)   Ringwelt (1970)

 

Unbestreitbar ein Meilenstein der Space Opera, weiß dieses leichtfüßig und humor­voll geschriebene, im 29. Jahrhundert angesiedelte Weltraumabenteuer auch heute noch bestens zu unterhalten. Der 200-jährige Lebemann Louis Wu, die stets vom Glück geküsste, junge Teela Brown, der ängstliche „Puppenspieler“ Nessus und der leicht reizbare, katzenartige Kzin „Der-mit-den-Tieren-spricht“ erleben eine ge­fahr­volle Odyssee auf der gigantischen „Ringwelt“, einer künstlichen Welt, die von einer geheimnisvollen Spezies rund um eine Sonne gebaut wurde und von Millio­nen verschiedener humanoider Völker bewohnt wird.    (4. Februar 2016)


(9)  Hüter der Erinnerung (USA 2014)

 

Nach dem durchschlagenden Erfolg von Die Tribute von Panem (2012) und Diver­gent – Die Bestimmung (2014) sind Teenager-Dystopien im Kino zur Zeit schwer in Mode. Auf dieser Welle will auch Philip Noyces Hüter der Erinnerung mitschwim­men. Gleichwohl ist er mehr als nur ein einfallsloses Rip-Off. Zum einen ist seine li­terarische Vorlage, an der er sich eng anlehnt, weitaus älter als die Vorlagen seiner Konkurrenten. Zum anderen hat er eine überaus interessante dystopische Welt vorzuweisen – optisch wie inhaltlich. Und der Film ist angenehm ruhig inszeniert. Schade nur, dass das Ende des Films fürchterlicher Murks ist.  (02.02.16)


(8)   Killers from Space (USA 1954)

 

Dieser extrem billig produzierte Alieninvasionsfilm hat unglaublich dämlich ausse­hende Außerirdische vorzuweisen: Männer in Kapuzenanzügen, denen schielende, bemalte Tischtennisbälle – oder waren es doch Eierhalter aus Plastik? – in die Augenhöhlen geklebt wurden. Ein Brüller in jeder Szene, in der sie zu sehen sind! Und dabei, das ist noch das Köstlichste daran, nimmt sich der Film wirklich ernst und will bedrohlichen Thrill erzeugen. Das gelingt allerdings nur in der ersten Filmhälfte in Ansätzen. Heute sind die ping-pong balls from outer space unter Science-Fiction-Kennern längst Kult.    (2. Februar 2016)


(7)   John Baxter: Science Fiction in the Cinema (1970)

 

Dieses längst zum Klassiker avancierte Buch des gebürtig aus Australien stammen­den Filmkritikers und Autors John Baxter (geb. 1939) ist eine der frühesten mono­grafischen Gesamtdarstellungen des Science-Fiction-Kinos – und zugleich eine der brillantesten. In flüssigem, sehr unterhaltsamen Stil informiert das Buch über eine Fülle von Filmen auf den Punkt und spart auch nicht mit wohlbegründeten Bewer­tungen durch den Autor. Auch wenn es in manchen Punkten und Ansichten veral­tet sein mag, bietet es immer noch hohen Lesegenuss und stellt zahlreiche ähnli­che Bücher jüngeren Datums in den Schatten.    (1. Februar 2016)


(6)   Ikarie XB 1 (CSSR 1963)

 

Dieses nach einem Roman von Stanisław Lem entstandene Weltraumabenteuer zählt zu den besten Science-Fiction-Filmen der Sechzigerjahre. Überzeugend ge­trickst, wundervoll ausgestattet und mit innovativer Regie und Kameraarbeit be­stechend, erzählt Jindřich Poláks Film von der langjäh­rigen, zermürbenden Reise des ersten interstellaren Raumschiffs der Erde zum Alpha-Centauri-System. Der Film ist deutlich von der Nouvelle Vague beeinflusst und vermeidet als osteuro­päische Produktion auch die Helden-Stereotypen ameri­kanischer Prägung. Ein Science-Fiction-Hochgenuss.    (1. Februar 2016)


(5)   Project Moon Base (USA 1953)

 

Kein Geringerer als Robert A. Heinlein (1907–1988) hat den Großteil des Drehbuchs für diesen extrem billig produzierten Film von Richard Talmadge (1892–1981) ge-schrieben, der das Thema des ersten Flugs zum Mond mit einem unwahrscheinli-chen Spionage- und Sabotageplot aufpeppte. Heinlein wollte später nie mehr etwas von seiner Mitwirkung an dem Film wissen, obwohl der Streifen auf seine bescheidene Art durchaus seinen Unterhaltungswert hat. Der Comicstrip-Stil des Films gefällt, und Donna Martell (geb. 1927) ist eine Augenweide. Der Heinleinsche Sexismus indes ist nur schwer erträglich.    (1. Februar 2016)


(4)   Raymond F. Jones: Insel zwischen den Sternen (1956)

 

In gewisser Hinsicht ist der Name des Autors auf dem Cover nicht ganz korrekt, denn auch wenn der Originalroman This Island Earth (1952) aus der Feder von Jones stammt, so bietet dieser Heftroman eine Nacherzählung des auf Jones’ Werk basie­renden Spielfilm This Island Earth (1955), die fast völlig frei formulierend von Walter Ernsting (1920–2005), einem der späteren Väter der Perry Rhodan-Heftromanreihe, verfasst wurde. Ernstings Version der Story bildet bis heute die einzige Fassung von This Island Earth in deutscher Sprache. Dabei hätte Jones’ Originalroman längst eine Übersetzung verdient. Ein Kuriosum.    (31. Januar 2016)


Ausschnitt aus dem Buchcover von "This Island Earth" von Raymond Jones, Shasta-Auflage von 1955

(3)   Raymond F. Jones: This Island Earth (1952)

 

Eine der spektakulärsten und farbenprächtigsten Space Opera der Fünfzigerjahre war der Film Metaluna 4 antwortet nicht (1955) von Joseph Newman. Die Roman­vorlage des Films von dem aus Utah stammenden Science-Fiction-Autor Raymond F. Jones (1915–1994) unterscheidet sich vor allem in der zweiten Hälfte stark von dem Film, weshalb nicht wenige Leser, die durch den Film zum Roman gekommen sind, mit Enttäuschung reagiert haben. Dabei hat das pulpige, leicht überdrehte Abenteuer, das Jones hier serviert, durchaus seinen eigenen, besonderen Reiz. Und es erklärt sogar dezidiert, was der Romantitel bedeuten soll.   (31. Januar 2016)


(2)   Bill Warren: Keep Watching the Skies! (2010)

 

Der Science-Fiction-Film-verrückte Autor Bill Warren (1943–2016) hat mit diesem über 1000 Seiten starken Folianten die Bibel über amerikanische Science-Fiction-Filme der Fünfzigerjahre geschrieben. Bereits 1982 und 1986 in zwei Bänden er­schienen, liegt mit diesem Band eine komplett überarbeitete und aktualisierte Ausgabe vor. Das Buch ist ein wahrer Hochgenuss der Science-Fiction-Filmkritik: überaus detail- und kenntnisreich, aber auch sehr unterhaltsam geschrieben. Statt plumper Verrisse, wie in der deutschen Kritik dieser Filme lange Zeit üblich, gibt es hier wohlfundierte kritische Würdigungen. Ein Meisterwerk.    (30. Januar 2016)


(1)   Metaluna 4 antwortet nicht (USA 1955)

 

Nach Alarm im Weltall (1956) ist dieser Film die mit Abstand prächtigste und spek­ta­kulärste Space Opera der Fünfzigerjahre. Grell, actionreich und unglaubwürdig wie ein überdrehter Comicstrip oder eine Pulp-Story, wurde der Film zwar schon oft ver­lacht, doch die ungebrochene Liebe wirklicher Connaisseurs des Science-Fiction-Kinos konnte das nicht trüben. Mit einem fantastisch inszenierten Krieg zweier Welten im fernen interstellaren All erweist sich der Film als der Urvater von George Lucas’ Star Wars (1977), während sein Mutantenmonster zur vielleicht prägnantes­ten Ikone aller Außerirdischen Hollywoods wurde.    (30. Januar 2016)